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Online-Karte Internetseite in Japan zeigt Gegenden mit lauten Kindern in der Nachbarschaft

Kinder spielen auf einem Spielplatz in einem Kindergarten in Tokio, Japan
Kinder spielen auf einem Spielplatz in einem Kindergarten in Tokio, Japan
© Yoshikazu TSUNO / AFP
Spielende Kinder gehören in vielen Nachbarschaften zur Normalität. In Japan weist eine Internetseite auf Gebiete hin, in denen laute und "nervige" Kinder Wohnen oder tratschende Nachbarn leben. Dafür zieht die Seite Kritik auf sich.

Eine ruhige Wohngegend ist bei Wohnungssuche oder Hauskauf für viele ein ausschlaggebendes Kriterium. Eine Wohnung an der Hauptstraße oder in der Nähe des Flughafens kann man vermeiden – spielende Kinder in der Nachbarschaft allerdings kaum. Sie gehören zum Bild der Nachbarschaft, ob nun auf dem Land oder in der Stadt. 

Eine japanische Internetseite mit dem Namen "Dorozoku Map" weist Japanerinnen und Japaner nun auf potenzielle Lärmquellen hin und soll ihnen dabei helfen, ruhigere Wohngegenden zu finden. So wird etwa auf lärmende Kinder, laut tratschende Nachbarn und andere "nervige" Menschen hingewiesen, wie die japanische Zeitung "Asahi Shimbun" berichtet. Doch die Online-Karte sorgt für Kritik. 

Die "Dorozoku Map" wurde bereits 2016 online gestellt. Auf der Japan-Karte zeigt sie viele verschiedenfarbige Kreise an – rot, gelb oder grün. Rund 6000 Einträge befinden sich darauf. Je näher man heranzoomt, desto mehr werden es. Wer ganz nah heranzoomt, sieht irgendwann kleine Pinnnadeln mit Straßen-Symbol. Wer darauf klickt, bekommt nähere Infos zu den angeblichen Lärmquellen. Oft sind es spielende Kinder, das Wort "nervig" fällt dabei häufig. 

Lob und Kritik für japanische Seite

Laut "Asahi Shimbun" steht ein Online-Systementwickler hinter der Webseite. Vor seinem ehemaligen Wohnsitz seien Kinder aufgetaucht, was das Arbeiten von zu Hause für ihn unmöglich gemacht habe. Er habe die Seite aufgebaut, um "Informationen bereitzustellen, damit Benutzer bessere Orte für den Umzug auswählen können".

Manche Nutzerinnen und Nutzer der Seite lobten die Seite dafür, dass sie Informationen darüber gebe, wo spielende Kinder toleriert würden, was gerade Familien helfe. Doch andere zeigten sich demnach unzufrieden, dass ihre Wohngegend oder Betriebe auf der Seite angezeigt würden. 

Ein zweigeteiltes Bild zeigt einen japanischen Verkehrspolizisten, der mit einem Leuchtstab auf der Straße zwei Tanzposen zeigt

So befindet sich nach Angaben der japanischen Zeitung eine Kindertagesstätte in einer Straße in Tokio auf der Seite, die als "laut" und "mit Kinderstimmen" registriert wurde. "Ich wusste nicht, dass unsere Einrichtung auf der Seite ist", sagte eine Angestellte der Tagesstätte. Sie sei seit fünf Jahren geöffnet und es habe bislang keine Beschwerden gegeben. Eine Mutter äußerte sich besorgt, dass Menschen die Örtlichkeit, die auf der Karte zu finden sei, aufsuchen könnten, berichtet "Asahi Shimbun". 

"Tatsache, dass viele Menschen von Lärm geplagt werden"

Der Website-Betreiber sagte, er entferne persönliche Informationen, verleumderische Nachrichten und Posts, die zu Verbrechen führen könnten. Rund zehn Prozent aller Einsendungen seien problematisch oder würden gelöscht. Er habe aber auch Anfragen erhalten, Einträge zu löschen. "Ich weiß, dass die Karte wahrscheinlich als eine Karte angesehen wird, die den Menschen das Gefühl gibt, bloßgestellt zu werden", sagte er. "Aber es ist auch eine Tatsache, dass viele Menschen ständig von Lärm und anderen Problemen geplagt werden." 

Einsamkeit, die psychische Verfassung sowie die Coronavirus-Pandemie könnten Auswirkungen darauf haben, wie Lärm in der Nachbarschaft wahrgenommen werde, so Norihisa Hashimoto vom Hachinohe Institute of Technology. Menschen, die Kommentare verfassen würden, sollten ihrer Meinung nach tolerant sein und überdenken, ob der Lärm wirklich als störend empfunden werde. Andererseits sollten auch Eltern von Kindern Rücksicht nehmen. 

Im Jahr 2014 hatten Behörden in Tokio spielende Kinder nicht mehr als Lärmbelästigung eingestuft. Ziel war es, rechtliche Hindernisse für den Bau von mehr Kindertagesstätten für Zehntausende von Kindern zu beseitigen, um ihren Eltern die Arbeit zu ermöglichen und auf lange Sicht Paare zu ermutigen, größere Familien zu gründen, wie die britische Zeitung "Guardian" berichtet. So sollte Japans niedrige Geburtenrate verbessert werden. 

Japan hat eine alternde Gesellschaft. Weniger als 13 Prozent der Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt, wohingegen 28 Prozent älter als 64 ist. Das Bevölkerungswachstum auf der Inselnation lag im Jahr 2019 bei -0,2 Prozent. 

Quellen: "Asahi Shimbun", "Guardian", "Der neue Kosmos Welt-Almanach & Atlas 2021"

rw

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