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Heiligabend: Geschenke von der Tanke? Nein danke!

Schönen guten Tag, Schlafmützen! Auch schon gemerkt, dass diesmal der 24.12. auf einen Sonntag fällt? Für alle Deadline-Junkies und Erbschleicher, die immer noch mit leeren Händen da stehen, hat stern.de die ultimativen Rettungs-Tipps.

Von Karin Spitra

Das Weihnachtsfest 1996 wird mir immer unauslöschlich in Erinnerung bleiben: Mein damaliger Freund überreichte mir Heiligabend mit großer Geste ein kleines Päckchen. Darin - wie ich fand - nicht recht zur großen Geste passend: ein kleines Spielzeugauto. Nicht etwa was Antikes oder eine Oldtimerminiatur, sondern ein schnöder kleiner Ford Fiesta. Ich fuhr damals Golf. Auf der Unterseite der Schachter prangte noch das Preisetikett. Schon einen Wein dieser Preisklasse hätte ich bedenklich gefunden. Aber ein Spielzeugauto? Von der Tankstelle?? Müßig zu sagen, dass dies recht unmittelbar zu einer Neuorientierung der emotionalen Beziehungsstrukturen führte.

Ein Spielzeugauto mit einem Gutschein für ein nettes Wochenende zu zweit wäre toll gewesen. Ein Spielzeugauto mit einem Gutschein, mir die nächsten vier Wochen das Auto zu waschen und zu betanken - das wäre ein Geniestreich gewesen. Aber einfach etwas aus der Tanke mitzunehmen, mit dem ich überhaupt nichts anfangen kann? Das zeugte von erschreckender Leere in dem Hirnsegment, in dem - auch beim Manne - die Sensibilität sitzt. Sogar eine Flasche Billigsekt, eine Schachtel Pralinen und das Versprechen, damit das alljährliche Familientrauma wegzuspülen wären heldenhaft gewesen. Aber Indifferenz und Phantasielosigkeit sind unverzeihlich.

Das Küchengerät - von Mama

Auch Attila, die beste Freundin von allen, leidet immer noch unter der gefühllosen Gabe eines Gegengeschlechtlers. Er beschenkte sie mit einem - damals - sündteuren Eiscrusher. Gut, der lärmte zwar etwas, aber sie freute sich trotzdem sehr, weil sie das Geschenk als Zeichen der Aufmerksamkeit deutete. Gut, Männer die unterm Weihnachtsbaum mit Küchenutensilien ankommen, sind eine Klasse für sich, und man sollte vielleicht auch die Schuld in deren Elternhaus suchen. Aber es zählt ja auch die Geste. So verbachte Attila einen romantischen Heiligabend und einen schwer verkaterten ersten Weihnachtsfeiertag - immerhin muss mit einem Eiscrusher Eis gecrusht werden, was die beiden reichlich taten.

Ihre Freude verwandelte sich erst am zweiten Weihnachtsfeiertag in Sprachlosigkeit, Ärger und Verbitterung. Da nämlich musste sie feststellen, dass ihr Kerl einfach das Teil seiner Mutter entwendet hatte. Die entdeckte das gute Stück in Attilas Küche, als sie den mitgebrachten Pudding in den Kühlschrank stellen wollte, identifizierte es anhand einer orangefarbenen Prilblume und packte sie - in völliger Unkenntnis der Situation - mit den Worten: "Fesch, dann kann ich's ja gleich selber mitnehmen." wieder ein. Die gute Frau hatte geglaubt, ihr Sohn hätte sie sich einfach ausgeliehen.

Deshalb, liebe Männer: Das "Was" ist nicht so wichtig, das "Wie" schon eher. Und alles hilft nicht, wenn die Frau merkt, dass hinter dem Geschenk nur Gedankenlosigkeit steht. Attila ist übrigens immer noch Single, hat aber einen eigenen Eiscrusher. Übrigens ein Geschenk von mir.

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