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Hochschulen in Deutschland: Überfüllte Unis verlängern das Studium

Studierende in Deutschland beklagen die Überfüllung der Hochschulen. Gebühren will für diese Situation niemand bezahlen.

Selbst für eine alte Universitätsstadt war es ein ungewohnter Anblick: In den 90er Jahren bildeten sich in Heidelberg zu Semesterbeginn vor Seminaren bereits in der Nacht lange Schlangen, die sich bei Tagesanbruch bereits durch die Altstadt zogen. Mit frühzeitigem Anstellen versuchten damals Studierende, einen der begrenzten Plätze in Pflichtveranstaltungen zu bekommen. Inzwischen sind die Schlangen verschwunden, die Anmeldung erfolgt per Internet. Doch das Grundproblem bleibt an vielen Hochschulen erhalten: Viele Veranstaltungen sind völlig überfüllt, was das Studium oft verlängert.

Dass sie dafür auch noch bezahlen sollen, empört die Studis. Bereits jetzt gibt es in einigen Bundesländern "Strafgebühren" für Langzeitstudierende. "Vor allem in die geisteswissenschaftlichen Fächer wird wenig investiert, und das wirkt sich dann wegen überfüllter Veranstaltungen studienzeitverlängernd aus", kritisiert Colin Tück vom Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs). Dass nun auch noch die Idee genereller Studiengebühren auch bei den bisher ablehnenden Regierungsparteien immer mehr Anhänger findet, treibt die Studierenden auf die Barrikaden.

Trotz Protesten wird die Situation immer schlimmer

"Die Regierenden rufen ständig dazu auf, dass mehr junge Leute studieren sollen - aber gleichzeitig kürzen sie immer weiter die Mittel für die Hochschulen", beklagt Stefan Schopohl, Asta-Sprecher der Uni Trier. Im gerade begonnenen Wintersemester habe die Zahl der Studienanfänger in Trier mit rund 3.000 einen neuen Höchststand erreicht. "Eigentlich sind die fehl am Platz, denn eine gute Ausbildung kann man ihnen nicht garantieren", sagt Schopohl. Studierende, die wegen Platzmangels in Seminaren auf den Fluren sitzen müssen, gehören seit Jahren zum gewohnten Bild an vielen Unis. Doch trotz Protesten wird die Situation immer schlimmer.

So ist etwa an der Uni Trier wie an vielen Hochschulen für Studierende der Geisteswissenschaften das Latinum zwingend vorgeschrieben. Wer es in der Schule nicht erworben hat, muss zusätzlich zu seinen Studienfächern Lateinintensivkurse belegen. Bisher wurden in Trier vier Kurse pro Semester angeboten. "Am ersten Tag dieses Semesters hieß es plötzlich, es gebe aus Geldmangel nur noch einen Kurs für höchstens 60 Leute - dabei standen 300 auf der Anmeldungsliste", erzählt Schopohl. Nach Protesten seien dann doch noch zwei weitere Kurse aufgetaucht.

Rückflüsse wirken wie Akademikersteuer

Selbst wenn alle Studierenden in die gewünschten Kurse kommen, ist oft nicht genug Platz. "Die Unterfinanzierung des Hochschulbaus ist seit Jahren eklatant", heißt es beim Wissenschaftsrat. Zwischen der vom Rat empfohlenen Investitionssumme und den von Bund und Ländern zur Verfügung gestellten Mitteln klaffe eine große Lücke, seit zirka zehn Jahren bestehe ein "erheblicher Investitionsstau".

Das Argument, Studiengebühren könnten hier Abhilfe schaffen, weil dann die Hochschulen mehr Geld hätten, löst bei den Studierenden nur Hohngelächter aus. "In den allermeisten Fällen, wo in anderen Ländern Studiengebühren eingeführt wurden, kamen diese nicht den Hochschulen zugute", sagt Tück vom zfs. Das Beispiel Australien zeige, dass die Hochschulen heute de facto weniger Geld hätten, als vor der Einführung von Studiengebühren, "weil sich der Staat immer mehr aus seiner Verantwortung zurückzieht".

Nicht-Akademiker finanzieren Akademikern das Studium - ein Mythos

Auch die Befürworter so genannter nachgelagerter Gebühren, die nach dem Studium bezahlt werden, betonen, dass das Geld allein den Hochschulen zugute kommen dürfe. Es sei gerecht, wenn Akademiker ihrer Hochschule etwas zurückzahlten, da sie auf Grund ihres überwiegend von den unteren und mittleren Einkommensgruppen steuerfinanzierten Studiums meist auch einen gut bezahlten Job hätten.

Dagegen heißt es in einem Gutachten für das Deutsche Studentenwerk, die traditionelle Behauptung, dass Nicht-Akademiker den Akademikern das Studium finanzierten, sei ein Mythos. Entsprechende Berechnungen vernachlässigten entscheidende Aspekte, die oft behauptete ungünstige Verteilungswirkung der staatlichen Bildungssubvention sei nicht belegbar. Stattdessen gebe es starke Anhaltspunkte für einen hohen Grad an "Eigenfinanzierung" über spezifische Steuerrückflüsse, die wie eine "Akademikersteuer" wirkten.

Belastet würden somit wieder vor allem Studierender aus sozial benachteiligten Schichten, die ohnehin wieder seltener an Hochschulen vertretenen seien, klagen die Kritiker. Denn neben ihrer "Akademikersteuer" müssten sie nach dem Studium dann auch noch für Bafög-Rückzahlung und Studiengebühren aufkommen.

Mirjam Mohr, AP

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