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Technik: Schlauer Roboter sucht Erdbebenopfer

Zukünftig soll die Bergung von verschütteten Personen mittels Roboter erfolgen. Robbie 8, der von Studenten der Uni Koblenz-Landau gebaut wurde, ist dabei besonders erfolgreich.

Zuerst schaut sich "Robbie 8" genau um. Mit einem leisen Surren scannt der kleine Roboter die Umgebung ab und sucht nach Wärmequellen. Hat er sie entdeckt, fährt er näher heran und nimmt sie genauer in Augenschein. "Opfer gefunden", meldet Robbie schließlich über eine drahtlose Verbindung an einen Hauptcomputer und blinkt dabei fast aufgeregt mit seinem Blaulicht. "Robbie 8" ist Rettungsroboter für Erdbebenopfer und dazu Weltmeister: Bei der Meisterschaft im US-amerikanischen Atlanta setzte sich die Koblenzer Entwicklung kürzlich gegen 17 Konkurrenten in der Kategorie "Autonomie" durch. Insgesamt traten rund 300 Teams aus 33 Ländern in verschiedenen Disziplinen gegeneinander an.

Seit drei Semestern basteln vorwiegend Informatikstudenten der Universität Koblenz-Landau an dem Roboter, der im Gegensatz zu ferngesteuerten Kollegen selbstständig auf die Suche geht. "Robbie 8" schleppt allerhand Technik mit sich herum: drei Farbbildkameras, 16 Ultraschallsensoren, einen Laserscanner, Wärmesensoren und einen kleinen Laptop. Seine Energie zapft der Roboter aus Batterien - unwegsames Gelände bewältigt er bis zu einem gewissen Grad im Vierradantrieb. Mit dem Laserscanner erstellt "Robbie 8" eine Karte von der ihm fremden Umgebung und markiert darin die gefundenen Opfer. Sollte "Robbie 8" einmal selbst verloren gehen auf seiner Mission, hält sich der materielle Schaden mit rund 14 000 Euro in Grenzen.

Smarter Roboter

"Solche Roboter sollen in Gebieten eingesetzt werden, die für Menschen nur schwierig oder unter Gefahren zugänglich sind", erklärt Projektleiter Johannes Pellenz. In Atlanta stellten mit Heizdecken ausgestattete Puppen die verschütteten Opfer dar. 20 Minuten hatte "Robbie 8" Zeit, sie aufzuspüren. Nach Angaben des Studenten Peter Schneider, der "Robbie" bei der WM am Hauptcomputer überwachte, bekam der deutsche Roboter besonders viele Punkte für seine erstellte Karte. Zudem habe er die gefundenen "Opfer" mit seinen Kameras so "angeschaut", dass die Bilder am Hauptrechner, wo vielleicht irgendwann einmal die Rettungskräfte sitzen, auch verwertbar waren.

"Vielleicht schafft man es in fünf oder zehn Jahren, Rettungsroboter wirklich auf Basis dieser Technik auszurüsten", sagt Schneider. Wie Projektleiter Pellenz erklärt, geht es generell darum, Erkenntnisse in der Entwicklung autonomer Fahrzeuge zu sammeln. Nach den Worten des Leiters der Arbeitsgruppe "Aktives Sehen" in der Koblenzer Computervisualistik, Dietrich Paulus, ist daher nicht der tatsächliche Einsatz von "Robbie 8" in Erdbebengebieten das Hauptziel, sondern das ist - wenn überhaupt - ein Nebenprodukt. Noch hat der Weltmeister einige Macken. So lässt er sich laut Schneider manchmal von anderen Wärmequellen irritieren und steuert Routen an, die zu steil für ihn sind. Die Entwickler zügeln "Robbie 8" dann, indem sie am Hauptcomputer den Notschalter drücken.

Nächster Coup: ein Rennroboter

"Robbie 8" hatte einige Vorgänger. Vor sechs Jahren erweckte Dietrich Paulus "Robbie 1" zum Leben. Dieser fristete sein Dasein als "Empfangsroboter" und begleitete Besucher der Koblenzer Informatiker durch das Uni-Gebäude. "Robbie 4" spielte Fußball. "Robbie 5" war auf dem Campus unterwegs, sammelte kleine Mülleimer ein und brachte sie zu einem größeren Container. Und während der Weltmeistertitel von "Robbie 8" gefeiert wird, sitzt der Nachfolger bereits in den Startlöchern: "Robbie 9" wird "Rennrobotor" und soll seine Konkurrenten bei Wettbewerben im Slalomparcours möglichst weit hinter sich lassen.

DPA / DPA