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Henriette Hell: Was ich über Sex gelernt habe: In Hotels haben wir besseren Sex – wieso?

Eine neue Umfrage belegt, dass Deutsche im Hotel nicht nur doppelt so häufig miteinander schlafen – sie verlängern ihr Liebesspiel auch gleich noch um 32 Minuten! Woran liegt's? Und warum geht das nicht zu Hause?

Temperantwechsel im Hotel? Das kann zu heißen Nächten führen.

Temperantwechsel im Hotel? Das kann zu heißen Nächten führen.

Falls Sie sich gerade im Bademantel auf einem frisch bezogenen Kingsize-Bett lümmeln und sich genüsslich ein Stück Minischokolade in den Mund schieben – erwischt! Sie sind also gerade in einem Hotel – und das bedeutet laut neuesten Erkenntnissen der, ähm, Forschung, dass Sie gerade übermäßig große Lust auf Sex haben! Das geht aus einer weltweiten Umfrage des Hotelportals Hotel Tonight hervor. Darin steht, dass Deutsche in Hotels doppelt so häufig und auch noch durchschnittlich 32 Minuten länger miteinander schlafen als zu Hause. Noch besser: 14 Prozent sind sogar überzeugt, in Hotels bessere Liebhaber zu sein und knapp 20 Prozent bestätigen, dass ihr Partner auswärts tatsächlich besser im Bett ist.

Das liegt laut den Befragten vor allem an der "neuen, aufregenden Umgebung", daran dass "Störungen durch Kinder und Anrufe" sowie "lauschende Nachbarn" wegfallen (was vor allem Frauen antörnt). Nur mal so: Das Zimmer hinterher nicht putzen zu müssen, ist für Briten im Alter zwischen 18 und 24 Jahren der wichtigste Grund, wieso sie im Hotel bessere Liebhaber sind.

Stimmt das wirklich?

Hm, also so ganz kapiere ich das nicht. Ich meine, klar, ein frischbezogenes Kingsize-Bett ist immer sexier als der olle Ikea-Futon mit der verwaschenen HSV-Bettwäsche zu Hause. Und eine geräumige Regendusche regt selbstverständlich die Fantasie an. Ich erinnere mich trotzdem nur an zwei, ähm, denkwürdige Nächte in Hotels:

Nr. 1 fand in der Suite eines 5-Sterne-Hotels statt. Ich war frisch verliebt und das gesamte Ereignis war auf puren Sex ausgerichtet. Blöderweise zog sich mein Freund kurz zuvor eine üble Erkältung zu, weshalb uns der Zimmerservice in jener Nacht statt Champagner bloß Nasentropfen und Hustensaft aufs Zimmer brachte. Und statt gemeinsamem Plantschen im Whirlpool vegetierte mein Lover über Stunden in einem Erkältungsbad vor sich hin, während ich in Reizwäsche "Dschungelcamp" guckte.

Nr. 2 ereignete sich in einer kleinen Pension am Lago Maggiore, in der mein Begleiter und ich wahrhaftig eine deutlich überhöhte Frequenz an sexuellen Begegnungen zu verzeichnen hatten. Allerdings nur an Tag eins. Unser Hotel, ein ehemaliges Kloster, wurde nämlich von lauter Nonnen (!) betrieben. Zudem entpuppte sich der Schuppen als wahre Rentnerhochburg – wir waren die einzigen Gäste unter 60! Dementsprechend kamen unsere Lustschreie bei geöffnetem Fenster (wegen der Hitze) gaaar nicht gut an. Die Folge: Ein bayerischer Rentner in Treckingsandalen hämmerte an unsere Tür und verwarnte uns aufs Schärfste: "Ja mei, mir san doch kei Puff hier!"

Ich zähle also definitiv nicht zu jenen, die in Hotels besseren Sex haben. Man kann ja auch zu Hause für sexy Atmosphäre sorgen: Einfach mal das Bett frisch beziehen (mit schneeweißer, brandneuer Bettwäsche), den Wäscheständer zur Abwechslung im Flur parken, sämtliche Socken vom Boden aufsammeln, die Champagner..., ähm, Rotkäppchensektkorken knallen lassen und – schwupps! – brennt im Reihenhaus die Luft! 

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