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Julia Peirano: Der geheime Code der Liebe: Mein Mann hilft mir nicht im Haushalt

Man könnte meinen, es sei heute normal, dass ein Paar sich die Aufgaben im Haushalt und die Kindererziehung teilt. Doch wie geht es einer Frau, die alles alleine erledigen muss, während ihr Mann ihre Hilferufe überhört?

Von Julia Peirano

Egal was sie sagt, ihr Mann weigert sich, im Haushalt zu helfen. Gibt es noch eine Chance für ihre Beziehung?

Egal was sie sagt, ihr Mann weigert sich, im Haushalt zu helfen. Gibt es noch eine Chance für ihre Beziehung?

Liebe Frau Dr. Peirano,

ich schreibe Ihnen, weil ich das Problem habe, dass mein Mann mich in keinster Weise unterstützt. Wir haben zwei kleine Kinder (unser Sohn ist 5, die Tochter 3). Ich mache den ganzen Haushalt alleine, kaufe ein, koche, wasche, bügle und versuche, mit den Kindern viel zu unternehmen. Ich bin viel auf dem Spielplatz, habe mit ihnen ein kleines Beet angelegt, lese ihnen vor und gehe am Wochenende in den Zoo, ins Kindertheater, was auch immer ihnen Freude macht. Dazu bin ich noch halbtags bei der Arbeit. Ich hetze nach Hause, hole die Kinder aus der Kita und unternehme etwas mit ihnen. Mein Mann macht nichts. Er kommt um 19 Uhr nach Hause, spielt vielleicht fünf Minuten mit den Kindern und setzt sich dann vor den Fernseher. Wenn es irgendetwas Schweres zu tragen gibt und ich ihn bitte, sagt er "Gleich". Er macht es dann doch nicht. Mittlerweile mache ich alles selbst, weil er mir ja doch nicht hilft. Ich habe unsere schweren Lautsprecherboxen alleine in den 3. Stock getragen und habe mir den Rücken verrenkt. Nachts habe ich in mein Kissen geheult.

Als unser Sohn geboren wurde und wir unseren ersten Spaziergang mit dem Baby gemacht haben, hatte mein Mann schlechte Laune und fragte: "Soll das jetzt immer so weitergehen, dass wir hier im Park herumlaufen?" Ich fühle mich unendlich traurig und ich bin wütend auf ihn, dass er sich so ein bequemes Leben macht. Am Wochenende ruht er sich aus und ich kann noch mal mit den Kindern auf den Markt gehen oder alleine mit ihnen was unternehmen. Er hat meistens schlechte Laune, wenn wir als Familie etwas machen. Ich muss dazu sagen, dass mein Mann aus einer süditalienischen Familie kommt. Sein Vater und Bruder essen, während seine Mutter die Männer bedient und dann schnell in der Küche isst. Keiner findet was dabei. Wenn sein Vater uns besucht, setzt er sich mit meinem Mann vor den Fernseher, während ich koche. Ich könnte vor Wut platzen. Wenn ich wirklich mal ausraste, guckt er mich verständnislos an. Ich habe schon oft gesagt, dass ich so nicht leben will. Es war schon so, als wir uns kennengelernt haben, aber da habe ich mir dummerweise immer gedacht, er ändert sich. Ich wurde dann sehr schnell schwanger und es hat sich nichts geändert. Ich schäme mich vor unseren Freunden und verheimliche, was bei uns wirklich los ist. Wenn meine Freundinnen davon erzählen, was ihre Männer alles für die Familie machen, könnte ich heulen. Ich habe schon alles versucht: Ich habe ihn gebeten, ich habe vernünftig mit ihm geredet, ich habe es mit Sex versucht, ich habe geschrien und geschimpft. Nichts hat etwas gebracht. Wenn er doch mal etwas mit den Kindern unternimmt, kommt er nach einer halben Stunde wieder. Oder er geht einkaufen und vergisst das wichtigste auf der Liste. Einmal wollte ich zum Beispiel Huhn kochen und er kam ohne Huhn wieder und meinte, es hätte keins gegeben (in einem riesigen Supermarkt!). Er merkt sich auch nichts, was mir wichtig ist. Er lässt die Kinder mit Schuhen durchs Wohnzimmer laufen, obwohl ich ihn zigmal gebeten habe, dass alle die Schuhe ausziehen. Finanziell ist es übrigens so, dass er nur die Hälfte der Miete, Einkäufe etc. bezahlt, obwohl ich wegen der Kinder nur halbtags arbeite und viel weniger verdiene.

Ich weiß nicht mehr, was ich noch machen soll. Ich ärgere mich jeden Tag mehrmals, ich könnte vor Wut platzen. Und ich fühle mich so einsam und ungeliebt, weil mein eigener Mann keinen Finger rührt, um mir zu helfen. Ich habe extrem viel Arbeit mit den Kindern und versuche, alles gut zu machen, damit die Kinder nicht leiden, aber ich bin total erschöpft.

Vielen Dank für Ihren Rat,

Tanja G.

 

Liebe Tanja G.,

ich kann gut verstehen, dass Sie mit Ihrem Latein am Ende sind und sich hilflos, wütend und traurig fühlen. Es hört sich so an, als wenn Sie bei Ihrem Mann auf Granit beißen. Was auch immer Sie probieren, prallt an ihm ab. Man nennt ein Verhaltensmuster wie das Ihres Mannes "passiv-aggressiv": Das ist die Kunst, die Wünsche und Bedürfnisse des Anderen so lange zu ignorieren oder absichtlich falsch zu erfüllen, bis der andere vor Wut platzt. Dann kann der passiv-aggressive Partner verwundert den Kopf schütteln und fragen: "Huch, was ist denn in dich gefahren?"

Ich habe den Eindruck, dass Ihr Mann sich so wenig kooperativ verhält, weil er innerlich noch nicht bereit ist, Kinder zu haben und sich sorgend in eine Familie einzubringen. Er hat bislang keine Vorstellungen davon, was er seinen Kindern beibringen möchte oder wie er sein Familienleben gestalten will. Wahrscheinlich hat er -bewusst oder unbewusst - ein unabhängigeres Leben vor Augen und fühlt sich durch das Familienleben mit seinen Aufgaben eingeschränkt.

In den fünf Jahren, in denen Sie Kinder haben, hat er sich leider nicht entwickelt. Er nimmt die bequeme Pascharolle ein, die er von seinen Eltern kennt. Jedoch übersieht er, dass die traditionelle Männerrolle zwar vorsieht, dass der Mann keinen Finger im Haushalt rührt, aber dafür für die Frau und die Kinder sorgt. Ihr Mann ist, wie es scheint, nicht bereit, etwas zu geben. Er nimmt es in Kauf, dass Sie ein Minusgeschäft machen und unzufrieden sind. Dadurch fühlen Sie sich innerlich weit von ihm entfernt, weil er Ihnen das antut.

Und da Sie das übernehmen, was Ihr Mann nicht leistet (und zum Beispiel auch schwere Lasten tragen), entsteht ein Teufelskreis. Je mehr Sie selbst erledigen, desto weniger muss Ihr Mann einbringen, denn in seinen Augen deckt sich der Tisch ja von selbst.

Es ist an der Zeit, ihm zu sagen: Bis hierhin und keinen Schritt weiter. Versuchen Sie, ihm noch einmal klar mitzuteilen, was Sie alles erledigen und fragen Sie ihn, welche Aufgaben er übernehmen möchte. Wenn er Ausflüchte sucht, zeigen Sie ihm auf, wie unfair das ist. Wahrscheinlich wird das Gespräch keine gangbaren Lösungen bringen, da Ihr Mann in einer starken Verweigerungshaltung ist.

Überlegen Sie dann für sich, welche Möglichkeiten Sie haben, Ihren Ärger loszuwerden. Allerdings sind das Maßnahmen, die die Fronten zwischen Ihnen vermutlich eher noch stärker verhärten werden. Dennoch demonstrieren Sie, dass es so wie bisher nicht weiter geht.

- Kochen Sie zum Beispiel nur für sich und kaufen Sie nur für sich und die Kinder ein.

- Verabreden Sie sich am Wochenende auch einmal ohne die Kinder, so dass Ihr Mann für die Kinder sorgt.

- Und hören Sie auf mit dem Verleugnen: Sprechen Sie offen darüber, wie es bei Ihnen zu Hause läuft. Dann wissen Ihre Freundinnen, wie es Ihnen geht und Sie bekommen hoffentlich Trost und Unterstützung. Möglicherweise ist auch ein offenes Gespräch mit den Eltern Ihres Mannes und mit Ihren Eltern hilfreich, vor allem wenn Sie betonen, dass es sonst über kurz oder lang zu einer Trennung kommt. Auch in Italien ist es nicht ehrenvoll, was Ihr Mann macht.

Ich drücke Ihnen die Daumen, dass sich etwas ändert!

Herzliche Grüße

Julia Peirano

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(