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Großbritannien: Pub schenkt an Eltern, die mit Kindern kommen, nur noch zwei Drinks aus

Offenbar war es notwendig, ein Signal zu setzen: Ein Pub der britischen Kette Wetherspoon hängte zu Jahresbeginn einen Kundenhinweis auf, der den Alkoholkonsum von Eltern regeln soll.

Außenansicht des Pubs The Robert Pocock

Der Pub The Robert Pocock in Gravesend sieht sich zu drastischen Maßnahmen gezwungen, um den Alkoholkonsum von Eltern in Anwesenheit ihrer Kinder zu regulieren

Hersteller

Der Pub The Robert Pocock befindet sich in Gravesend, einer Hafenstadt am Ufer der Themse mit rund 50.000 Einwohnern. Dort scheint es ein akutes Alkoholproblem zu geben. Glaubt man dem Kommentar eines Mannes, der einen Aushang des Pubs abfotografierte und bei Facebook veröffentlichte, richtet sich dessen Ankündigung vor allem an Mütter. Laut Mr. Stedman tauchen die Frauen tagsüber in der Bar auf, bringen ihre im Kinderwagen angeschnallten Kleinkinder mit und gießen sich ein bis zwei Flaschen Weißwein hinter die Binde. Wütend klingt der Verfasser, der sich direkt an diese Mütter wendet, "You know who you are". "Das ist nicht euer Wohnzimmer", schimpft er weiter, höchste Zeit sei es, dass sich etwas ändere. Und das soll es nun.

Konsequenteres Vorgehen ab 2020

Der Pub erklärt in seinem Schreiben, dass zu der Lizenz, Alkohol ausschenken zu dürfen, auch die Verpflichtung gehöre, Kinder vor Schaden zu schützen. Deshalb sei es Erwachsenen mit der Aufsichtspflicht für Kinder nur noch erlaubt, lediglich ein alkoholisches Getränk zu sich zu nehmen. Ein zweites, wenn sie sich ein warmes Gericht dazubestellten. Anschließend sei das Personal des Pubs berechtigt, weiteren Alkoholausschank zu verweigern.

Weiterhin entschuldigen sich die Betreiber des Pocock in ihrem Schreiben, dass sie in der Vergangenheit nicht immer konsequent genug nach dieser Maxime vorgegangen seien. 2020 solle das anders werden.

Ein Mädchen schaut durch einen Türspalt

Die Gesetzeslage

"Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren ist der Aufenthalt in Gaststätten, die primär Alkohol ausschänken (Pubs) verboten. Unter 16 Jährigen darf der Aufenthalt nur in Begleitung einer volljährigen Person gestattet werden", so will es das britische sowie das deutsche Jugendschutzgesetz. Doch da es sich in diesem Fall offenbar um Kleinkinder handelt, geht es hier eher um straffällig werdende Eltern. Die elterliche Aufsichtspflicht betrifft die Sorge für das Kind bis zur Volljährigkeit, also dem 18. Geburtstag. Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) ist festgehalten, dass Eltern ihren Schutzbefohlenen gegenüber in der Pflicht stehen, sie zu pflegen, zu erziehen und zu beaufsichtigen.

Spätestens auf dem Rückweg vom Pub nach Hause besteht die Möglichkeit einer Kindeswohlgefährdung. Angetrunkene Eltern übersehen leichter Gefahren, die zum Beispiel im Straßenverkehr bestehen. Nach der britischen Gesetzgebung von 1902 ist es illegal, betrunken zu sein, wenn man die Aufsichtspflicht über ein Kind unter sieben Jahren hat. In Deutschland ist es § 1666 des BGB, der regelt, wie in einem Ernstfall das Gericht zuständig wird: "(1) Wird das körperliche, geistige oder seelische Wohl des Kindes oder sein Vermögen gefährdet und sind die Eltern nicht gewillt oder nicht in der Lage, die Gefahr abzuwenden, so hat das Familiengericht die Maßnahmen zu treffen, die zur Abwendung der Gefahr erforderlich sind."

Möglicherweise dient die Ankündigung des Pubs, wenn sie nun wirklich konsequent umgesetzt wird, also nicht nur dem Schutz der Kinder, sondern auch dem Schutz der Eltern vor sich selbst.

Quellen: "Wales Online", Facebook

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