Energiepreise Verbraucher-Proteste so stark wie nie

Die Verbraucher mussten im vergangenen Jahr für Gas und Strom, Heizöl und Benzin so tief in die Tasche greifen wie noch nie. Massiv wie nie protestierten sie allerdings auch gegen die Erhöhungen.

Angetrieben von den steigenden Preisen auf den weltweiten Rohölmärkten verteuerten sich auch fast alle anderen Energieträger, zum Teil beträchtlich. Nicht nur die Energie selbst wurde teurer, sondern auch daraus abgeleitete Dienstleistungen, wie zum Beispiel der öffentliche Nahverkehr, Bahntickets und Urlaubsreisen mit dem Flugzeug. Ein Ende der Entwicklung ist nicht abzusehen; viele Gas- und Stromversorger heben ihre Preise zum 1. Januar weiter an.

Massiv wie nie protestierten die Kunden aber auch gegen die Preiserhöhungen durch die Versorgungsunternehmen. Im Gasbereich erreichten sie mit Zahlungsboykotten und Sammelklagen vor Gericht weitgehende Zugeständnisse. Die Versorger haben nicht nur begonnen, die Kalkulation ihrer Gaspreise offen zu legen, sondern wollen den Kunden schon bald den Wechsel des Versorgungsunternehmens und damit echten Wettbewerb ermöglichen.

Am heftigsten gebeutelt wurden die Besitzer von Ölheizungen

Der Zorn über die hohen Preise, kräftig angeheizt von den Boulevardmedien, kochte gelegentlich über. So durfte im "Spiegel" ein Leserbriefschreiber die "Enteignung dieses gemeingefährlichen Unternehmens" fordern - gemeint war ein simpler Energieversorger. Die Firmen, allen voran Eon, RWE, Vattenfall und EnBW, konnten den Verdacht nicht ausräumen, sich über Gebühr an den steigenden Preisen zu bereichern. Der Verweis auf die wachsende globale Nachfrage nach Energie verfing bei den Kunden nicht. "Wir können an den weltweit steigenden Energiepreisen nichts ändern", beteuert Eon-Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann. "Schieben Sie doch nicht immer alles auf den Weltmarkt", empörte sich dagegen im Spätsommer ein Protestanrufer bei Exxon-Mobil, als der Liter Superbenzin 1,46 Euro kostete.

Am heftigsten gebeutelt wurden die Besitzer von Ölheizungen, die mehr als 26 Prozent Preissteigerung für Heizöl verkraften mussten. Erdgas verteuerte sich dagegen im bundesweiten Vergleich für den Endverbraucher nur um etwas mehr als elf Prozent, ungefähr so stark wie Benzin und Diesel. Viele Gasversorger hatten allerdings schon 2004 die Preisschraube angezogen und auch im Januar 2006 werden Millionen von Verbrauchern mehr zu bezahlen haben. "Der Winter 2005 wird der teuerste in der Nachkriegszeit", klagt Franz-Georg Rips vom Deutschen Mieterbund.

Das Geld fehlt den Kassen der Einzelhändler

Relativ ruhig blieb es beim Strom; hier war nach dem 1. Januar bundesweit nur wenig Preisbewegungen für Haushaltskunden zu verzeichnen. Kohle, aus der viel Strom gewonnen wird, ist der einzige Energieträger, der im abgelaufenen Jahr billiger wurde, von Januar bis November um knapp 13 Prozent. Dennoch stiegen die Notierungen an den europäischen Strombörsen und die staatlichen Lasten auf dem Strom. Viele Versorger erhöhen zum 1. Januar ihre Preise.

Wegen der Vielzahl von Strom- und Gastarifen in Deutschland und dem unterschiedlichen Konsumverhalten der Haushalte ist kaum zu berechnen, wie stark die Menschen tatsächlich von der teuren Energie belastet werden. Für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt kommen übers Jahr aber schnell 500 bis 800 Euro zusammen, die allein 2005 zusätzlich für Energie aufgewendet werden müssen. Dieses Geld fließt teils in die Öl- und Gasförderländer, teils in die Taschen der Energiekonzerne, teils an den Staat. Es fehlt in den Geldbeuteln der Kunden und den Kassen der Einzelhändler. "Eine tragende Säule der Konjunktur wird der private Verbrauch auch 2006 nicht werden", meint die Commerzbank.

Eckart Gienke/DPA


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