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Fünf nervige Erziehungsstile: Eltern aus der Hölle

Ein Schulleiter beschwerte sich in einem Brandbrief über Helikopter-Eltern, die ihre Kinder verziehen. Was hat er eigentlich? Wir haben fünf Eltern-Szenarien gezeichnet, die weit schlimmer sind.

Ein Stuttgarter Grundschulrektor ist von den überbesorgten Eltern, die ihre Kinder zur Schule fahren, um sie dann bis an den Platz ins Klassenzimmer zu begleiten, schwer genervt. Er schrieb ihnen daher einen Brandbrief wegen massiver Störungen des Schulbetriebs.

Man kann ihn ja verstehen, den armen Mann. Neben den überbesorgten Helikopter-Eltern haben wir aber fünf weitere Erziehungs-Typen gefunden, die nicht nur den Schulbetrieb, sondern das Funktionieren unseres gesamten Systems massiv stören könnten.

1. Die Demokraten-Eltern

Demokraten-Eltern: Nur wenn alle übereinstimmen, kann es richtig sein.

Demokraten-Eltern: Nur wenn alle übereinstimmen, kann es richtig sein.

Alles wird gemeinsam mit dem Kind entschieden. Wohin die nächste Reise geht. Ob das Sofa in Himmelblau oder Hornhautumbra überzogen wird. Ob Mama und Papa noch ein Geschwisterchen zeugen sollen. Im Supermarkt wird dem Zweijährigen ausdauernd und lauthals erläutert, warum der Bio-Stevia-Nuss-Aufstrich klassischer Nutella vorzuziehen ist. Hiernach hat das Kind die freie Wahl. Als weiterer Ausdruck ultimativer Gleichberechtigung lassen sich die Eltern vom Kind mit Vornamen ansprechen. Die Eltern wiederum stellen jeder Frage den Namen des Kindes voran: "Anna-Karlotta, hättest du gerne Möhren zum Abenbrot?"… "Anna-Karlotta möchtest du Guten Tag sagen?"…"Anna-Karlotta soll ich die Grünen oder die Linke wählen?"... Die Political Correctness gilt auch außerhalb des Eltern-Kind-Gefüges: Hat Jonathan ein anderes Kind geschubst, dann eilt die Mutter zum Sandkasten-Dialog. "Jonathan, wir hatten doch besprochen, dass wir das nicht gut finden, oder?" Bricht das Kind eine der gemeinsam erarbeiteten Regeln, reagieren die Eltern mit der schlimmstmöglichen Sanktion: Enttäuschung. Natürlich als Ich-Botschaft. "Ich finde es schade, dass du unsere Abmachung offenbar doch nicht für dich geltend machen kannst."

Das Problem für die Gesellschaft: Kinder, denen eingebläut wurde, dass sie alles mitentscheiden dürfen, haben die Macht, selbst Naturgesetze in Frage zu stellen. Zwei plus Zwei ist eben erst dann Vier, wenn wirklich alle mit der Lösung leben können.


2. Die Best-Friend-Eltern

Nichts fürchten Best-Friend-Eltern mehr, als von ihren Kindern uncool gefunden zu werden

Nichts fürchten Best-Friend-Eltern mehr, als von ihren Kindern uncool gefunden zu werden

Diese Eltern erkennt man daran, dass sie sich gemeinsam mit ihren Kindern durch viel zu enge Spieltunnel zwängen, sich auf breiten Hintern kleine Rutschen herunterzwängen und gerne die gleichen gepunkteten Gummistiefel wie ihre Dreijährigen tragen. Sie verstehen stets, was ihre Kleinen treibt, schließlich können sie sich voll und ganz in sie einfühlen. Kommt das Kind in die Pubertät, werden die zwei großen As - "Abnabelung" und "Alterung" - stumpf ignoriert. Die Mutter trägt jetzt Skinny-Jeans und eine süße Handtasche in der Armbeuge, hakt sich bei der Tochter unter und nötigt sie zu einem "Mädels-Nachmittag". Die Mutter versteht sich als die BFF (Best Friend Forever) der Tochter und tut alles, damit ihre Gefühle erwidert werden. Zur Not mit großzügigen Geschenken oder Vertrauensbeweise, etwa in Form von intimen Details aus dem elterlichen Sexleben. Die peinliche Berührtheit des Kindes wird weggekichert.

Der Vater "chillt" unterdessen mit seinem 14-jährigen Sohn und dessen Freunden kiffend auf der Couch. Um eine Daseinsberechtigung zu haben, spendiert er Bier und Korn - "gönnt euch" und "yoko", oder wie das hieß.

Das Problem für die Gesellschaft: Solche Eltern erlauben ihren Kindern ungeachtet ihres Alters alles. Denn nichts fürchten sie mehr, als bei ihnen unten durch zu sein. Dafür boykottieren sie zur Not auch Gesetze oder Vereinbarungen. Verbietet der Lehrer Handys auf Klassenfahrt, steckt man es dem Kind bei Abfahrt heimlich zu. Denn noch mehr Angst vor der Schmähung ihres Kindes, haben diese Eltern davor, mal für vier Tage aus deren Leben ausgeschlossen zu werden.


3. Die Anarcho-Eltern

Anarcho-Eltern rechtfertigen das flegelhafte Verhalten ihrer Kinder mit einem politischen Programm.

Anarcho-Eltern rechtfertigen das flegelhafte Verhalten ihrer Kinder mit einem politischen Programm.

Von den Anarcho-Eltern gibt es zwei Sorten. Einmal die Neo-Hippies, die politisch motivierten Chaoten, die ihre Kinder in Pfützen springen und Dreck essen lassen, damit sich die lieben Kleinen naturnah entfalten. Regeln gibt es nicht, Rosa und Lenin kennen sich selbst schließlich am besten und wissen, wo ihre Grenzen sind. Diese werden mitunter sehr weit gesteckt. Wenn die lieben Kleinen das Bedürfnis haben, dem Nachbarsjungen mit der Schaufel eines überzuziehen, dann ist dies eine willkommene Grenzerfahrung. Denn was einen nicht umbringt, macht stark für die Widrigkeiten des Lebens. Die zweite Sorte Anarcho-Eltern sind jene, die den antiautoritären Erziehungsstil als Deckmantel für ihre Überforderung oder ihr generelles, pädagogisches Desinteresse nutzen. Bleibt das Kind der Schule fern, so wird das mit einem Achselzucken zur Kenntnis genommen und einfach politisch schöngeredet: Das Kind wird schon seine Gründe haben, warum es diesem von autoritären Zwängen beherrschten System entflieht.

Das Problem für die Gesellschaft: Wenn diese Kinder irgendwann gegen ihre Eltern rebellieren wollen - was in der Natur des Menschen liegt - dann bleibt ihnen nur, die CDU zu wählen.


4. Die Ignoranten-Eltern

Liebe macht blind. Ignoranten-Eltern sehen in ihren Kindern nur eins: Unschuldsengel.

Liebe macht blind. Ignoranten-Eltern sehen in ihren Kindern nur eins: Unschuldsengel.

"Nein, ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass mein Mike so was macht." Es gibt Eltern, die lieben ihre Kinder so bedingungslos, dass sie ihnen nichts Böses zutrauen. Diese Eltern sind überzeugt, dass Alkohol, Gewalt, Sex und Drogen im Leben ihrer Kinder nicht vorkommen. Malt das Kind eine wüste Massenschießerei, schreiben die Eltern "Lustige Party, gemalt von Jakob 2002" darunter. Beschwert sich der Lehrer, dass Milla einen Abfalleimer angezündet hat, wird an der Intelligenz des Lehrers gezweifelt. Es muss sich um eine Verwechslung handeln. Schleppt die Polizei den stockbesoffenen Sechzehnjährigen vor die Haustür, lautet die erste Frage "Wer hat dir das nur angetan, mein Schatz?". Nein, die Kinder dieser Eltern trinken nicht, fluchen nicht, kiffen nicht und haben Sex - wenn überhaupt - erst in der Hochzeitsnacht.

Das Problem für die Gesellschaft: Schuld sind immer die anderen. Selbst wenn das Kind einem anderen Kind grundlos die Fresse poliert, steht außer Frage, dass dem Täter bestimmt irgendwer irgendwann mal ganz doll wehgetan haben muss. Verdrängung wird auch in der Tyrannenaufzucht eingesetzt.


5. Die Bildungsfanatiker-Eltern

Die Kinder von Bildungsfanatiker-Eltern sind besser als Ihre. Viel besser!

Die Kinder von Bildungsfanatiker-Eltern sind besser als Ihre. Viel besser!

Die Kinder dieser Eltern sind keine Eins, sie sind eine Eins Plus. Ihre Kinder sprechen fließend Englisch, Hocharabisch, Mandarin und tanzen transnistrische Volkstänze - vorwärts und rückwärts. Die Eltern erzählen gerne, was für außerordentlich originelle Fragen ihr Franz zu der gestrigen Bundestagsdebatte gestellt hat und dass er mit sechs Jahren nun endlich auch die Relativitätstheorie versteht. Solche Kinder wählen "ganz aus sich heraus" die Latein-AG zur Nullten Stunde und bringen sich dafür am Abend davor nach der Tagesschau selbständig  ins Bett. Das gemeinsame Abendgebet lautet: "Du kannst alles schaffen, wenn du nur willst - und dich verdammt noch mal anstrengst". Die Kinder werden derart in den Himmel gepusht, dass sie irgendwo überhalb der Troposphäre, nahe am Nervenzusammenbruch schweben. Dass sie dort oben keine Freunde haben, ist zweitrangig. "Er hat sich mit Erwachsenen schließlich schon immer besser verstanden." Und niemand bereitet einen besser auf den Ernst des Lebens vor als der Ernst des Lebens.

Das Problem für die Gesellschaft: Diese Kinder im Erwachsenenalter mithilfe von Therapien in die Mitte der Gesellschaft und auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, kostet den Steuerzahler sehr, sehr viel Geld.

mh
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