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Comedyserie "Komm schon!": Sextherapeutin Anette löst jedes Problem – fast jedes

Ihre Patienten sind bei Anette gut aufgehoben, geduldig hört sie sich Probleme an und nimmt sie ernst. Ihre eigene Beziehung läuft auch nicht so gut – und dann kommt auch noch Mama zu Besuch. Die neue Miniserie "Komm schon!" ist Comedy vom Feinsten. 

Vera (Katja Danowski) und Michael (Samuel Weiss) sitzen auf dem Sofa in Anettes Praxis

Anette (Marlene Morreis, Mitte) bei der Arbeit: Vera (Katja Danowski, links) und Michael (Samuel Weiss, rechts) brauchen Hilfe in ihrem Sexleben

Dass es einen "Liebesfarn" gibt, haben wir von Andie Anderson (Kate Hudson) in "Wie werde ich ihn los – in 10 Tagen?" gelernt. Dass dessen Zustand ein Spiegelbild für die Qualität einer Beziehung ist, ebenfalls. Der Farn in der Praxis von Sexualtherapeutin Anette (Marlene Morreis) ist stark ramponiert, so wie die Beziehung zu ihrem Freund. Doch Anette hat schon einen neuen besorgt, also einen neuen Farn.

"Love isn't always so lovely, but hey!", säuselt Nina Müller fröhlich im Vorspann der Comedyserie "Komm schon!", die am Donnerstag bei ZDFneo startet. Und für Anette, die Hauptdarstellerin, ist love schon gar nicht lovely. Während sie bei der Arbeit professionelles Verständnis für jede noch so schräge Vorliebe ihrer Klienten beweist, liegt in ihrer privaten Beziehung der Sex gerade brach. Alles viel zu verkopft. Und dann kommt auch noch ihre Mutter (tolle Rolle und großartige Besetzung mit Victoria Trauttmansdorff) zu Besuch, nervt mit ihrer offenen Art, über ihr Intimleben zu plaudern, mischt sich nicht nur in Anettes Privat-, sondern auch in ihr Berufsleben ein – und zeigt keinerlei Ambitionen, bald wieder abzureisen.

Vier Fälle, die hoffentlich mehr werden 

Während Anettes Schwierigkeiten in die Kategorie Krise eines Kopfmenschen fallen, warten ihre Patienten mit ganz anderen Kalibern auf – logisch, wenn Comedy zur Sexualtherapie geht. Jens (Ole Fischer), ein Frotteur, macht den Anfang und berichtet in ruhiger norddeutscher Art über seine Vorliebe, sich im Bus heimlich an Frauen zu reiben. Er versteht nicht, dass diese Leidenschaft nicht allmählich nachlässt, obwohl die Statistiken sagen, ab 25 würde es besser. Jens ist nun schon 31 und möchte eine normale Beziehung, deshalb ist er bei Anette. Doch statt abnehmender Bus-Lust bemerkt er lediglich eine zeitliche Verzögerung zwischen Einsteigen und Ejakulation: "Früher war es so, dass ich schon vorm Mittelgelenk gekommen bin." Während er seinen Fall schildert, nestelt er an dem Kissen auf seinem Schoß herum – ohne die Fantasie des Zuschauers zu schonen.

Komm schon! Comedyserie ab 5.11 donnerstags 23.10 Uhr auf ZDFn...

Komm schon! Comedyserie ab 5.11 donnerstags 23.10 Uhr auf ZDFneoPokerface

Posted by Komm schon on Tuesday, November 3, 2015

Das Team des "Kleinen Fernsehspiels" vom ZDF wollte ein Serienprojekt ausprobieren und hat dazu Lena Krumkamp, 34, mit dem Drehbuch beauftragt. Ein goldener Griff, wie die Umsetzung zeigt: Sympathische, vielschichtige Charaktere, smarte Dialoge und unausgesprochene Andeutungen beweisen, wie gut Comedy ohne Schenkelklopfer und eingespielte Lacher auskommt. Für die Autorin ist "Komm schon!" ihre erste Comedyserie. "Es war klar, dass es etwas Humorvolles werden soll und eine Sexualtherapeutin nicht noch verkrampfter macht, was ohnehin schon verkrampft ist. Mir war aber wichtig, dass die Figuren auch eine gewisse Tiefe bekommen", erzählt die Hamburgerin. "Deswegen gibt es auch über alle Folgen hinweg lineare Geschichten, die immer weitererzählt werden und nicht einfach jede Folge einen neuen Patienten."

"Den Frotteur muss man gernhaben"

Bei der Gestaltung hatte Krumkamp freie Hand. Für ihre Recherchen diente ihr das sogenannte Hamburger Modell, der Klassiker unter den Sexualtherapien. Ihre Fälle hat sie von einer Psychologin überprüfen lassen, "damit ich da keinen Quatsch erzähle". Auf die Frage, ob sie eine Lieblingsfigur habe, antwortet Krumkamp: "Ich mag den Frotteur sehr gern. Er hat etwas Tragisches, will das aber nicht so zugeben. Und man muss ihn trotzdem gernhaben. Das hat die Regie wirklich toll umgesetzt."

Eine ZDF-Serie, bei der der Gebührenzahler stolz auf seine Mitfinanzierung sein kann. Schon Vorspann und Musik sind ein großes Vergnügen. Mit dem Sendetermin nach Böhmermanns "Neo Magazin Royale" wird es natürlich tough, vernünftige Zuschauerzahlen zusammenzubekommen und die Zweitausstrahlung in der Nacht vom 30. November zum 1. Dezember beim Muttersender liegt auf dem Sendeplatz des "Kleinen Fernsehspiels", das heißt nach Mitternacht. Doch die Quote wird sicher mit entscheiden, ob die Serie weitergeht. Frühaufsteher müssen also entweder aufzeichnen oder die Mediathek nutzen. Für alle anderen lohnt sich das Wachbleiben, "Komm schon!" hat "Tatortreiniger"-Potenzial. 

Auch dieser Mann braucht Hilfe:  "Vera und Michael" versuchen in Folge 2 sexuell wieder zusammen zu finden. Der Einsatz einer Dino-Maske hat Michael (Samuel Weiss) dabei nicht unbedingt geholfen.

Auch dieser Mann braucht Hilfe:  "Vera und Michael" versuchen in Folge 2 sexuell wieder zusammen zu finden. Der Einsatz einer Dino-Maske hat Michael (Samuel Weiss) dabei nicht unbedingt geholfen.

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