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Soziales Netzwerk Facebook: Das neue Tor zum Web

Weil sich die 500 Millionen Nutzer gegenseitig Inhalte empfehlen, ist Facebook zum zweitwichtigsten Web-Verteiler aufgestiegen - und macht jetzt Google Konkurrenz.

Von Lutz Knappmann

Facebook schließt als Einstiegspforte ins Internet immer dichter zu Google auf. So hat das deutsche Computerspieleportal Gameone.de, das vom Musiksender MTV betrieben wird, gemessen, dass die zweithäufigsten Seitenzugriffe mittlerweile von Nutzern stammen, die das Portal von Facebook aus ansteuern.

Nur die Google-Suche generiert dort noch mehr Seitenzugriffe. Vergleichbar fällt die Entwicklung beim Senderportal MTV.de aus. Auch hier ist Facebook inzwischen zweitwichtigster Traffic-Lieferant, wie ein MTV-Sprecher bestätigte.

Mit seinen 500 Millionen Mitgliedern entwickelt sich Facebook zusehends zum ernsten Google-Konkurrenten. Insbesondere jüngere Websurfer steuern ihre Internetnutzung von dem Onlinenetzwerk aus, wo sie etwa Inhalte anderer Onlineseiten mit ihren Freunden teilen.

Empfehlungen von Freunden

Statt auf die gezielte Suche nach Angeboten über Google setzen sie auf Empfehlungen von Freunden bei Facebook, bevor sie eine Webseite ansteuern. Durch den sinkenden Betrieb auf der Website von Google könnten dem Suchkonzern Millionen an Werbeumsätzen verloren gehen.

Die deutschen Verlagshäuser reagierten auf den Trend kürzlich mit der Ankündigung, mit Facebook - ähnlich wie mit Google - über eine Beteiligung an Erlösen zu sprechen, die mit Medieninhalten innerhalb des Netzwerks generiert werden. "Facebook wird für die Verlage in den kommenden zwei Jahren eine ähnliche Bedeutung erlangen wie Google", argumentierte der Verlegerverband VDZ.

Als wichtiger Baustein für die wachsende Bedeutung von Facebook erweist sich der "Like"-Knopf, den Betreiber von Onlineportalen seit dem Frühjahr in ihre Angebote einbauen können. Die Nutzer klicken den Knopf an und empfehlen so etwa Texte, Videos oder Produkte ihren Freunden bei Facebook.

350.000 Webseiten mit "Like"-Button

Weltweit haben rund 350.000 Seiten den Knopf integriert. Zahlen für Deutschland gibt es nicht. Das Nachrichtenportal Bild.de nutzt ihn seit April. Schon früher hätten Leser bei Facebook Links auf Bild.de veröffentlicht. Der "Like"-Button werde aber doppelt so häufig genutzt, hieß es dort.

Die Filmdatenbank IMDB hat laut Financial Times die Seitenzugriffe von Facebook-Nutzern verdoppelt, seit sie den "Gefällt mir"-Knopf einsetzt. Der Kinderkleidungshändler Tea Collection nutzt ihn, um über Produkte abstimmen zu lassen und hat den Umsatz zeitweise verzehnfacht.

"Ich habe noch kein System erkennen können"

Allerdings bringt Facebook nicht immer mehr Seitenzugriffe. "Einige Themen funktionieren besser als andere. Ich habe allerdings noch kein System erkennen können", sagte Michael Zander, der den Onlineshop der Kaffeerösterei Rabenschwarz in Schwelm betreibt.

Wie ernst es Facebook mit dem Angriff auf Google meint, zeigen die Bemühungen bei mobilen Angeboten: Im Interview mit dem Blog Techcrunch kündigte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg an, mithilfe von Partnern Facebook direkt in Mobiltelefone zu integrieren - etwa in einer Spezialversion des Google-Betriebssystems Android.

Diesen Artikel haben wir in der Financial Times Deutschland für Sie gefunden.

FTD
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