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Brandbrief eines Stuttgarter Grundschul-Rektors: "Helikopter-Eltern" werden zu massivem Problem

Sie tragen ihren Kindern den Ranzen bis ins Klassenzimmer und stören den Unterricht: Ein Schulleiter einer Stuttgarter Grundschule beschwert sich in einem offenen Brief über Eltern.

Die Tendenz zur Überfürsorge gibt es bei vielen Eltern.

Die Tendenz zur Überfürsorge gibt es bei vielen Eltern.

Blaue Briefe im Briefkasten sind bei Eltern lernschwacher oder auffälliger Schüler besonders vor dem Ende eines Schuljahrs keine Seltenheit. Dass drohende Briefe allerdings an die Eltern selbst adressiert werden, ist dagegen ungewöhnlich. Doch genau dieser Umstand hat sich nun an einer Stuttgarter Grundschule ereignet. Der Schulleiter der Schillerschule in Bad Cannstatt hat einen Brandbrief wegen massiver Störungen des Schulbetriebs an die Eltern der Grundschüler verschickt, wie die "Stuttgarter Zeitung" berichtet.

Das Problem sind hier überfürsorgliche Eltern - oder auch "Helikopter-Eltern" genannt. Rektor Ralf Hermann beklagt in dem Brief, "dass viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, verkehrswidrig und häufig gefährlich an der Kreuzung vor dem Haupteingang der Schule parken, Kind und Schulranzen ausladen, den Ranzen teilweise bis ins Klassenzimmer tragen, dem Sohn oder der Tochter die Jacke abnehmen, helfen die Hausschuhe anzuziehen und dann noch die Gelegenheit nützen, die unterschiedlichsten Dinge mit der Klassenlehrerin zu besprechen. Und all dies nicht selten nach Beginn des Unterrichts um 7.45 Uhr."

Rauchen vor der Schule kein gutes Vorbild

Hermann lege zwar viel Wert auf eine gute Beziehung zwischen Schule und Eltern, aber "in den letzten Wochen wurden Offenheit und Ansprechbarkeit überstrapaziert." Bei wichtigen Anliegen hätte er aber weiterhin noch ein "offenes Ohr".

Dennoch seien die dauerpräsenten Eltern in der Schule oft störend. Selbst zwischen Eltern und anderen Kindern kommt es regelmäßig zu Konflikten. Weiterhin sei das Rauchen der Eltern vor dem Schulgelände kein gutes Vorbild für die Schüler.

Da das Problem mit den etwa "50 Eltern" intern nicht gelöst werden konnte, ging Hermann den Schritt an die Öffentlichkeit. Auch wenn die Übervorsorge vieler Eltern in den letzten Jahren zugenommen hat, so empfindet es selbst die Elternbeiratsvorsitzende Heike Schneider an der Schillerschule als "ziemlich krass".

tob

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