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Alternative Energien: Öko wird jetzt billig

Öl, Gas und Strom werden immer teurer. Viele Privathäuser steigen daher auf günstige alternative Energien um. Solarenergie, Erdwärme oder Holzpellets werden als Heizquelle zusehends beliebter.

Die Ölheizung von Werner Decker (73) lief wie geschmiert. Doch die steigenden Preise für Öl, Gas und Strom haben ihn zum Nachdenken gebracht: "Ich wollte meine Abhängigkeit von diesen Energiequellen so weit wie möglich reduzieren", sagt der ehemalige Unternehmensberater. Auf alternative Energien umzusteigen, damit hatte der Rentner aus Brühl schon lange geliebäugelt. Solaranlage, Erdwärme oder Holzpellets - moderne Heizmöglichkeiten gibt es viele. Doch welche ist die passende für das eigene Haus? Nach zahlreichen Gutachten und Gesprächen mit Experten entschied sich Decker für eine Kombilösung: eine Holzpellets-Anlage mit thermischer Solaranlage.

Brennstoff als Abfallprodukt

In Deutschland werden mittlerweile 45.000 Heizungen mit Holzpellets, Presslingen aus Hobel- und Sägespänen, betrieben. Allein 2005 wurden 18.000 Anlagen in Privathäuser eingebaut. "Extra Holz muss dafür nicht geschlagen werden", erklärt Winfried Dittmann von der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein. Das Holz, meist Abfallprodukt aus der Möbelindustrie, würde für zwei Millionen Heizungen ausreichen, schätzt er. Die Vorteile einer solchen Anlage liegen laut Dittmann auf der Hand: Die Technik ist einfach, wenig störanfällig und hinterlässt kaum Asche. Wer bereits mit Öl geheizt hat, kann den Heizkeller für die Lagerung der Pellets nutzen.

Zudem sind Pellets derzeit günstiger als Öl: 3000 Liter Heizöl im Jahr kosten für ein Einfamilienhaus rund 1800 Euro; 6000 Kilogramm Pellets je nach Anbieter zwischen 960 und 1320 Euro. Der Holzpelletsbedarf (kg) berechnet sich nach dem bisherigen Heizölverbrauch (Liter) mal zwei. Rund 12.000 Euro muss der Verbraucher für eine Pellets-Anlage bezahlen. Die Kosten für eine moderne Ölheizung liegen je nach Ausführung zwischen 3000 und 9000 Euro. "Aber die Pellets-Anlage wird sich in ein paar Jahren rechnen", ist Werner Decker überzeugt. Vor steigenden Holzpreisen hat er keine Angst: "Da wird der Wettbewerb bald viel zu groß sein." Etwa 30 Anbieter gibt es bereits in Deutschland. Für Verbraucher, die auf alternative Energien umsteigen wollen, gibt es Zuschüsse und günstige Kredite. 2005 wurden Holzpellets-Kessel mit rund 1700 Euro bezuschusst.

Geld vom Staat

Insgesamt 181 Millionen Euro Zuschüsse hat der Staat 2005 für Solar- und Biomasseanlagen, zu denen auch Holzpellets zählen, bewilligt. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums wurden beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) 150.000 Förderanträge gestellt, doppelt so viele wie zum 1. November 2004. Wie hoch die Fördermittel 2006 ausfallen werden hängt von dem noch zu verabschiedenden Bundeshaushalt ab.

Die staatlichen Zuschüsse können mit Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) kombiniert werden: Seit 1. Februar dieses Jahres bietet die KfW Modernisierern und Bauherren zweckgebundene Kredite mit einem effektiven Zinssatz ab 1 Prozent an, die über die Hausbank oder Sparkasse abgeschlossen werden können. "Nicht zu vergessen sind die vielen Förderprogramme der Länder, Kommunen und Energieversorger", sagt Anke Schäfer von BINE, einem Energie-Informationsdienst, der durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert wird. Allein für Privatleute, so Schäfer, gibt es rund 700 Programme.

Solarwärmeanlagen auf dem Vormarsch

Für die Installation von Sonnenkollektoren gab es 105 Euro je qm vom Staat. Vielen Verbrauchern hat das einen Anreiz zum Umrüsten gegeben: "Allein im vergangenen Jahr wurden 100.000 Solarwärmeanlagen in Betrieb genommen", sagt Carsten Körnig vom Bundesverband Solarwirtschaft. 800.000 Anlagen gibt es mittlerweile in Deutschland. Für eine Solaranlage (Warmwasser) müssen zwischen 4000 und 7000 Euro veranschlagt werden. Vier bis sechs qm Kollektorfläche auf dem Hausdach reichen laut Bundesverband Solarwirtschaft bereits aus, um 60 Prozent des Trinkwassers eines 4-Personen-Haushaltes erwärmen zu können.

Am Anfang war Werner Decker skeptisch, ob er mit seiner Pellets-Anlage und den Solarkollektoren die richtige Entscheidung getroffen hat: "Aber jetzt bin ich hellauf begeistert, ich würde mich wieder so entscheiden."

Stefanie Zenke/DPA / DPA

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