HOME
Blog

Daddylicious: Ey Papa, du darthvaderst schon wieder!

Wenn der Papa es mit seiner Vaterrolle übertreibt, spricht die Jugend von "darthvadern". Das Wort hat es jetzt auf den Wahlzettel zum Jugendwort des Jahres geschafft. Kai Bösel wird nicht dafür stimmen.

Darth Vader

Wenn Papa den Darth Vader raushängen lässt, wird's für die Kinder peinlich

Wie in jedem Jahr sucht Langenscheidt in einem Online-Voting das "Jugendwort des Jahres 2016". Die 30 Begriffe sind zum Großteil wirklich sehr lustig. Einer von ihnen hat mich allerdings zum Nachdenken angeregt: "darthvadern" meint so viel wie "…den Vater raushängen lassen…". Und als Beispiel lesen wir die Unterhaltung: "Ich bin immer noch dein Vater" – "Papa, du darthvaderst schon wieder". Auch das fand ich irgendwie lustig. Aber warum eigentlich?

Einen Vater braucht derselbe ja eigentlich nicht heraushängen lassen. Denn er ist es ja nun mal, ob der Nachwuchs das will oder nicht. Wahrscheinlich ist es so wie beim Chef gemeint. Nicht jeder Boss benimmt sich wie der unbesiegbare Endgegner, es gibt ja durchaus auch die knuffigen Kerle, die zum Geburtstag gratulieren und im Sommer Eis ausgeben. "Den Vater raushängen lassen…" bedeutet also wohl so viel wie dem eigenen Nachwuchs den Babo zu machen. Und darauf stehen die Smombies nun mal gar nicht.

Regeln setzen und lässiger Bro sein

Wie die Früchte unserer Lenden ticken, zeigen ein paar Podiumsplätze vergangener Jugendwort-Votings. "Gönn Dir", "YOLO", "fame" und ne fette Prise "chillen" lassen darauf schließen, wie die Generation Z so unterwegs ist. Und das ist nicht zuletzt für die Väter eine echte Herausforderung. Denn es gilt, Regeln zu setzen, Grenzen aufzuzeigen und für alles immer das richtige Maß zu finden. Und dabei trotzdem der lässige Bro zu sein, für den die Kinder sich nicht schämen müssen.

Wenn ich mal zurückreise in meine Kindheit, dann fand ich meinen Vater klasse. Er hat sich neben dem aufreibenden Fulltime-Job sehr viel Zeit für meine Brüder und mich genommen. Er hat mit uns Seemannslieder gesunden, Modellflugzeuge gebastelt und einmal von einer Geschäftstour eine Eisenbahn mitgebracht. Wir waren sonntags ohne die Mutter beim Schwimmen, haben Fahrräder repariert und hatten gelegentlich auch mal Stress. Dann hat er - aus heutiger Sicht - wahrscheinlich gedarthvadert.

Nicht immer der beste Kumpel des Kindes sein

Ich weiß nicht mehr, ob ich damals genauso werden wollte, wie er. In seiner Vaterrolle sicherlich, beruflich konnte ich das damals noch nicht einschätzen. Aber es gab eben auch eine gesunde Distanz. Er ist nicht mit uns in der Disco feiern gegangen, hat mir nicht meine Zigaretten gekauft, uns aber früh beigebracht, dass wir unser eigenes Geld verdienen müssen.

Ich bin der Meinung, dass nicht jeder Vater immer auch der beste Kumpel seines Kindes sein muss. Präsenz ist wichtig. Dazu Verständnis, ein liebevoller Umgang und das Signal, immer ansprechbar zu sein. Aber wenn es denn mal der Darth Vader sein muss, dann ist das schon in Ordnung. Daher finde ich nun zusammenfassend das "Heraushängenlassen des Vaters" als Vorschlag für das Jugendwort des Jahres doch eher schwach. Ich werde wahrscheinlich für den Tintling voten, eine zeitgemäße Bezeichnung für einen Tätowierten. Schmoof!

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity