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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: Mein neuer Schwiegervater ist ein echter Fiesling

Schwiegereltern sind manchmal wirklich unangenehm. Petra hat es nun besonders schlimm getroffen: Der neue Mann ihrer Schwiegermutter ist ein echtes Ekel - und macht so Familienfeste zur Hölle. Wie soll man damit umgehen?

Petras neuer Schwiegervater ist ein echtes Ekel (Symbolbild)

Petras neuer Schwiegervater ist ein echtes Ekel (Symbolbild)

Getty Images

Liebe Frau Dr. Peirano,

ich schreibe Ihnen wegen eines Anliegens, welches unsere Familie extrem belastet. Meine Schwiegermutter hat in ihrer zweiten Ehe einen unangenehmen und unmöglichen Mann geheiratet, mit dem sie leider eine unglückliche Ehe führt (dieses ist aber ein anderes Thema).  Das schlimme Verhalten dieses Mannes führt jedoch dazu, dass jede Familienfeier zu einer unangenehmen Qual wird oder in Streitigkeiten endet.

Dieser Mensch lässt keine anderen Meinungen zu, ist launisch und rastet schnell aus. Zusätzlich kommt hinzu, dass er meine Schwiegermutter in jedem zweiten Satz (und das ist nicht übertrieben) beleidigt, erniedrigt und runterputzt - und das vor allen Leuten. Alle Familienmitglieder sind von diesem ekelhaften Verhalten mehr als genervt und meiden schon unsere Familientreffen. Mein Mann meidet seine Mutter ebenfalls immer mehr, weil er diesen Stiefvater nicht ertragen kann. Ich bin bei jedem Zusammentreffen nur damit bemüht, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und sämtliche Eskalationen zu vermeiden.

Es ist schon traurig und schlimm genug, dass meine Schwiegermutter diesen Mann erträgt, aber das ist ihre Sache. Ich frage mich allerdings seit Längerem, ob wir Familienmitglieder das Verhalten dieses Mannes still und leise ertragen und über uns ergehen lassen müssen, der Schwiegermutter zuliebe, oder ob es unser Recht ist, Zusammentreffen mit diesem Mann bewusst zu vermeiden, oder sogar das Wort gegen ihn zu erheben.

Petra T.

Liebe Petra T.,

Es klingt so, als wenn der neue Partner Ihrer Schwiegermutter das Klima in Ihrer Familie gehörig vergiftet und allen, die mit ihm zu tun haben, die Stimmung vermiest.  Besonders Ihre Schwiegermutter scheint sehr unter ihm zu leiden, wenn sie es aus Angst vor seiner Reaktion erduldet, dass er sie beleidigt und entwertet.

Bisher haben die anderen Familienmitglieder betroffen weggesehen oder sind der Situation fern geblieben. Es hat sich bestimmt sehr unangenehm angefühlt, hilflos wegzuschauen und wegzuhören, wenn jemand aus ihrem Kreise angegriffen wird. Sie haben alle genau wahrgenommen, dass die Situation nicht in Ordnung ist und dass Sie sich unwohl mit dem eigenen Verhalten fühlen. Aber aus Angst vor einer Eskalation haben Sie alle bisher mehr erduldet, als es erträglich war.

Ich finde Ihren Vorschlag gut, sich zu wehren. Denn wenn Sie alle einfach wegbleiben, hat Ihre Schwiegermutter keine Unterstützung mehr, und die braucht sie dringend.

Insofern schlage ich vor, dass Sie zuerst mit Ihrem Mann zusammen das Gespräch mit Ihrer Schwiegermutter suchen und Ihr deutlich sagen, was Sie beobachten, hören und wie Sie sich fühlen. Am Besten sind konkrete Beispiele aus jüngster Zeit, um zu verdeutlichen, worum es geht. Sie können Ihrer Schwiegermutter dann sagen, dass Sie die Situation nicht länger ertragen und entweder ihrem Partner deutliche Grenzen setzen oder, wenn sie das nicht will, keine gemeinsamen Treffen und Feierlichkeiten mehr mit ihrem Partner abhalten. 

Dann hat Ihre Schwiegermutter die Entscheidung selbst in der Hand. Wenn Sie Angst vor den Reaktionen ihres Partners hat, wenn er von der Familie Gegenwind bekommt, könnte Sie sich ja zum Beispiel auch dafür entscheiden, ihn nicht zu Festen einzuladen oder ihre Familie alleine zu treffen, zur Not heimlich. Da wäre sie nicht die Einzige. Es wird ihr sicher zu denken geben, wenn ihr gespiegelt wird, wie andere ihren Partner erleben und wie inakzeptabel er für ihre Familie ist.

Wenn Ihre Schwiegermutter sich dafür entscheidet, weiter ihre Familie und ihren Partner zusammen zu bringen, bedeutet das auch, dass ihm zukünftig die Grenzen glasklar aufgezeigt werden.

Der Mann Ihrer Schwiegermutter ist grenzüberschreitend und aggressiv. Er nimmt mehr Raum ein, als ihm selbst zusteht, und das geschieht auf Kosten der anderen. Gerade weil er die Grenzen anderer Menschen nicht achtet und respektiert, wäre es wichtig, ihm diese immer wieder zu markieren, und zwar genau in dem Moment, in dem er es tut. Eine hilfreiche Sichtweise wäre: Wenn er sich benimmt wie ein schlecht erzogenes Kind, wird er auch behandelt wie ein schlecht erzogenes Kind. Das heißt: Wenn er die verbalen oder körperlichen Grenzen überschreitet, sagt man ihm das klipp und klar. Zum Beispiel: "Peter, du bist gerade sehr entwertend zu Susanne." Oder: "Peter, lass bitte die anderen ausreden." Oder: "Es ist sehr dominant, wie du gerade Michael ins Wort fällst. Jeder sollte seine Meinung vertreten dürfen." Also genau so direkt und gelassen, wie Erzieher im Kindergarten ihre Kinder erziehen…

Ein solches Verhalten wird natürlich von dem Mann Ihrer Schwiegermutter nicht widerstandslos aufgenommen werden. Sie und die anderen in der Familie müssen mit heftigem Protest rechnen. Aber Sie haben einen entscheidenden Vorteil: Sie sind in der Überzahl und könnten solidarisch gegen bestimmte Verhaltensweisen bei ihm auftreten, z.B. die Abwertung seiner Partnerin, Drohgebärden, Aggressionen, Niedermachen etc. Es ist möglich, dass der Partner Ihrer Schwiegermutter seine Frau erniedrigt, um sich selbst aufzuwerten und sein niedriges Selbstwertgefühl zu stabilisieren. Wenn ihm bewusst wird, dass er damit keinen Erfolg hat, sondern Gegenwind von einer geschlossenen Gruppe erhält, könnte das dazu führen, dass er sein Verhalten auf lange Sicht ändert oder den Treffen aus eigenem Interesse fernbleibt.

Es ist auf jeden Fall wichtig, dass Sie selbst und die anderen authentisch handeln und für Ihre Werte eintreten. Dafür können Sie diese Situation gut nutzen!

Herzliche Grüße, Julia Peirano

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