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Single-Börse Parship: Der Opa, der die Liebe bringt

Er ist 82 und kein bisschen liebesmüde: Hugo Schmale hat das Matching in Deutschland bekannt gemacht. Nach seiner Liebesformel suchen Millionen Singles einen Partner im Internet.

Von Cathrin Wissmann

Hugo Schmale ist der Kopf hinter dem Matching-Algorithmus von Parship

Hugo Schmale ist der Kopf hinter dem Matching-Algorithmus von Parship

In einer ziegelroten Villa in Hamburg-Harvestehude sitzt das Hirn von Parship. Hier befindet sich nicht die Firmenzentrale des größten deutschen Partnerportals. In diesem Haus mit kunstvollen Buchsbaumbeeten im Vorgarten lebt Hugo Schmale. Der 82-Jährige ist der geniale Kopf hinter Parship. Vor 15 Jahren entwickelte der Psychologe das erste Matching-Verfahren. Seither suchen Millionen deutscher Singles nach seinem Liebesmuster einen Partner im Internet.

Schmale hat es sich in einem cognacfarbenen Ledersessel seines Arbeitszimmers bequem gemacht. Einen Computer gibt es hier nicht, dafür reihen sich Regale voller Liebesliteratur bis unter die stuckverzierte Decke. Werke von Sigmund Freud stehen dort, ebenso die des Psychoanalytikers Carl Gustav Jung. "Ich habe nie versucht, die Liebe zu berechnen. Als Wissenschaftler weiß ich, dass das nicht möglich ist", erklärt Hugo Schmale, ein stattlicher Herr mit weißem Haar, der Maßschuhe zum Anzug trägt. "Vielmehr beschäftige ich mich mit der Frage, was die Menschen trennt und zusammenführt."

Leidenschaftlicher Beziehungserforscher

Oftmals stellte er fest, dass die Menschen nicht etwa einen Partner suchen, der zu ihnen passt, sondern einen, der ihnen in den Medien oder dem Freundeskreis vorgelebt werde. "Wir sprechen hier von einem Cliquenverhalten", sagt der Psychologe. Das sei menschlich und auch er könne sich davon nicht frei machen. "Als Jugendlicher habe ich mir immer vorgestellt, ich müsste so sein wie Humphrey Bogart, weil ich die Frauen mochte, die mit ihm zusammen waren. So wie Lauren Bacall. Ich dachte damals, an die komme ich heran, wenn ich so bin wie Humphrey Bogart."

Schmale, der zweimal verheiratet war und heute allein lebt, lehrt bis heute an der psychologischen Fakultät der Universität Hamburg. Seine Leidenschaft galt schon immer der Erforschung von Beziehungen. In den Sechziger Jahren entwickelte er Persönlichkeitstests für Magazine wie "Twen", "Cosmopolitan", "Freundin" und den "Playboy". Vor 15 Jahren, Schmale war 67, startete er seine zweite Karriere. Als Online-Kuppler.

Die Effizienz mathematischer Formeln

Zwei Manager des Holtzbrinck-Verlages kamen damals auf ihn zu und boten ihm an, seinen Persönlichkeitstest ins Internet zu verlegen und eine Partnervermittlung darum herum zu stricken. Dass eine solche Singlebörse Erfolg haben könnte, bewies der amerikanische Pionier Match.com, der bereits 1995 mit der Rasterfahndung nach dem richtigen Partner an den Start gegangen war. Schmale sagte zu.

So ging Parship 2000 als erste Partnervermittlung Deutschlands mit einem Matching-Fragebogen online. Anbieter wie ElitePartner und eDarling zogen in den Folgejahren nach und entwickelten ähnliche Tests. "Als wir damals begannen, steckte das Internet noch in den Kinderschuhen. In Deutschland war man skeptisch und misstraute diesem unpersönlichen Medium", erzählt Schmale und lehnt sich noch tiefer in seinen knautschigen Ledersessel. Mittlerweile suchen etwa sieben Millionen Singles einen Partner im Netz. Jede fünfte Beziehung wird hier geschlossen. Kaum jemand glaubt noch, das große Glück an der Supermarktkasse anzutreffen. Stattdessen vertrauen die Suchenden der Effizienz mathematischer Formeln. "Wir haben das klassische Kennenlern-Ritual einfach umgedreht", erklärt Schmale. Statt des Flirtens und Smalltalks werden die Singles gleich mit harten Fakten konfrontiert.

"Ich muss erst einmal herausfinden, wer ich bin"

Die ergeben sich aus Schmales Matching-Katalog. Als Single klickt man sich durch 74 Fragen, die auf den ersten Blick nicht durchscheinen lassen, worauf sie eigentlich abzielen. So will der Computer wissen: "Schlafen Sie bei geöffnetem Fenster?" oder "Wie reagieren Sie, wenn Sie auf einer Bananenschale ausrutschen?". Anhand dieser situativen Fragen wird ein objektives Profil erstellt. "Ich muss erst einmal herausfinden, wer ich bin, bevor ich jemanden suchen kann, der zu mir passt", erklärt Schmale das Prinzip seines Fragebogenkonzepts. Nur so könne verhindert werden, dass eine verzerrte Selbsteinschätzung die Suche nach dem perfekten Partner negativ beeinflusse. Ist der Matching-Katalog ausgefüllt, ermittelt der Computer anhand von Algorithmen innerhalb von Sekunden eine Vielzahl möglicher Partner. Dabei gilt: Je durchschnittlicher man sich gibt, desto größer der Personenkreis, mit dem man matchen könnte.

Wie seine Liebesformel genau funktioniert, will Schmale nicht verraten. Nur so viel kommt dem Professor über die Lippen: "Eine harmonische Partnerschaft basiert auf dem richtigen Verhältnis zwischen Nähe und Distanz. Ich sage immer: So viel Übereinstimmung wie möglich, so viele Gegensätze wie nötig." Es sei zwar nicht wissenschaftlich erwiesen, aber über den Daumen gepeilt könne man sagen, die Profile zwei Menschen sollten zu 80 Prozent übereinstimmen. Wichtig sei zudem das richtige Verhältnis von Männlichkeit und Weiblichkeit. Ein dominanter Mann könne niemals mit einer dominanten Frau glücklich werden. Ebenso unwahrscheinlich sei, dass ein Bodybuilder sein Glück bei einer muskelbepackten Frau fände. Das beste prominente Beispiel sei der Boxer Wladimir Klitschko, dessen zarte Freundin Hayden Panettiere gerade mal 1,53 m groß sei.

Eine schöne Anerkennung

Etwa 451.000 Paare, so die offizielle Zahl von Parship, haben sich nach Schmales Muster bereits ineinander verliebt. Manchmal komme es sogar vor, dass ihn Leute auf der Straße ansprechen und sich bei ihm bedanken. "Woher sie mich kennen, weiß ich nicht. Aber es ist eine schöne Anerkennung für meine Arbeit", sagt Schmale stolz.

Ans Aufhören denkt der Professor nicht. Im August wird er 83, doch er ist noch immer nicht liebesmüde. Aktuell schreibt er an einem Sachbuch. Natürlich über die Liebe.

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