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Iranischer Kulturminister unter Beschuss: "Blau ist eine warme Farbe" auf Persisch

Lesben und Schwule sind im Iran ein Tabuthema. Nun hat der iranische Kulturminister zugelassen, dass eine Graphic Novel ins Persische übersetzt wird, in der es um die Liebe zweier Mädchen geht.

Bereits beim ersten Augenkontakt funkt es zwischen Clémentine und der blauhaarigen Emma

Bereits beim ersten Augenkontakt funkt es zwischen Clémentine und der blauhaarigen Emma

Es ist die Geschichte einer großen Liebe, eine schöne, aber auch eine traurige Geschichte. Sie erzählt von der Begegnung zweier Mädchen, Clémentine und Emma, die hart darum kämpfen, ihre Zuneigung zueinander zu leben. In einer Welt voller Vorurteile fällt es Clémentine schwer, sich ihre Gefühle für eine Frau einzugestehen. Sie kommt aus einer kleinbürgerlichen Familie, lebt in einem unaufgeklärten Umfeld und wehrt sich lange gegen den Gedanken, sie könnte lesbisch sein.

Ärger im Iran

Wie schwierig die Auseinandersetzung mit dem Thema Homosexualität mancherorts ist, wird gerade wieder deutlich. Im Iran wird die Regierung von konservativen Medien dafür kritisiert, dass sie die Übersetzung von "Blau ist eine warme Farbe" ins Persische zugelassen hat. "Wie kann das Kultusministerium die Übersetzung dieses Buches erlauben?", schrieb das Webportal "Salehin" am Freitag. Ein Roman, der Werbung für Homosexualität mache, sei gegen alle religiösen und moralischen Werte der iranischen Gesellschaft, hieß es in einem Leitartikel.

Auch das erzkonservative Webportal "Chamrannews" kritisierte Kulturminister Ali Dschannati wegen der Erlaubnis, den Comicroman zu übersetzen und zu veröffentlichen. Dschannati ist seit geraumer Zeit wegen liberalerer Kulturpolitik Zielscheibe von Hardlinern im Iran. Der im Ausland lebenden Autorin und Künstlerin Sohejla Dschodejri, die die Übersetzung ins Persische schrieb, wird im Iran vorgeworfen, für Homosexualität zu werben.

International ausgezeichnet

Die Graphic Novel "Blau ist eine warme Farbe" wurde mit dem Publikumspreis ausgezeichnet, sie ist Julie Marohs Debütarbeit und 2011 in Frankreich erschienen. 2013 verfilmte sie Abdellatif Kechiche unter dem Titel "La vie d'Adèle" und erhielt nicht nur den Preis des Kritikerverbandes, sondern in Cannes auch die Goldene Palme - als erster Film, der auf einer Comicvorlage basiert.

Susanne Baller mit DPA
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