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Podcast "Faking Hitler": Folge 9: Wie hat Heidemanns wichtigster Vertrauter den Skandal überlebt?

Der Film "Schtonk" setzt der Affäre ein filmisches Denkmal. Sogar Reporter Gerd Heidemann war daran beteiligt. Außerdem in dieser Episode: Ein wichtiger Protagonist, der bislang in unserer Geschichte kaum in Erscheinung getreten ist: Thomas Walde, Heidemanns engster Verbündeter in der Redaktion. Wie hat er den Skandal überlebt?

Aus der Affäre um die Hitler-Tagebücher wurde ein Film, keine zehn Jahre nach dem eigentlichen Skandal. "Schtonk" war der erste Kinofilm von Regisseur Helmut Dietl - und fuhr mit einer absoluten Top-Besetzung an deutschen Schauspielern auf: Uwe Ochsenknecht spielte den Fälscher, Harald Juhnke den Ressortleiter und Götz George den Reporter.

Szene aus "Schtonk!"

In "Schtonk!" spielten Götz George den Reporter, der im Film Willié heißt, und Harald Juhnke (r.) seinen Ressortleiter, im Film trägt er den Namen Kummer.

Picture Alliance

Auch Gerd Heidemann - das Bild ganz oben zeigt ihn in seinem Archiv -  hat den Film gesehen, mehr noch: "Ich hab ja mitgemacht", erzählt er. "Ich las in allen Zeitungen, dass das verfilmt werden soll. Und hab bei der Bavaria in München angerufen und gesagt: Wollt ihr nicht mal mit mir sprechen, wenn ihr das schon verfilmt?" Nein, es sei alles erfunden, das hat alles mit der Wirklichkeit nichts zu tun, lautete die Antwort der Produktionsverantwortlichen, erinnert sich der Reporter. Und doch habe sich der Mitproduzent in Hamburg mit ihm getroffen, und ihm sei am Ende ein Honorar von 20.000 Mark gezahlt worden.

Während des Drehs wurde Heidemann obendrein ans Filmset eingeladen, und Regisseur Dietl bot ihm an mitzuspielen: Entweder als Portier vor dem Hotel Atlantic, der dem Fälscher die Wagentür öffnet, oder als Wasserschutzpolizist, der den Reporter festnimmt. Heidemann: "Da habe ich gesagt: Soweit kommt es noch, ich bin doch nicht verrückt und öffne dem auch noch die Wagentür." Aber der Wasserschutzpolizist, der sei eine ideale Rolle gewesen, "dass ich mich wegen meiner eigenen Blödheit selbst festnehmen darf." Kurzerhand sei allerdings dann das Drehbuch umgeschrieben worden, so dass Heidemann sich eben nicht selbst festnehmen durfte.

Heidemanns wichtigster Vertrauter: Thomas Walde

Thomas Walde mit einem Souvenir aus Börnersdorf. Dort recherchierte er mit Heidemann den Absturz des Hitler-Flugzeugs und fand eine Alu-Schiene der Ju 352 C.

Thomas Walde mit einem Souvenir aus Börnersdorf. Dort recherchierte er mit Heidemann den Absturz des Hitler-Flugzeugs und fand eine Alu-Schiene der Ju 352 C.

Ein wichtiger Beteiligter ist bislang noch nicht zu Wort gekommen: Thomas Walde. Der ist in unserer Geschichte bisher der große Unbekannte, dabei war er mittendrin: als Verbindung zwischen Heidemann und dem Verlag. Er war der Ressortleiter, er war Heidemanns erster Vertrauter bei der Beschaffung der Bücher. Zusammen reisten sie in die DDR, um in dem Dorf zu recherchieren, wo die Führermaschine 1945 abgestürzt war. Sie soffen mit der Stasi, um Informationen zu bekommen. Und Walde kannte sich aus: Er hatte über Geheimdienste promoviert und wäre beinahe vom BND angeheuert worden. Stattdessen ging er zum stern.

Thomas Walde erzählt von dem großen Moment, auf den Heidemann gewartet hat, auf den offiziellen Startschuss, die Bücher für den stern zu beschaffen. Denn er selbst war der Auftraggeber. Walde erzählt aber auch, wie er den Zusammenbruch erlebte, wie ihn die Wahrheit mit voller Wucht traf. "Morgens wollten sich noch alle mit mir verabreden, abends, nach Auffliegen des Skandals, wechselten die Kollegen bereits die Straßenseite", sagt er. Eine surreale Situation. So sagte ein Kollege zu ihm: "Naja, Du weißt ja, wie das bei der Wehrmacht erledigt wurde, da legte man ein Schießwerkzeug auf den Schreibtisch, dann ging man raus und dann machte es "paff", und die Sache war erledigt." Wie es mit Walde weiterging - das alles in Folge 9 von Faking Hitler. (Im Player oben und auf Apple Podcasts, Spotify und Deezer. Und hier geht es zur Übersicht aller Folgen.)

Die Original-Artikel von 1983:

stern 18/83: Der Fund der "Hitler-Tagebücher"

Henri Nannens Editorial über die Hitler-Tagebücher

Der große Hauptartikel über den Fund der Hitler-Tagebücher

stern 20/83: Die Hitler-Tagebücher entpuppen sich als Fälschung

Henri Nannens Editorial über die Beweise, dass die Tagebücher gefälscht sind.

stern 21/83: Der stern arbeitet den Skandal auf

Henri Nannens Editorial über den Fälschungsskandal

Ausführliche Recherche über den Tagebuchfälscher Konrad Kujau

stern 22/83: Wie der Skandal den stern in eine tiefe Krise stürzt

Ausführliche Dokumentation darüber, was sich in der Redaktion abspielte, nachdem bekannt wurde, dass die Tagebücher gefälscht waren.

Leserbriefe zum Fälschungsskandal

Spöttische Reaktionen der Weltpresse