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Familien: Kinderbetreuung - worauf es ankommt

Wer sein Kind betreuen lässt, will ein gutes Gefühl dabei haben. Doch welche Kita ist die richtige? Welche Tagesmutter gut? Woran erkennt man eine gute Betreuungsstätte? Die Pädagogin Svenja Zölch weiß, worauf Eltern achten sollen.

In der aktuellen Debatte um die Kinderbetreuung geht es zwar um mehr Krippenplätze, aber viel zu selten um deren Qualität. Dabei ist sie oder die einer Tagesmutter entscheidend für das Wohl des Kindes. Eltern müssen ein wirklich gutes Gefühl haben, wenn sie ihre Kinder abgeben. Svenja Zölch, Erzieherin, Diplom-Sozialpädagogin und Mutter einer kleinen Tochter, berät beim Familienservice in München berufstätige Eltern bei der Auswahl von geeigneten Betreuungsplätzen. Ihre Tipps - worauf Eltern achten sollten.

Handelt es sich um eine Einrichtung der Stadt oder der Gemeinde, einer Kirche, einer Elterninitiative oder ist es eine private Kindertagesstätte? Alle Einrichtungen müssen bestimmte Auflagen erfüllen (zum Beispiel Hygiene, Gebäudesicherheit). Kommunuale Einrichtungen sind sich ähnlicher, bei privaten herrscht mehr Vielfalt.

Entscheidend für die Qualität der Betreuung

Ein zentraler Punkt ist die Gruppengröße und die Betreueranzahl. Experten aus ganz Europa haben im Auftrag der Europäischen Kommission zehn Jahre lang untersucht, wie Kinder optimal betreut und gefördert werden können. Ergebnis: Gruppengröße und Betreuungsschlüssel (das heißt: Wie viele Kinder kommen auf eine Erzieherin?) sind entscheidend für die Qualität der Betreuung. In Münchner Krippen sind meist zwölf Kinder in einer Gruppe, mit einer ausgebildeten Erzieherin, einer Kinderpflegerin und einer Hilfskraft, zum Beispiel einer Praktikantin.

Auch die Zusammensetzung der Gruppe ist wichtig, die Altersgruppen sollten gut gemischt sein - also nicht lauter drei Monate alte Babys mit zwei Zweijährigen. Zudem sollten pro Gruppe mindestens eine ausgebildete Erzieherin die Kinder anleiten.

Montessori, Waldorf oder situativer Ansatz - es gibt viele pädagogische Wege, Kinder ins Leben zu begleiten. Wichtig: Ist der Ansatz transparent und für die Eltern nachvollziehbar? Welche Grundphilosophie haben die Erzieher, welches Menschenbild, welche Normen und Werte werden vermittelt? Werden zum Beispiel Toleranz und ein multikultureller Ansatz gefördert? Welche Fähigkeiten werden gefördert?

Auch wenn die Kleinen über mehrere Stunden täglich betreut werden, bleiben die Eltern natürlich die wichtigsten Bezugspersonen. Daher ist es wichtig, dass sie in die Betreuung einbezogen werden - etwa bei regelmäßigen Elternabende und Elterngespräche. Dazu sollte es einen Wochenplan geben, so dass die Eltern wissen, was die Kinder wann unternehmen.

Gerade kleine Kinder brauchen Rituale, feste Zeiten und Rhythmen. Eine gute Einrichtung bietet Kontinuität, fest angestelltes Personal und einen relativ ähnlichen Tagesablauf.

Bei den Übergaben, vor allem beim Abholen der Kinder, sollten die Erzieher den Eltern eine Rückmeldung geben - was das Kind gespielt, wie es sich beschäftigt, wie es geschlafen und was es gegessen hat. Private Elterninitiativen haben oft den Vorteil, dass die Eltern mitentscheiden und -gestalten können, wie der Alltag der Kinder aussieht. Nachteil: Auch bei Putz-, Koch- und Waschaktionen im Kinderladen müssen die Eltern oft mit ran.

Eine behutsame und individuelle Eingewöhnung ist sehr wichtig für das Kind. Zwei bis vier Wochen sollten dafür angesetzt sein. In dieser Zeit sollten die Phasen der Trennung von den Eltern nach und nach gesteigert werden. Eine feste Bezugsperson, also eine Erzieherin oder Erzieher, sollte sich um das Kind kümmern und ihm Sicherheit geben.

Billig-Plastik-Spielzeug ist nicht empfehlenswert

Damit sich die Kleinen wohl fühlen, sollten die Räume kindgerecht ausgestattet und sauber sein, zum Beispiel mit Extra-Spiel- und Schlafräumen. Oder mit einem Bereich zum Krabbeln, der nicht mit Straßenschuhen betreten werden darf. Sie sollten natürlich auch schauen, ob die Einrichtung kinderfreundlich ist - ob es beispielsweise kleine Tische und Stühle gibt. Zudem: Welches Spielzeug wird angeboten? Nicht empfehlenswert ist zum Beispiel Billig-Plastik-Spielzeug, das Schadstoffe enthalten kann - das ist vor allem bei sehr kleinen Kindern wichtig, die alles in den Mund nehmen.

Bei Krabbelkindern sollte man auch auf die Beschaffenheit des Bodens achten. Und wie sehen die sanitären Einrichtungen aus: Gibt es kleine Kinderklos, Waschbecken und ausreichend Platz zum Wickeln? Wichtig ist auch die Atmosphäre: Wie wirken die Räume, können sich Kinder dort wohlfühlen? Sich dabei nicht blenden lassen: Nur weil alles voller netter Bastelsachen hängt, heißt das nicht, dass die Kita gut ist. In einer anderen Einrichtung wird vielleicht mehr auf freies Spiel oder Musik geachtet. Ein Merkmal ist auch, wie die Erzieher mit den Kindern rausgehen: jeden Tag oder nur bei strahlendem Sonnenschein? Gibt es einen eigenen Garten? Und wenn kein Außengelände vorhanden ist: Kann ein Park oder Spielplatz in der Nähe genutzt werden?

Soll es Bio sein? Wird Zucker verwendet?

Essen ist Geschmackssache, die Eltern müssen entscheiden, was ihnen wichtig ist. Soll alles Bio sein? Woher kommt das Fleisch? Wird Zucker verwendet? Wird auf Lebensmittel-Allergien der Kinder Rücksicht genommen? In städtischen Einrichtungen wird meist in einer eigenen Küche frisch gekocht, die Zutaten und die Gerichte sind eher konventionell. Bei privaten Krippen oder Elterninitiativen steht eher Vollwert-Kost auf dem Programm, in kleinen Einrichtungen kommt sie oft von einem Lieferservice, zum Beispiel "Vitaminchen" in München oder "Vollmund" in Hamburg.

Wer eine regelmäßige, längere Betreuung braucht, für den ist die Krippe in der Regel kostengünstiger als die Tagesmutter. Außerdem ist bei einer Tagesmutter das Risiko höher, dass sie durch Krankheit oder Urlaub ausfällt. Letztlich ist die Frage "Tagesmutter oder Krippe?" aber eine Geschmackssache. Die Krippe ist eine kleine, auch ein wenig künstliche Kinderwelt. Bei der Tagesmutter lernen die Kinder eher normalen Familienalltag kennen, gehen auch mal einkaufen oder kochen gemeinsam. Die Gruppen sind kleiner (offiziell etwa fünf Kinder pro Tagesmutter) und die Betreuung findet in familiärer Atmosphäre statt.

Krippe und Tagesmutter verwischen immer mehr

Sicher sind die meisten Tagesmütter nicht so gut ausgebildet wie etwa eine Erzieherin. Aber auch Tagesmütter werden vom Jugendamt kontrolliert und müssen sich fortbilden. Die Grenzen zwischen Krippe und Tagesmutter verwischen ohnehin immer mehr: Viele Tagesmütter schließen sich mittlerweile zusammen, vertreten sich gegenseitig und bieten eine krippenähnliche Betreuung an, oft nicht mehr in der eigenen Wohnung, sondern in eigens dafür angemieteten Räumen.

Was eine gute Tagesmutter ausmacht? Letztendlich gelten bei Tagesmüttern dieselben Kriterien wie für Krippen, also: Wie ist die Atmosphäre, wie sind die Räume ausgestattet, welche pädagogischen Angebote werden gemacht, was kocht sie, wie läuft die Eingewöhnung ab? Die Kinder sollen auch hier gefördert werden und nicht vorm Fernseher sitzen, während die Tagesmutter bügelt.

Die perfekte Betreuung gibt es nicht

Fazit: Die perfekte Betreuung gibt es nicht. Bei einigen Punkten wird man immer Kompromisse eingehen müssen. Eltern müssen entscheiden, was ihnen besonders wichtig ist: schöne Räume, das Bio-Essen, ein tolles Außengelände oder die besonders liebevolle Erzieherin? Wichtig ist, ein Gefühl für die Atmosphäre in einer Kita zu bekommen: Also zum Tag der Offenen Tür gehen, mit Eltern sprechen, die ihr Kind schon dort betreuen lassen. Was für Eltern geben ihr Kind dort ab, was für Erzieher arbeiten dort, passen die vom Typ her zu mir? Und, ein ganz praktischer Tipp angesichts des Mangels an Betreuungsplätzen in Krippen und Tagesmüttern: Fangen Sie rechtzeitig mit der Suche nach einem Platz an!

Svenja Zölch

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