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Kindergeld Kampf gegen Geburtenrückgang: Provinz in China zahlt rund 28.000 Euro für ein Baby

Von der Bevölkerungsexplosion zum Kindermangel - nun versucht die Partei gegenzusteuern.
Von der Bevölkerungsexplosion zum Kindermangel - nun versucht die Partei gegenzusteuern.
© Huang Xiaobang/ / Picture Alliance
Die Chinesen bekommen zunehmend weniger Kinder. Die Provinz mit der niedrigsten Geburtenrate steuert jetzt dagegen: 180 Tage Babyurlaub, Steuererleichterungen und Billig-Kredite sollen Paare überzeugen, Kinder zu bekommen.

In den 1960er-Jahren endete im Westen die Ära der bevölkerungsreichen Jahrgänge abrupt, der sogenannte Pillenknick setzte ein. China erlebt derzeit einen drastischen Wohlstandsknick in der Bevölkerungskurve. Vor Kurzem noch erlaubte die Partei Paaren nur ein Kind, inzwischen ist die Führung froh über jedes zusätzliche Kind.

Die Gründe sind vielfältig: Unter anderem können Schulen und Kinderbetreuung teilweise nicht mit den gewachsenen Ansprüchen mithalten. Doch letztlich erleben weltweit alle Länder diesen Effekt: Mehr Wohlstand, mehr Bildung und die Emanzipation der Frauen beenden den weltweiten Bevölkerungswachstum. Inzwischen rechnet man mit einer global abnehmenden Bevölkerung.

Drastisches Gegensteuern

Die chinesische Provinz mit einer der am schnellsten schrumpfenden Bevölkerungen versucht jetzt mit Familiendarlehen gegen diese Entwicklung zu steuern. Einen derartigen Baby-Bonus gibt es auch schon in anderen Ländern, doch die Provinz Jilin im Nordosten Chinas startet mit einer anderen Dimension. Ehepaare sollen "Heirats- und Geburtenkredite" in Höhe von bis zu 200.000 Yuan, das entspricht etwa 28.000 Euro bekommen, heißt es in einem offiziellen Entwurf für Maßnahmen zur Förderung des Bevölkerungswachstums. Dabei muss man berücksichtigen, dass die tatsächliche Kaufkraft in Jilin weit höher ist als in Westeuropa. Es wurden keine Einzelheiten über die Art der Unterstützung durch die Regierung genannt, aber der Vorschlag sieht ermäßigte Zinssätze für die Darlehen vor, die sich nach der Anzahl der Kinder eines Paares richten.

Details unklar

Ebenfalls ist nicht bekannt, ob diese Kredite erlassen werden können. Es wäre ein typisches Instrument, die Schuld zu verringern oder zu erlassen, wenn Paare mehr Kinder bekommen oder dauerhaft dort wohnen bleiben. Gleichzeitig soll die Provinz Menschen aus anderen Regionen zum Umzug einladen. Paare aus anderen Provinzen können eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten und öffentliche Hilfen in Jilin in Anspruch nehmen. Aber nur, wenn sie Kinder haben und mitbringen.

Geld für Existenzgründer

Das Geld ist nicht zum Möbelkauf gedacht, es soll den Start in eine selbstständige Existenz ermöglichen. Paare, die sogar zwei oder drei Kinder haben, profitieren daher von Steuerermäßigungen. Wie in vielen anderen Provinzen wird auch in Jilin der bezahlte Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub verlängert. Frauen haben künftig insgesamt 180 Tage Urlaub, bisher waren es 158 Tage, und Männer haben Anspruch auf 25 Tage, bisher waren es 15 Tage. In den ersten drei Lebensjahren eines Kindes erhalten die Paare zudem jedes Jahr 20 Tage Elternurlaub.

Neben dem Geld soll das System an Kindergärten und Tagesbetreuungseinrichtungen ausgebaut werden. Jilin gehört zu den wirtschaftlichen Problemgebieten in China, es leidet unter dem Strukturwandel in Schwerindustrie und Landwirtschaft, das Wirtschaftswachstum betrug in den ersten drei Quartalen 2021 7,8 Prozent, der Landesdurchschnitt liegt bei 9,8 Prozent. Zum Vergleich: Das Wachstum in Deutschland beträgt keine zwei Prozent.

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