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Podcast "Faking Hitler": Folge 10: Tagebuch-Fälscher Kujau: "Wenn ich tot bin, wartet noch eine große Überraschung auf Euch"

Die Tagebücher waren ein Fake. Aber das abgestürzte Flugzeug aus der Fliegerstaffel von Adolf Hitler war echt. Und auch heute noch glauben Menschen, dass die mysteriösen Metallkisten aus der Maschine irgendwo versteckt sind. Kujau-Experte Marc-Oliver Boger ist einer von ihnen. Er begibt sich in Bayern am Hintersee auf Schatzsuche. Und dort holt uns Adolf Hitler wieder ein.

Heute, mehr als 35 Jahre nach dem größten deutschen Presseskandal um die Hitler-Tagebücher, arbeitet Gerd Heidemann immer noch nahezu jeden Tag in seinem riesigen Archiv im Keller des alten Finanzamts Hamburg-Altona. Dort archiviert er die Geschichte. Er heftet Unmengen an Papier, Zeitungsartikel und Fotos in seine 8000 Aktenordner ab. Er sammelt unzählige Daten und Fakten. Es ist seine Lebensaufgabe, der er sich voller Disziplin widmet. Gerd Heidemann ist 87 Jahre alt.

Heidemann Archiv

Konrad Kujau ist vor rund 19 Jahren, am 12. September 2000 an Magenkrebs gestorben. Beerdigt wurde er in Löbau, in seiner sächsischen Heimat. Auch nach seinem Tod: von den Millionen keine Spur.

Hat er das Geld womöglich im Ausland versteckt? Kujau-Experte Marc-Oliver Boger erzählt von den Tagen direkt nach dem Tagebuch-Skandal. Kujau war zunächst ins österreichische Dornbirn geflohen, um sich kurz darauf an der Grenze der Polizei zu stellen. "Kujau ist mit seiner Bekannten Maria Modritsch nach Dornbirn gefahren. Seine Lebensgefährtin Edith Lieblang kam dann einen Tag später nach", sagt Boger. Einen kleinen roten Koffer habe er dabei gehabt, anscheinend mit Unterwäsche und Zahnbürste drin.

Das Gespann sei dann auch mal in die Schweiz nach St. Gallen gefahren, erzählt der Kujau-Kenner. Kujau habe dort wohl auch telefoniert. "Da gab es auch immer den Verdacht, dass er das Geld dort auf ein Schweizer Nummernkonto eingezahlt haben könnte. Das ist natürlich immer noch möglich", sagt Boger. Und er zitiert Kujau, der habe immer gesagt: "Schmeißt mal nichts weg, wenn ich tot bin, da wartet noch eine große Überraschung auf Euch".  Diese Überraschung sei aber bis heute nicht eingetreten.

1988 kam Kujau aus dem Gefängnis frei. Er eröffnete zwei Galerien in Stuttgart und ein Restaurant. Er malte Plakate, entwarf Porzellanteller und Etiketten für Wein- und Sektflaschen, er gab Malunterricht für Kinder und brachte ein Kochbuch heraus. "Er wollte immer mehr sein als er war", charakterisiert Marc-Oliver Boger Kujau heute.

Wir begleiten die Schatzsuche

Während der Recherche zu diesem Podcast ruft Boger noch mal an. Es gäbe da eine Stelle in Bayern, da soll noch was ganz Besonderes zu finden sein: Die Kisten aus dem abgestürzten Flugzeug von Börnersdorf ... Noch immer strahlt dieses Flugzeug eine Faszination aus, die Schatzsucher wie Boger anlockt. In der Hoffnung, historische Ladung aus dem Flugzeug zu finden, die noch niemand zuvor gesehen hat. Und tatsächlich begleiten wir ihn in einem Waldstück oberhalb des Hintersees bei dieser Schatzsuche. Auf was wir bei dieser Recherche stoßen und warum uns auch hier am Hintersee in Bayern Adolf Hitler wieder einholt, das ist in dieser letzten Folge (Folge 10) "Faking Hitler" zu hören. (Im Player oben und auf Apple Podcasts, Spotify und Deezer. Und hier geht es zur Übersicht aller Folgen.)

Die Original-Artikel von 1983:

stern 18/83: Der Fund der "Hitler-Tagebücher"

Henri Nannens Editorial über die Hitler-Tagebücher

Der große Hauptartikel über den Fund der Hitler-Tagebücher

stern 20/83: Die Hitler-Tagebücher entpuppen sich als Fälschung

Henri Nannens Editorial über die Beweise, dass die Tagebücher gefälscht sind.

stern 21/83: Der stern arbeitet den Skandal auf

Henri Nannens Editorial über den Fälschungsskandal

Ausführliche Recherche über den Tagebuchfälscher Konrad Kujau

stern 22/83: Wie der Skandal den stern in eine tiefe Krise stürzt

Ausführliche Dokumentation darüber, was sich in der Redaktion abspielte, nachdem bekannt wurde, dass die Tagebücher gefälscht waren.

Leserbriefe zum Fälschungsskandal

Spöttische Reaktionen der Weltpresse