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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: Mein Freund ignoriert mich nach einem belanglosen Streit - manchmal monatelang

Nach einem Konflikt bestrafen manche Menschen ihren Partner mit Liebesentzug. Margrits Freund kann das sogar über Monate durchziehen. Dabei reagiert sie auf diese Art des Umgangs besonders empfindlich.

Liebesentzug tut weh (Symbolbild)

Liebesentzug tut weh (Symbolbild)

Getty Images

Liebe Frau Peirano,

bei Konflikten bestraft mich mein Partner oft mit Liebes- oder sogar Kontaktentzug. Wir sind beide über 40, also keine Kinder mehr, und wohnen getrennt. In seiner Familie ist es so: Nach einem Streit oder einfach nach einem Konflikt spricht man miteinander eine Weile - manchmal mehrere Monate!! - nicht mehr. Und keiner scheint deswegen unglücklich zu sein!

Mich macht so etwas wahnsinnig!!

Meine Mutter hat mich manchmal auch so bestraft, und je mehr ich verletzt war und es gezeigt habe, desto verletzender wurde sie. Mir scheint, dass dieser Umstand mich umso empfindlicher gegen die Verhaltensweise meines Freundes macht, denn genau so fühle ich mich dann wieder...

Ich kann es meistens nicht aushalten, mit jemandem, den ich liebe, nicht zu reden, und tue alles, um die Wellen zu glätten. Es geht ja soweit, dass ich in solchen Situationen im Alltag kaum normal funktioniere!

Zum einen glaube ich manchmal, "harmonieabhängig" zu sein, aber auf der anderen Seite kann ich mit Liebesentzug einfach nicht umgehen, mir tut das zu viel weh...

Haben Sie einen Ratschlag für mich? Und wie kann ein eigentlich sensibler Mann, der mich sonst liebt, in geradezu belanglosen Konfliktsituationen mir gegenüber so gefühlskalt reagieren?

Danke!

Margrit S.


Liebe Margrit S.,

Ich kann mir vorstellen, dass es Sie sehr zermürbt, nach einem Streit so kalt abgestraft zu werden! Und das auch noch für mehrere Wochen oder Monate!

Es ist eine ganz andere Sache, wenn einer sich nach einem Streit erst einmal zurückzieht, um sich zu sammeln und sich zu beruhigen. Für ein paar Stunden! Das wäre ein Handeln nach dem Motto: "Ich bin gerade richtig sauer. Ich gehe erst mal zu einer Freundin /joggen, aber wir reden heute Abend noch einmal in Ruhe!"

So eine einvernehmliche Absprache ist sogar positiv, da man nicht in der Hitze des Gefechts Sachen sagt oder Dinge tut, die man später bereut.

Ihr Freund hingegen entzieht sich wochen- oder monatelang.  Er muss sich nach einer kurzen Zeit längst beruhigt haben. Die  Frage ist also, warum er weiterhin auf Distanz bleibt. Wahrscheinlich, um Ihnen zu zeigen, dass er nicht auf Sie angewiesen ist. Er scheint ganz gut damit zu leben, während es Sie immer stärker zermürbt und schwächt. Und im Endeffekt kommen Sie dann auf ihn zu und bieten ihm alles, um wieder Kontakt zu ihm zu bekommen. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass Ihr Freund einen Machtkampf mit Ihnen austrägt, bei dem Sie aufgrund Ihrer Lebensgeschichte eindeutig die schlechteren Karten in der Hand haben?

Ihnen ist die kalte Abstrafung durch Liebesentzug bereits mit Ihrer Mutter passiert, in der Kindheit, als Sie abhängig von ihrer Liebe und Fürsorge waren. Das muss schrecklich gewesen sein. Leider ist es so, dass Sie sich einen Partner gesucht haben, der Sie an genau den empfindlichen Stellen aus Ihrer Kindheit weiter verletzt - genau dort, wo die Haut bereits dünn ist.

Und Sie rutschen wie auf einer Brücke (man nennt das Affektbrücke) in Ihre Kindheit zurück und werden wieder ein kleines Mädchen, das von der Mutter ignoriert wird und deshalb große Angst empfindet. Sie fühlen sich genau so klein und hilflos, obwohl Sie eine erwachsene Frau sind. Das passiert vielen Menschen bei unverarbeiteten Kindheitserfahrungen, die durch ähnliche Situationen wieder aktiviert werden.

Was glauben Sie, warum haben Sie sich einen Partner gesucht, der Sie in genau der gleichen Art und Weise abstraft wie Ihre Mutter es getan hat? Oft steckt hinter einer solchen Partnersuche, das Drama, dass man als Kind erlebt hat (z.B. alkoholkranker Vater, kalte Mutter) als Erwachsene in den Griff zu kriegen. Aber leider kriegen Sie hier nichts in den Griff, sondern werden deutlich in Ihrem Selbstwertgefühl geschwächt.

Eigentlich liegt es mir auf der Zunge, Ihnen zu raten, diesen Mann zu verlassen, weil er Ihnen nicht gut tut. Sie fühlen sich abhängig, und mit der Zeit und vielen weiteren Phasen des Liebesentzugs werden Sie irgendwann nur noch ein Schatten Ihrer selbst sein.

Ich denke aber, dass es Ihnen sehr schwer fallen wird, Ihren Partner zu verlassen. Sie fühlen sich mittlerweile abhängig von ihm. Vielleicht können Sie ihm ein klares Ultimatum setzen und ihm sagen: Wenn Du mich nach einem Streit noch einmal mehr als einen halben Tag ignorierst, ist es ein und für allemal aus mit uns?

Haben Sie Freundinnen, die Sie auf diesem Weg unterstützen können? Ich kann mir vorstellen, dass Ihre Freundinnen auch die Hände über dem Kopf zusammen schlagen über das Verhalten Ihres Freundes und Ihnen bereits geraten haben, sich zu trennen.

Ansonsten wäre es wichtig, sich therapeutische Hilfe zu holen. Leider muss man zur Zeit besonders lange auf einen Therapieplatz warten, aber vielleicht haben Sie Glück in einer Beratungsstelle?

Ich hoffe sehr, dass Sie es schaffen, sich gegen das Verhalten Ihres Freundes zu wehren. Ob Sie sich dazu von ihm trennen müssen, wird die Zukunft zeigen.

Herzliche Grüße,

Julia Peirano

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hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(