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Editorial: Das Hitler-Attentat als Hollywood-Thriller

Liebe stern-Leser!

Nach heftigem Streit und viel später als zunächst angekündigt kommt "Operation Walküre" am 22. Januar in die deutschen Kinos. Der Film erzählt in bester Hollywood-Manier die Geschichte des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944. Ein offensichtlich gut gemachter Thriller, aber eben nur ein Film. Die Diskussion, ob ausgerechnet der Scientologe Tom Cruise den Widerstandshelden Claus Schenk Graf von Stauffenberg spielen solle, hat der stern bereits vor einem Jahr geführt. Nun geht es nicht um den Schauspieler Cruise, sondern um den echten Stauffenberg. Der wird durch den Film endgültig zum Gesicht des Widerstands. In "Operation Walküre" leuchtet er strahlender als je zuvor. Über seine Persönlichkeit erfährt der Zuschauer dagegen fast nichts. Im Interview mit unserer Hollywood Korrespondentin Christine Kruttschnitt stellt "Walküre"-Regisseur Bryan Singer klar, dass es ihm in erster Linie um Unterhaltung geht: "'Walküre' ist keine Filmbiografie über Stauffenberg, sondern ein Verschwörungsthriller mit real existierenden Figuren und Geschehnissen."

Dabei ist die Lebensgeschichte des adligen Offiziers spannend und aufschlussreich. Stauffenberg war Militarist und Familienvater, hing obskuren Männerbünden an und träumte vom Heldentod. Hitler erschien ihm zeitweise als Lichtgestalt, schließlich als Verderber des Vaterlandes. Der Oberst ist eine Figur voller Widersprüche. Seit Langem beschäftigt sich stern-Autor Stefan Schmitz mit dem Verhalten der deutschen Militärelite im Nationalsozialismus. Er war einer der letzten Journalisten, denen der vergangenes Jahr gestorbene Philipp von Boeselager einen Einblick in die Gedankenwelt des Widerstandes im Offizierskorps gab. Stauffenberg, so Schmitz in seiner Analyse, die auf Seite 60 beginnt, sei ein Held, der in falschem Glanz erstrahle.

Acht Millionen Menschen wechseln jedes Jahr in Deutschland ihren Job. Einige, weil sie müssen; andere, weil sie auf der Suche nach der großen zweiten Chance sind. Für viele ist das die Gelegenheit, ihr Leben umzukrempeln und ganz neu anzufangen. Die stern-Redakteure Silke Gronwald und Roman Heflik haben acht dieser Umsteiger getroffen: von der Headhunterin, die als Trauerbegleiterin ihr Glück gefunden hat, bis zum Chirurgen, der jetzt mit dem Truck durch Europa kurvt. Acht Menschen mit völlig unterschiedlichen Hoffnungen und Sorgen. Und doch hätten sie eines gemeinsam, berichten die Autoren der Titelgeschichte (ab Seite 36): "Sie sind unendlich froh, dass sie sich auf das Abenteuer Neuanfang eingelassen haben. Einige sagen: 'Wenn es schiefgeht, habe ich wenigstens meinen Traum gelebt. Das kann mir keiner nehmen.'" Wir wünschen Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, dass 2009 ganz viele Träume für Sie in Erfüllung gehen.

Herzlichst Ihr
Thomas Osterkorn

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