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Interview mit Paul Bühre: "Teenie Leaks" – wenn man mit 15 einen Bestseller schreibt

Wenn Leute in deinem Alter ein Buch schreiben, das du in einem Rutsch liest und das auch noch auf den Bestsellerlisten landet, muss du sie kennenlernen. Das dachte sich der stern-Blogger "Der Pubertant" und rief Paul Bühre an.

Paul Bühre im Parker

Paul Bühre, 16, ist Schüler der 10. Klasse und lebt in Berlin. Nebenbei hat er "mal eben" einen Bestseller geschrieben.

Vor etwa einem Jahr hat Paul Bühre während seines Schulpraktikums einen Artikel zum Thema Teenager im "Zeitmagazin" veröffentlicht, der durch die Decke gegangen ist. Das war kurz bevor ich meinen Blog "Der Pubertant" bei stern.de gestartet habe, deswegen fand ich das ganz interessant. Jetzt hat Paul ein Buch geschrieben, das sofort auf die Bestsellerliste kam, "Teenie Leaks". Ich habe mir gedacht, warum guckst du dir das nicht auch mal an? Als ich dann die ersten Seiten gelesen habe, war ich ziemlich beeindruckt, ich hatte es in einem Rutsch durch. In dem Buch erzählt Paul, wie die Pubertät aus seiner Sicht ist, wobei er das meiste, wie ich finde, ziemlich auf den Punkt gebracht hat.

Jetzt hatte ich die geniale Gelegenheit, den pubertierenden Bestseller-Autoren zu interviewen.

Du hast im März 2014 ein Praktikum bei der "Zeit" gemacht und einen ellenlangen Text im "Zeitmagazin" veröffentlicht, da warst du 15. Im Januar 2015 ist dein Buch "Teenie Leaks" erschienen, darauf heißt es "Paul Bühre, 15". Wie alt bist du denn jetzt?

Ich bin im November 16 geworden. Wie alt bist du denn?
Ich bin auch gerade 16 geworden.
Krass, wie lange bloggst du denn jetzt schon?
Ich habe auch vor ungefähr einem Jahr angefangen. Ich hatte gerade Ferien, als dein Artikel erschienen ist und da gab es schon den Plan, dass ich bei stern.de unter dem Namen "Der Pubertant" schreibe. Das war ganz lustig.

Zurück zu dir. Wie lange hast du gebraucht, um das Buch zu schreiben?
Das hat ein dreiviertel Jahr gedauert. Ich habe mich immer, wenn ich von der Schule nach Hause gekommen bin, aufs Sofa gesetzt und am Tag so 2500 Zeichen geschrieben. Das ist etwa eine Seite in dem Buch. Und den Rest habe ich dann in den Herbstferien geschrieben.

Gab es Phasen, in denen du dachtest "Ah, ne, ich hab gar keinen Bock!"?
Ja klar, vor allem, wenn es in der Schule ein bisschen stressig war. Wenn man Arbeiten geschrieben hat, oder so. Aber es gab auch genauso Phasen, wo ich auch richtig Bock drauf hatte und so unglaublich viel geschrieben habe, dass ich dachte, okay, jetzt habe ich für drei Tage im Voraus geschrieben.

Cool! Und was hat dich inspiriert, das Buch zu schreiben?
Das Buch behandelt ja so Sachen, die mir eigentlich jeden Tag passieren. Sachen, über die man sich aufregt, ärgert, die man gut findet, das ist halt sehr nah an mir dran. Und die Option, darüber schreiben zu dürfen, dann auch noch ein Buch daraus zu machen und was dazu zu malen und kreativ zu sein, habe ich gerne genutzt.

Und wie haben deine Freunde und Klassenkameraden reagiert?
Alle total cool. Die haben sich auch schon Bücher gekauft und dann bringen sie manchmal eins mit, damit ich es für ihre Verwandten signieren kann. Da muss ich dann immer auf die Rechtschreibung achten …

Hast du auch so etwas wie Leserbriefe bekommen?
Ne, habe ich noch nicht. Stimmt, ich glaube, ich muss da mal im Verlag nachfragen.

Du hast in deinem Buch auch den Pädagogen Jesper Juul erwähnt. Das fand ich ganz lustig, weil man dein Buch ja auch so einordnen kann. Durch dein Buch können unsere Eltern das ja noch mal aus einer anderen Sicht sehen.
Ja, genau, das ist auch etwas, was mir sehr am Herzen gelegen hat. Dass es noch mal eine andere Perspektive gibt.

Das ist auch der Grund, warum ich das mache. Also: mein Kompliment! Du hast das meiste ganz gut getroffen! Das war auch das erste Mal seit etwa zwei Jahren, dass ich wieder ein Buch gelesen habe.
Ja, wenn man Netflix hat … ist es schwer, zum Lesen zu kommen … Aber ich nehme auch immer ein Buch mit in die U-Bahn, weil ich so lange zum Training fahre, dann kann man da lesen.

Sag mal, wir mussten in Hamburg gerade so Realschulprüfungen schreiben, macht ihr das in Berlin auch?
Wir haben jetzt in der zehnten MSA (Mittlerer Schul-Abschluss), ich muss da jetzt bald mit nem Kumpel zusammen mein Mündliches machen, aber wir haben noch nicht so viel gemacht. Und dann haben wir noch schriftliche Prüfungen, aber unsere Lehrer meinen, die seien nicht so anspruchsvoll. Deutsch und Englisch sollen gehen, aber in Mathe ist es wohl sehr viel Stoff.

Wir haben die Mathe-Prüfung genau an meinem Geburtstag geschrieben, und Mathe ist nicht gerade mein bestes Fach.
Bei mir auch nicht!

Du gehst ja auch auf ein humanistisches Gymnasium, wir haben seit der 5. Latein und seit der 8. Altgriechisch Pflicht. Was findest du denn besser?
Wenn man Latein hatte und dann Altgriechisch bekommt, ist der Einstieg, glaube ich, einfacher, weil man so eine ähnliche Sprache dann schon hatte. Aber Altgriechisch hat halt andere Buchstaben und ein anderes Alphabet …
Genau, ich verwechsele das dann zum Beispiel auch …
Ja, man verwechselt dann die Wörter, obwohl die ja anders aussehen. Ich finde es auch schwerer, die Vokabeln zu lernen, weil es mir schwerer fällt, mir die Bedeutungen zu merken. Ich weiß nicht, warum.

Immerhin lernst du noch die Vokabeln! Musstet ihr jetzt auch gerade das Oberstufenprofil wählen?
Meinst du Leistungskurse?

Ähm, bei uns ist es so, dass man sich für die Oberstufe zwischen unterschiedlichen Profilen entscheiden muss. Zum Beispiel Naturwissenschaftliches oder Historisches Profil oder so. Habt ihr das auch?
Ne, wir haben das mit den Leistungskursen, da werden Themenfelder zusammengelegt. Etwa Künstlerisch-Sprachwissenschaftlich, Naturwissenschaftlich und so weiter, und da muss man die Fächer wählen, die wir dann in der 11. und 12. haben.

Okay, das klingt ziemlich ähnlich. Und was willst du nehmen?
Ich glaube Geschichte und Englisch. Eigentlich wollte ich auch Kunst oder Deutsch oder so nehmen, aber ich komm in Deutsch bei meinen Aufsätzen nicht über ne Drei weg … Und Kunst mache ich lieber hobbymäßig zu Hause …

Hast du eigentlich schon mehrere Interviews gegeben, seitdem das Buch draußen ist?
Ja, Radio sehr viel, auch ein paar Zeitungen, "Tagesspiegel" und so, und dann halt diese Fernsehsachen.

Echt? Du warst im Fernsehen?
Ja, ich war bei "TV total", dann bei dieser NDR-Talkshow, ich weiß nicht, ob du die kennst und dann noch bei Sat.1 im Frühstücksfernsehen. Da musste ich dann um fünf Uhr aufstehen.

Und wie findest du das?
Das ist auf jeden Fall ne Erfahrung, würde ich sagen. Aber ob ich mir das so für später vorstellen könnte …

Das ist ungewohnt, oder?
Ja, auf jeden Fall!

Warst du aufgeregt bei "TV total"?
Klar war ich aufgeregt!

Hättest du Lust, noch ein Buch zu schreiben?
Ja, aber ich glaube, wenn ich noch ein zweites Buch schreiben würde, dann würde ich was komplett anderes machen.

Ein Comicbuch?
Ja, oder Fantasy sogar. Denn wenn man die ganze Zeit versucht, die Themen aus einem Bereich voll auszuschöpfen, wiederholt sich das irgendwann ein bisschen. Deswegen würde ich dann am liebsten was komplett anderes machen.

Du warst ja mit "Teenie Leaks" schnell auf Bestsellerlisten, hat dich das überrascht?
Na ja, wenn die Autoren jung sind, kann man das ja ganz gut vermarkten. Die wollten auch sofort mein Gesicht vorne drauf haben. Es hat mich zwar schon überrascht, aber andererseits kannte ich die ganzen Bestsellerlisten und TV-Shows davor auch noch nicht. Wahrscheinlich lerne ich das später besser zu wertschätzen als jetzt.

Bist du stolz, dass du zwischen den ganz großen Bestsellerautoren stehst?
Ich glaube, das habe ich sehr dem Verlag zu verdanken, wie die mein Buch verkauft haben. Die haben einerseits Rücksicht darauf genommen, dass ich noch nebenbei Schule habe und haben es trotzdem hingekriegt, dass das Buch in jeder Buchhandlung vorne an einem Spot ist, wo man es gut sehen kann.

Und wer ist auf den genialen Titel "Teenie Leaks" gekommen?
Als ich beim "Zeitmagazin" war, habe ich mit einer Redakteurin zusammengearbeitet. Heike Faller, die hat mich gecoacht, weil ich ja nicht wusste, wie man längere Texte schreibt, woher auch. Als es um das Buch ging, haben wir über einen Titel nachgedacht und irgendwann kam sie damit an. Es war der am wenigsten peinliche Titel.

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