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Lehrerstreik ab Dienstag: Das müssen Eltern jetzt wissen

Ab morgen legen die Lehrer ihre Arbeit nieder - und die Schüler sind wohl die einzigen, die sich darüber freuen. Wir verraten, wann in welchem Bundesland gestreikt wird und wo der Unterricht ausfällt.

In dieser Woche könnten einige Klassenräume in deutschen Schulen leer bleiben - die Lehrer wollen streiken

In dieser Woche könnten einige Klassenräume in deutschen Schulen leer bleiben - die Lehrer wollen streiken

Seit Freitag schwebt das Chaos über deutschen Schulen: Nachdem die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst scheiterten, ist klar, dass rund 200.000 Lehrer ab dem 3. März ihre Arbeit niederlegen werden. Doch wann wird in welchem Bundesland gestreikt? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum wollen die Lehrer ihre Arbeit niederlegen?

Nicht alle Lehrer in Deutschland sind verbeamtet. Rund 200.000 von ihnen sind angestellt und stecken gerade in Tarifverhandlungen mit den Ländern. Nachdem die Gespräche am Freitag vorläufig gescheitert sind, planen angestellte Lehrer in ganz Deutschland Warnstreiks. Die Gewerkschaften fordern 5,5 Prozent mehr Geld, nicht nur für Lehrer, sondern auch für andere Angestellte im öffentlichen Dienst. Daher soll auch an Unikliniken und in Landesverwaltungen gestreikt werden.

Die Hauptgründe für das vorläufige Scheitern sind starke Differenzen über die betriebliche Altersvorsorge und die tarifliche Eingruppierung der Lehrer. Die Altersvorsorge ist im öffentlichen Dienst Standard, soll aber wegen hoher Kosten reformiert werden. Die angestellten Lehrer sollen besser tarifvertraglich abgesichert werden - uneins sind sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer über die Höhe.

Wann wird gestreikt?

Am Dienstag geht es los - aber nicht in allen Bundesländern. In Berlin werden am Dienstag alle Grundschulen, zentral verwalteten berufsbildenden Schulen und Schulen mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt bestreikt. In Baden-Württemberg soll hingegen erst ab dem 9. März gestreikt werden. Wann welches Bundesland betroffen ist, lesen Sie auf der zweiten Seite dieses Artikels. Weitere Informationen sollen erst 24 bis 48 Stunden vor Streikbeginn veröffentlicht werden - für Eltern sehr wenig Zeit, um auf mögliche Ausfälle zu reagieren.

Wo fällt die Schule aus?

In den einzelnen Bundesländern variieren die Zahlen von angestellten und verbeamteten Lehrern stark. In Bayern zum Beispiel sind mehr als 95 Prozent der Lehrer Beamte, mit dem Ausfall von Unterricht ist also nicht zu rechnen. In Sachsen hingegen sind alle Lehrer angestellt, dort werden auf jeden Fall Stunden ausfallen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen-Anhalt ist die Mehrheit der Lehrkräfte angestellt.

Bisher wird nicht damit gerechnet, dass ganze Schultage ausfallen, Eltern sollen sich laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) aber auf verkürzte Tage einstellen. Die Schulleitungen wurden Freitag informiert und aufgefordert, Regelungen zu finden, die für möglichst wenig Unterrichtsausfall sorgen. Außerdem wurden die Schulen angewiesen, die Eltern möglichst frühzeitig zu informieren.

Glück haben Eltern in Hamburg und Hessen: Während in Hamburg für zwei Wochen Skiferien sind, gehört Hessen seit mehr als zehn Jahren nicht mehr der Tarifgemeinschaft der Länder an.

Wie lange wird gestreikt?

Geplant sind in den einzelnen Bereichen zuerst jeweils 24-stündige Ausstände. In NRW soll der Streik zum Beispiel zwischen Dienstag und Donnerstag jeweils einen Tag in den fünf Regierungsbezirken stattfinden. Es kann aber bis zur Fortsetzung der Tarifgespräche Mitte März noch zu weiteren Warnstreiks kommen.

Wo können Eltern sich informieren?

Neben der Schule als direktem Ansprechpartner, gibt es auch Informationen bei den jeweiligen Landesseiten der GEW.

Informationen zu den Bundesländern

BADEN-WÜRTTEMBERG: Die angestellten Lehrer im Südwesten werden laut GEW voraussichtlich erst in der übernächsten Woche zu Warnstreiks aufgerufen. In Baden-Württemberg sind zehn Prozent der rund 120.000 Lehrer Angestellte. Zudem arbeiten im Landesdienst knapp 800 Pädagogische Assistenten an Schulen, Hunderte Erzieher an den Heimsonderschulen und mehrere zehntausend Tarifbeschäftigte an Hochschulen, die auch von dem Tarifkonflikt betroffen sind.

BAYERN:

In Bayern sind laut GEW in der kommenden Woche keine Warnstreiks geplant. Folgen eines Ausstands dürften überschaubar sein: In Bayern sind mehr als 95 Prozent aller Lehrer verbeamtet - und die dürfen nicht streiken.

BERLIN:

Die GEW hat die angestellten Lehrer an Grundschulen für Dienstag zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Betroffen sind auch die zentral verwalteten berufsbildenden Schulen und Schulen mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt. An Sekundarschulen und Gymnasien läuft der Unterricht dagegen normal.

BRANDENBURG:

Das Land bleibt von Lehrer-Warnstreiks vorerst verschont. Laut GEW ist erst für den 12. März eine Protestaktion in Potsdam geplant.

BREMEN:

Die GEW hat die angestellten Lehrer für Dienstag zu einem Warnstreik aufgerufen.

HAMBURG:

In der Hansestadt beginnen ab Montag zweiwöchige Schulferien.

HESSEN:

Das Bundesland gehört seit 2004 nicht mehr der Tarifgemeinschaft der Länder an. Daher wird in Hessen nicht gestreikt.

MECKLENBURG-VORPOMMERN:

Ab Mittwoch soll es Warnstreiks im öffentlichen Dienst geben. Die Gewerkschaften Verdi, GEW und GdP haben zu Ausständen unter anderem bei Polizei und angestellten Lehrern aufgerufen.

NIEDERSACHSEN:

Hier sind ab Dienstag Warnstreiks geplant. Neben Lehrern sind dazu auch pädagogische Mitarbeiter und Schulsozialarbeiter aufgerufen. Mit massenhaftem Unterrichtsausfall wird nicht gerechnet, weil nur rund zwölf Prozent der Lehrer als Angestellte unterrichten.

NORDRHEIN-WESTFALEN:

Die angestellten Lehrer sollen von Dienstag an in den Ausstand treten. Die Warnstreiks sollen bis Donnerstag abwechselnd ganztägig in den fünf Regierungsbezirken stattfinden.

RHEINLAND-PFALZ/SAARLAND:

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi sind in beiden Ländern auch angestellte Lehrer für den 12. März zu einem Warnstreik aufgerufen. Rheinland-Pfalz blickt dem eher gelassen entgegen: Laut Verband Bildung und Erziehung gibt es dort rund 7000 angestellte sowie etwa 35.000 verbeamtete Lehrer. An der Saar sind laut GEW von etwa 8000 Lehrern rund 1200 Angestellte.

SACHSEN:

Die Gewerkschaften haben für kommenden Donnerstag zu einer Pressekonferenz eingeladen. Dann könnte es Informationen über mögliche Maßnahmen geben.

SACHSEN-ANHALT:

Erste Warnstreiks sind laut GEW am Dienstag vorgesehen.

SCHLESWIG-HOLSTEIN:

Die GEW sieht in den ersten Tagen der kommenden Woche von Warnstreiks ab. Genauer äußerte sich die Gewerkschaft nicht. Von den rund 25.000 Lehrern im Land sind 2500 Angestellte, also streikberechtigt.

THÜRINGEN:

Laut GEW wird am Montag darüber beraten, wann und wo gestreikt werden soll. Frühestens Dienstag sei damit zu rechnen.

vim/DPA/Reuters / DPA / Reuters

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