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Vernetzte Stadt: Der Wohnzimmer-Arzt

Bürger leben in einer komplett vernetzten Stadt: Das deutschlandweit einzigartige Experiment in Friedrichshafen startet mit seinem ersten konkreten Projekt. Mit dem Telemedizin-System Motiva können chronisch herzkranke Menschen zu Hause überwacht und betreut werden.

Von Friederike Nagel

"Ich bin sowieso Frühaufsteher", sagt Marga Tschiersch forsch und deutet auf die flache silberfarbene Waage oben im ersten Stock. "Immer so gegen sieben Uhr morgens stelle ich mich da drauf, und dann weiß mein Fernseher, wie viel ich wiege." Die 72-jährige Dame lebt nicht in einer Fantasiewelt, sondern ist eine der ersten zehn chronisch herzkranken Patienten, die am Projekt Motiva, einer Art täglichen mobilen Visite zu Hause, teilnehmen.

Seit Anfang November wird der Fernseher im Patientenhaushalt mindestens einmal am Tag auf einen persönlich zugeschnitten Kanal umgeschaltet, ähnlich wie im Hotel. "Ich drücke einfach auf die Taste AV", sagt Tschiersch, "gebe meine dreistellige Geheimzahl ein, schon bin ich drin." Um das zu ermöglichen, bekam sie einen Breitbandanschluss, eine Waage, ein Blutdruckgerät sowie eine kleine Set-Top-Box gestellt. "Die sieht aus wie ein Videorekorder, sammelt aber meine Blutdruckwerte, Puls und Gewicht per Funk ein", erklärt die Seniorin eifrig. Diese werden dann über ein sicheres Netz an ein Rechenzentrum übermittelt, aus dessen Datenbanken sie wiederum der behandelnde Arzt abholt und mit einem speziellen Programm auswertet.

Für den Privatdozenten und Chef der Kardiologie am Klinikum Friedrichshafen, Detlev Jäger, bedeutet Telemedizin, "dass der Patient einerseits an eine kürzere Leine genommen wird, weil er viel enger überwacht wird als normal", sich andererseits aber im häuslichen Umfeld und ohne hohen Zeitaufwand um seine Gesundheit kümmern kann. "Findet das System Unregelmäßigkeiten in den Daten, schlägt es sofort Alarm", sagt Jäger.

Das in dieser Form einzigartige telemedizinische Betreuungssystem ist Teil eines ehrgeizigen Experiments der Telekom, das im vergangenen Jahr mit dem Ideenwettbewerb "T-City" begann und an dem 52 deutsche mittelgroße Städte teilnahmen. Friedrichshafen, vorher hauptsächlich für seine Autozulieferbetriebe und die Zeppelin Luftschifftechnik GmbH bekannt, schmückt sich nun seit Februar mit dem pink leuchtenden Etikett "T-City" - es weht auf Fahnen an der Uferpromenade und prangt auf dem Zeppelin NT, der Passagierrundflüge über den See anbietet.

Zum Sieger erkoren, wird das Bodenseeidyll seitdem als erste deutsche Stadt rundum vernetzt - neben einem ultraschnellen Glasfasernetz sollen vor allen auch Hightech-Ideen verknüpft und konkret umgesetzt werden. Technik für alle Fälle also. In das Großvorhaben, das den knapp 60.000 Friedrichhafener Bürgern den Alltag erleichtern soll, investiert die Telekom bis zu 80 Millionen Euro.

Hochgeschwindigkeit in der Provinz

Dazu hat das Unternehmen in der Bodenseestadt mehr als 100 Kilometer Glasfaserkabel verlegt, fast 22 Kilometer Mehrfachrohr eingezogen und 14 Kilometer Kabel in offenen Gräben verlegt. Insgesamt 135 Multifunktionsgehäuse wurden für das fast flächendeckende VDSL-Netz aufgebaut, das über neu verlegte Glasfaserkabel bis zu 25-mal mehr Daten schleust, als ein derzeit gängiger 2-Mbit/s-Anschluss. Bisher haben nur Ballungsräume wie Berlin, Hamburg oder Frankfurt dieses extraschnelle Netz, kleinere Städte dagegen müssen sich dagegen mit einem aufgerüsteten DSL-Netz zufrieden geben, dem so genannten ADSL2+, bei dem einfach eine schnellere Übertragungstechnik zum Einsatz kommt. Die leistungsstarken Glasfaserkabel liegen bis Jahresende in 27 Gebieten bereit, in 450 kleinere Zentren werden nur die alten Kupfernetze aufgerüstet. Friedrichshafen ist die Ausnahme.

Dort bringt auch das neue Mobilnetz HSDPA schnellere Übertragungsraten per Funk. Informationen - von einfachen Telefongesprächen über Röntgenbilder bis hin zu Videos - können so funkgestützt von einem Ort zum anderen geschickt werden. "Noch wenige Wochen und der technische Ausbau ist von unserer Seite komplett abgeschlossen", sagt Ferdinand Tempel, der die Telekom-Aktivitäten für T-City vor Ort leitet.

Ein wichtiger Meilenstein hin zur wirklichen Zukunftsstadt war der Rahmenvertag, der über den Sommer zwischen Stadt und Telekom ausgehandelt wurde. "Ein anstrengender, wenn auch lohnender Prozess, alle konkreten Einzelprojekte zu bestimmen und dann alltagstauglich zu machen", sagt der städtische Projektleiter Andreas Roth. Gerade wurden allen Friedrichshafenern die ersten sechs einzelnen Felder im Rahmen einer großen Informationsveranstaltung vorgestellt. Internetfernsehen, Fernwartung des eigenen PCs, Notruf per GPS, die virtuelle Bildungsplattform EduNex, Fahrkarten auf dem Katamaran zwischen Friedrichhafen und Konstanz, die man per Handy bezahlen kann und eben Medizin der Zukunft. "Jetzt wird es konkret, Hightech zum Anfassen und Erleben", freut sich Roth. So konkret, dass Marga Tschiersch täglich damit in Berührung kommt.

Jeden Tag Verbindung zur Klinik

Seit Ende Oktober trägt die Rentnerin einen Defibrillator in sich. Das kleine Gerät sorgt mittels Elektroden, die mit dem Herzmuskel verbunden sind und bei Rhythmusstörungen einen Stromimpuls selbstständig auslösen, für einen gleichmäßigeren Herzschlag. Zwei Tage später wurde sie in das Kontrollprogramm Motiva aufgenommen und ist seit ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus nun jeden Tag mit Detlev Jäger verbunden.

Kontakt kann in diesem Zusammenhang vieles bedeuten. Lehrfilme, Fragebögen, Verständnisüberprüfungen oder auch persönliche Mitteilungen des medizinischen Personals. Durch die leistungsstarken Netze sind Multimedia-Anwendungen kein Problem mehr. So wie man heute schon über den Computer samt Bildübertragung mit jemanden telefonieren kann, vernetzt das neue Telemedizin-System den einzelnen Patienten mit seinem Arzt, per normaler TV-Fernbedienung.

"Immer wenn ich eine Nachricht aus dem Krankenhaus habe, blinkt eine kleine rote Lampe, die jetzt auf meinem Fernseher steht", sagt Tschiersch, die das technische System "völlig einfach zu verstehen" findet. Dann setzt sie sich auf ihr Sofa und schaut nach, was der Fernseher Neues für sie bereit hält. "Letzte Woche haben die mir einfach ein paar nette Zeilen geschrieben, weil ich immer so gute Werte habe." Für die Rentnerin ist das System ideal, da sie keinen Internetzugang über einen PC hat und trotzdem von der Hightech-Offensive profitiert. "Mit Computern will ich mich in meinem Alter einfach nicht mehr einlassen", sagt sie.

Auf mehr Einlassung hofft dagegen die Telekom. Rein gemeinnützig handelt sie beim Ausbau von T-City schließlich nicht. Mit Friedrichshafen als Vorbild will der Konzern andere Städte als Großkunden gewinnen. Telekom-Mann Ferdinand Tempel sagt: "Das Projekt T-City soll Modellcharakter für Städte in Deutschland haben." Diese sollten am Beispiel Friedrichshafen erkennen können, welchen Nutzen modernste Netze und ITK-Lösungen für die Bürger, die Wirtschaft und damit auch für den Standort mit sich brächten. Tatsächlich könnten so Millionen in die Kassen des von fliehenden Privatkunden gebeutelten Konzerns gespült werden.

"In der T-City wollen wir jedenfalls die Ersten sein, die einen Schwerpunkt auf das Thema vernetzte Gesundheitsdienste legen", sagt Bürgermeister Josef Büschelmeier. In den nächsten Jahren soll Motiva auf mehrere hundert Patienten ausgeweitet werden, hoffentlich mit voller Anerkennung bei den Krankenkassen. Geplant ist außerdem ein Diagnostikportal, das behandelnden Ärzten den Online-Zugriff auf Patientendaten ermöglicht. Systeme für weitere Krankheiten wie Diabetes oder Fettleibigkeit sollen folgen. Immer mit dem Ziel: Mehr Lebensqualität, weniger Krankenhauseinweisungen, kürzere Krankenhausaufenthalte - und niedrigere Kosten. "Da die Patientenzahlen aufgrund der demografischen Entwicklung steigen werden, ist all das entscheidend", gibt Jäger zu Bedenken.

Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.