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Podcast "Faking Hitler": Folge 5: Was das Nacktbild von Hitlers Nichte mit den Tagebüchern zu tun hat

Rund zweieinhalb Jahre dauert es, dann sind die angeblichen Tagebücher komplett. Die Sensation ist perfekt, auf einer Pressekonferenz im April 1983 verkündet der stern den Scoop. Für einen kurzen Moment scheint Reporter Gerd Heidemann die beste Geschichte seiner Karriere abgeliefert zu haben. Und Fälscher Kujau hat noch viel mehr zu bieten als die Aufzeichnungen von Adolf Hitler.

Tage, Wochen, Monate vergehen. Zwischen stern-Reporter Gerd Heidemann und Fälscher Konrad Kujau hat sich eine Routine entwickelt, eine Art Tanz, der immer die gleiche Schrittfolge hat: Kujau kündigt eine neue Tagebuch-Lieferung aus der DDR an. Zum verabredeten Zeitpunkt sind aber - natürlich - keine Kladden da.

Und so kommt es zu den skurrilsten Ausreden, die Kujau Heidemann auftischt. Zu hören in den Original-Tonbandaufnahmen der Gespräche zwischen den beiden aus den 80er Jahren. Kujau erzählt in einem Telefonat Ende November 1981, dass er in der DDR anrufe, drängle, gar "den Befehl durchgebe, dass die so schnell wie möglich machen" sollen. Ein anderes Mal habe der LKW-Fahrer keine Papiere bekommen, sagt der Fälscher. Oder die Post bekomme es einfach nicht gebacken, ein Einschreiben als Päckchen zu verschicken. Und urplötzlich sei dann auch noch Polen Schuld: "Ausnahmezustand in Polen, alle verhaftet", erzählt "Conny", alias Kujau, seinem Freund Gerd Mitte Dezember 1981 am Telefon.

Es geht längst um mehr als nur Tagebücher

Immer hält er Heidemann hin, lenkt ihn ab. Mittlerweile geht es nicht nur um die Tagebücher von Adolf Hitler. Konrad Kujau bietet noch andere, weit absurdere Devotionalien an. In einem Gespräch im November 1981 sprechen der Reporter und der Fälscher auf einmal von "Asche" und "Verbrennungen" - und meinen tatsächlich die Urnen mit der Asche von Hitler und Eva Braun. Wie ein Dealer fixt Kujau so seinen Junkie mit immer besserem Stoff an. Zum Beispiel mit Hitlers angeblichen Aufzeichnungen über Jesus. Diese sollen so besonders sein, dass sie nicht nur mit zwei Siegeln verschlossen sind, sondern mit sage und schreibe acht.

Verwundert war Heidemann über diese immer neuen Absurditäten nicht, sagt er im Interview: "Ich musste für den stern den Jesus-Report recherchieren. Ich dachte, Hitler hätte wieder zum 50. auch solche Sachen geschenkt bekommen." Und dann war da noch die Geschichte rund um die Nacktbilder von Hitlers Nichte Geli Raubal.

"Faking Hitler": Das gefälschte Nacktbild von Hitlers Nichte
Die Geschichte hinter Kujaus Akt von Geli Raubal, erzählt Kujau-Kenner Marc-Oliver Boger: Kujau kaufte ein altes Bild, wusch die Farbe runter und malte auf dieser alten Leinwand einen Akt, der Hitlers Nichte Geli Raubal zeigt. Sie ist Tochter von Hitlers Halbschwester Angela Raubal. Kujau sagte, er verhandelte mit Heidemann einen Kaufpreis dieses Gemäldes, verkaufte es aber dann doch für 25.000 Mark an einen Sammler aus Süddeutschland. Das Gemälde hängt im Kujau-Kabinett in Bietigheim-Bissingen.

Die Geschichte hinter Kujaus Akt von Geli Raubal, erzählt Kujau-Kenner Marc-Oliver Boger: "Kujau kaufte ein altes Bild, wusch die Farbe runter und malte auf dieser alten Leinwand einen Akt, der Hitlers Nichte Geli Raubal zeigt. Sie ist die Tochter von Hitlers Halbschwester Angela Raubal. Kujau sagte, er verhandelte mit Heidemann einen Kaufpreis dieses Gemäldes, verkaufte es aber dann doch für 25.000 Mark an einen Sammler aus Süddeutschland." Das Gemälde hängt im Kujau-Kabinett in Bietigheim-Bissingen.

Die These der Sucht, die des Junkies, der von seinem Dealer immer weiter mit neuen Stoff angefixt wurde, verneint Heidemann im Interview. Die Verlagsleitung sei die treibende Kraft gewesen, sagt er. Sich selbst bezeichnet er lediglich als denjenigen, der auf Betreiben der Oberen immer neues Material beschafft habe. Sicher ist, die Verlagsgeschäftsleitung, allen voran Gerd Schulte-Hillen, witterte das ganz große Geschäft. Die Rechte an den Tagebüchern wurden kurz vor Veröffentlichung im stern für 1,2 Millionen Dollar an den Medienkonzern von Rupert Murdoch verkauft.

Apropos Geld. Wie hat Heidemann Kujau bezahlt? Woher die Millionen kamen und warum sie Heidemann zum Verhängnis werden sollten, hören Sie in Folge 5 von Faking Hitler. 

Edelfeder Wolf Thieme schreibt die Fundgeschichte

Nach mehr als zwei Jahren wird es dann so langsam Zeit, die Tagebücher sollen endlich veröffentlicht werden. Edelfeder Wolf Thieme wird in das Büro von stern-Chefredakteur Peter Koch bestellt. Er soll den Auftakt der Serie, die Fundgeschichte, schreiben. Thieme wird von Heidemann und Ressortleiter Thomas Walde mit Infos versorgt, zieht sich in ein Landhaus in der Lüneburger Heide zurück und schreibt 14 Seiten. Titel der Geschichte: "Wie Sternreporter Gerd Heidemann die Tagebücher fand". Und das Unglück nahm seinen Lauf. Hier in Folge 5 von Faking Hitler. (Im Player oben und auf Apple Podcasts, Spotify und Deezer. Und hier geht es zur Übersicht aller Folgen.)

Hier lesen Sie die Originial-Geschichte "Wie Gerd Heidemann die Tagebücher fand" vom 25. April 1983.

Hier lesen Sie das Editorial des damaligen stern-Chefredakteurs Peter Koch vom 25. April 1983.