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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: Meine Beziehungen halten nie - doch ich möchte nicht einsam alt werden

Zusammen alt werden - das ist der Traum vieler Paare. Was aber, wenn die Beziehungen nie lange genug halten? Bei Michael ist immer nach spätestens zwei Jahren Schluss. Und langsam bekommt er deshalb Angst.

Einsamkeit im Alter ist für viele Menschen eine Angst-Vorstellung (Symbolbild)

Einsamkeit im Alter ist für viele Menschen eine Angst-Vorstellung (Symbolbild)

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Sehr geehrte Frau Dr. Peirano,

Nun bin ich selbst in einer misslichen Lage. Ich bin 63 Jahre alt, berentet, und ein eher ruhiger, sportlicher Typ. Im Sommer habe ich mich von einer Partnerin auf recht unschöne Art und Weise getrennt. Darauf möchte ich jetzt nicht näher eingehen. Ich bin danach, wie ich mir eingestehen muss, in eine depressive Phase abgerutscht. Freunde haben mir geholfen, wieder auf die Beine zu kommen.

Aber es geht um mehr als um die Trennung von meiner Partnerin. Ich hatte in den letzten 30 Jahren keine Partnerschaft, die länger als 2 Jahre gedauert hat, viele Fernbeziehungen dabei, und viele Geschichten sind böse geendet. So langsam verliere ich die Hoffnung, dass ich noch einmal eine Frau finde, mit der ich längerfristig zusammen sein kann. Gerade jetzt, wo ich älter werde und die Zeit für eine Partnerschaft habe, graust mir bei dem Gedanken an die Zukunft. Immer allein.

Dieses Weihnachten konnte ich mich bei meiner Schwester und ihrer Familie einladen. Das war auch schön. Aber es führt mir eben auch vor Augen, was ich alles nicht habe und auch nicht haben werde: eine vertraute Partnerschaft, eigene Kinder, Enkelkinder, selbstverständliches Familienleben und - ja, auch das beschäftigt mich - einen Sinn.

Partnerschaft: 4 untrügliche Zeichen, dass deine Beziehung sich dem Ende nähert

Ich versuche, mich durch Sport und soziale Aktivitäten abzulenken, aber die Gedanken kreisen immer wieder darum, was mir alles bleibt und wie ich die nächsten Jahrzehnte gestalten will.

Ich hoffe, Sie haben ein paar Anregungen.

Michael P.


Lieber Michael P.,

Es klingt traurig, was Sie schreiben. Die Trennung von Ihrer letzten Partnerin war anscheinend der Auslöser für die Lebenskrise, in der Sie gerade stecken. Oder der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Denn Sie sehen ein Muster, das Ihr Leben durchzieht: Partnerschaften halten nicht lange, gehen mitunter böse auseinander. Sie scheinen Schwierigkeiten damit zu haben, sich ganz und gar auf etwas einzulassen: auf eine Frau, auf einer Familie mit allem, was dazu gehört, vielleicht auch auf Ihre Arbeit, die Sie so früh aufgegeben haben?

Meine Frage an Sie ist: Warum ist das so, dass Sie sich nicht mit Haut und Haaren für einen Menschen oder eine Sache engagieren konnten? Sie scheinen sich in Ihrem bisherigen Leben unbewusst immer wieder dafür entschieden zu haben, Ihre (vermeintliche) Freiheit an erste Stelle zu setzen. Die Freiheit, tun und lassen zu können, was Sie wollen. Zeit für sich zu haben, für die Sie niemandem Rechenschaft ablegen müssen. Sich auf niemanden zu verlassen und für niemanden Verantwortung zu übernehmen. Nur Freiheit macht eben nicht immer glücklich, sondern kann auch Leere und Sinnlosigkeit mit sich bringen. Ihre Schwester, die wahrscheinlich nicht so frei war wie Sie, weil sie sich für ihre Familie eingesetzt hat, hat anscheinend Geborgenheit und einen Lebensinhalt.

Ich denke, dass es sich lohnen würde, den Gründen für Ihr Verhaltensmuster auf den Grund zu gehen. Denn ohne zu verstehen, was Sie erlebt haben und was Ihre Motive sind, wiederholen Sie immer wieder das gleiche. Sie suchen sich Partnerinnen, mit denen es nicht klappen kann, oder Sie sabotieren bewusst oder unbewusst (wahrscheinlich letzteres), dass eine Beziehung gelingt und wirklich tragfähig ist. Dahinter verbirgt sich eine Flucht vor Nähe.

Haben Sie selbst eine Idee, warum Sie Nähe vermeiden?

Können Sie sich an Erlebnisse oder Beziehungskonstellationen in Ihrer Kindheit erinnern, die Ihnen vermittelt haben, dass man sich besser auf niemanden verlässt?

Es könnten verschiedenste Dinge sein.

  • War eine oder waren mehrere Bezugspersonen verletzend? Haben Sie die Erfahrung gemacht, dass Sie gekränkt (z.B. kritisiert) wurden, wenn Sie näher mit Ihren Eltern zusammen waren?
  • Oder hat ein Elternteil geklammert und Sie in Ihrer Freiheit beschnitten, so dass Sie gelernt haben, sich immer frei zu strampeln?
  • War die Ehe Ihrer Eltern ein negatives Beispiel dafür, sich einzulassen? Gab es wenig Verbindung, viel Streit, Abwertung, Vertrauensbrüche? Haben Sie vielleicht dadurch gelernt, was Sie auf keinen Fall in Ihrem Leben wollen (Die Familie als Gefängnis).
  • Oder hat ein Elternteil Ihnen den Glaubenssatz vermittelt, dass es besser ist, frei und unabhängig zu sein und sich nicht zu binden? Hat Ihr Vater z.B. seine beruflichen Träume aufgeben müssen, weil er sich früh und zähneknirschend um Frau und Kinder kümmern musste?
  • Wurden Sie als Säugling oder Kleinkind von Ihren Eltern räumlich getrennt (z.B. als Frühgeborener oder wegen einer Krankheit)? Diese längeren Trennungen setzen kleine Kinder massiv unter Stress und bewirken nach einiger Zeit, dass die Kinder nicht mehr versuchen, Kontakt zu Erwachsenen aufzunehmen. Auf einer tief verankerten Ebene wird der Glaubenssatz eingebrannt: Ich muss alleine klarkommen, mir hilft ja doch keiner, wenn ich ihn brauche.

Es wäre sehr wichtig, dass Sie den Ursachen Ihrer tief verankerten Flucht vor Nähe auf den Grund kommen. Ich empfehle Ihnen deshalb, eine Therapie zu machen, und zwar möglichst eine fundierte, längere Psychotherapie (tiefenpsychologisch fundiert, Verhaltenstherapie oder eine systemische Therapie). Sie werden, wenn Sie sich darauf einlassen, sich selbst besser kennen und verstehen lernen. Dadurch bekommen Sie automatisch mehr Bezug zu Ihren Gefühlen und können Ihr Verhalten bewusster reflektieren. Und natürlich auch verändern.

Das ist auch nötig, denn Sie wirken auf mich wie ein sehr einsamer Mensch. Einsamkeit ist das Gefühl mangelnder Verbindung zu sich selbst und zu anderen. Man kann auch unter Einsamkeit leiden, wenn man einen großen Freundes- oder Bekanntenkreis hat. Einsamkeit ist (im Gegensatz zum Alleinsein, das auch sehr wohltuend sein kann) nicht sichtbar, sondern nur fühlbar, und besteht aus dem Leiden daran, sich nicht intensiv austauschen zu können oder auf einen anderen Menschen bezogen zu sein. Die Ursache für Einsamkeit ist in der Regel auch ein fehlender Bezug zu sich selbst. Also das fatale Gefühl, nicht für sich selbst da zu sein.

In China gibt es das Sprichwort: Eine Krise ist eine Chance in Arbeitskleidung.

Ich begrüße es deshalb, dass Sie sich Ihrer momentanen Krise so bewusst geworden sind.

Von außen betrachtet ist es jetzt an der Zeit, dass Sie sich intensiv damit auseinander setzen, wie Sie Ihre Zukunft gestalten wollen.

Unter anderem heißt das:

  • Welche Inhalte wollen Sie in Ihren Tag bringen?
    Denn sich abzulenken bringt nicht viel! Und wenn man genau hinspürt, weiß man auch, ob eine Aktivität Ablenkung ist oder Lebensinhalt. Wenn Sie zum Beispiel hingebungsvoll Klavier spielen oder wandern würden, wäre das keine Ablenkung, sondern ein wichtiger Bestandteil Ihres Lebens.
  • Auch über Ihre Werte sollten Sie sich im Rahmen der Therapie Gedanken machen. Ist es Ihnen z.B. wichtig, sich für andere einzusetzen - und wenn ja, in welcher Form? Finanziell, mit Rat und Erfahrung oder in Form eines Arbeitseinsatzes?
  • Welche Dinge und Aktivitäten sind Ihnen wichtig, welche spielen keine Rolle?
  • Zu diesen Fragen gehört dann auch die Frage, wie eine zukünftige Partnerin für den nächsten Lebensabschnitt sein sollte. Sie könnten sich im Rahmen einer Therapie ein möglichst genaues und realistisches Bild von einer Frau machen, mit der Sie Ihr Leben teilen wollen.
  • Welche Persönlichkeitsentwicklung möchten Sie durchleben: welche Eigenschaften an sich möchten Sie verstärken, welche mögen Sie weniger und wollen sie deshalb eindämmen?

Ich hoffe, dass Sie diese Krise als Aufforderung verstehen, Ihr Leben neu zu ordnen und nach einer tiefen Zufriedenheit zu suchen. Wenn Sie klarer geordnet und zufriedener sind, wird es viel leichter sein, eine passende Partnerin zu finden.

Herzliche Grüße,

Julia Peirano

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.