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BERLIN: Nie mehr schwarzfahren

Das Semesterticket ist wieder in der Diskussion

Das Semesterticket ist wieder in der Diskussion

In anderen Städten ist es eine Selbstverständlichkeit, in Berlin ist es ein langgehegter Traum der Studierenden: das Semesterticket. Gerade in der Hauptstadt sind die meisten Studierenden auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Wer nicht mit dem eigenen Auto oder dem Fahrrad unterwegs ist, zahlt für das »verbilligte« Ausbildungsticket innerhalb Berlins 81 Mark im Monat. Wer seine Hochschule in Potsdam hat, aber in Berlin wohnt, muss monatlich 102 Mark auf den Tisch legen. Doch jetzt gibt es Licht am Ende des Tunnels. Nach sechs Jahren zähen Verhandelns ist das Semesterticket wieder in der Diskussion und könnte zum Sommersemester 2002 eingeführt werden. Das Ticket soll 215 Mark kosten. Darin enthalten ist die Nutzung des Verkehrsnetzes Berlin und Potsdam sowie die kostenlose Mitnahme des Fahrrads. Das Geld soll mit den Semestergebühren bezahlt werden.

An diesem Punkt beginnen die Probleme, die schon in der Vergangenheit für viel Zündstoff gesorgt haben. Lange hatten sich die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) geweigert, Vergünstigungen zu gewähren. Sie fürchteten finanzielle Verluste, wenn nicht alle 130.000 Berliner Studierenden dieses Angebot nutzen. Deshalb stellte die BVG die Bedingungen, dass alle das Ticket kaufen müssen. Die Studierenden müssen also das Semesterticket erwerben, egal ob sie mit dem Auto, dem Fahrrad, zu Fuß unterwegs oder eben auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind. Da die 215 Mark mit den Einschreibegebühren eingezogen werden sollen, müssen Studierende 400 bis 500 Mark auf einen Schlag zahlen, was einigen zu viel ist.

65 Prozent sind für das Semesterticket

Besonders engagiert kämpft seit Jahren die »Landeskoordination SEMTIX Berlin-Brandenburg« für einen verbilligten Fahrpreis in Berlin und Brandenburg. Sie setzt sich für ein umwelt- und sozialverträgliches Semesterticket für die Studierenden auf der Grundlage eines Solidarmodells ein. Die erste Hürde war die Änderung des Berliner Hochschulgesetzes. Bereits 1998 gab es eine Ergänzung, doch erst im September 2001 wurde das Gesetz geändert und damit der rechtliche Rahmen für ein Semesterticket geschaffen. Im Mai 1999 hatte auch das Bundesverwaltungsgericht in Berlin entschieden, dass ein Semesterticket als Solidarmodell zulässig ist. Dennoch hatte es von den Verkehrbetrieben danach kein Angebot gegeben, das für die Studierenden annehmbar war.

Momentan verhandeln die Studentenschaften mit den Berliner Hochschulverwaltungen über die technische Umsetzung eines Semestertickets. Anschließend sollen die Studentenparlamente an den einzelnen Universitäten und Fachhochschulen Urabstimmungen beschließen. An der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) gab es bereits im Juni 2001 eine Abstimmung, in der sich 65 Prozent der Studierenden für ein Semesterticket aussprachen. Diese Ergebnis ist ein positives Signal für die kommenden Abstimmungen. (se)

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