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Korea: In Korea ist das Klonen von Haustieren legal: Laura und Richard schildern ihre Erfahrungen

Klonen von Haustieren klingt wie Science-Fiction, ist in Korea aber legal möglich: Laura und Richard haben es getan – und erzählen, welche Strapazen sie dafür aufnehmen mussten.

Von Dr. Bianca Klement

In Korea kann man eine genetische Kopie seines Hundes züchten lassen

Das Paar hat die Hoffnung schon aufgegeben, als der erlösende Anruf aus Korea kommt: Die Zellen haben sich entwickelt und können einer Leihmutter eingesetzt werden

Laura Jacques hätte alles getan, um Dylans weiche Schnauze noch einmal zu berühren. Sein treues Gesicht noch einmal zu sehen. Wenn sie über ihn spricht, glänzen ihre Augen. Der Schmerz ist noch immer da. Auch fast drei Jahre nach seinem Tod. Der achtjährige Boxer war Lauras erster Hund und ihr Ein und Alles. Egal wo die Engländerin aus Yorkshire auch hinging, Dylan war an ihrer Seite. Er war ihr Seelenverwandter. Ihr bester Freund. Doch im Juni 2015 wird bei dem goldenen Boxer mit den treuen braunen Augen ein inoperabler Hirntumor diagnostiziert – die Ärzte geben dem sanften Vierbeiner nur noch sechs bis achtzehn Monate zu leben. Die Diagnose ist ein Schock für Laura. Ein Leben ohne Dylan ist für sie nicht vorstellbar.

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Nur neunzehn Tage nach dem niederschmetternden Befund stirbt Dylan plötzlich an einem Herzinfarkt. Für Laura bricht eine Welt zusammen. Ihre Trauer lähmt sie regelrecht. Sie kann nicht essen. Nicht trinken. Ihr Partner Richard Remde macht sich Sorgen. Auch er hatte Dylan in sein Herz geschlossen. "Als ich mit Laura zusammenkam, hatte ich bereits zwei Kinder aus meiner ersten Ehe. Dylan wurde wie ein drittes Kind für mich. Er war immer an Lauras Seite und er liebte sie sehr."

Erlösender Anruf aus Korea

Es tut Richard in der Seele weh, mit anzusehen wie Laura von ihrem Kummer regelrecht aufgefressen wird. "Die beiden haben viel zusammen durchgemacht. Der Hund war ihre Welt, er hat ihr alles bedeutet", sagt der Bauunternehmer. "Als er starb, haben wir noch nicht in diesem Haus gelebt, es war aber in Planung. Also haben wir Dylan eingefroren, damit wir ihn nach dem Umzug in unserem Garten beerdigen konnten. Wir überlegten auch, ihn ausstopfen zu lassen. Dann fiel mir ein Artikel über die Sooam Biotech Foundation in Südkorea ein, wo Hunde geklont werden."

Die koreanische Forschungseinrichtung klont seit Jahren erfolgreich geliebte Haustiere. Dabei wird die DNA eines Tieres in eine zuvor entleerte Eizelle injiziert. Der Welpe, der daraus hervorgeht, ist die hundertprozentige genetische Kopie seines Spenders. Bis heute wurden in dem Institut 1316 Hunde geklont. Bis zu 100.000 Euro kann es kosten, seinen Liebling neu zu erschaffen. Dafür verspricht Sooam Biotech nicht nur modernste Klontechnik, sondern auch "gebrochene Herzen zu heilen".

Richard und Laura sind entschlossen. Doch es gibt zwei Probleme: Um einen Hund erfolgreich zu klonen, sollte das Spendertier nicht länger als fünf Tage tot sein. Die zweite Hürde: Das Institut warnt ausdrücklich davor, den verstorbenen Hund vor der Gewebeentnahme einzufrieren. "Ich kramte den Artikel wieder raus und rief in Korea an. Aber die Leute sagten mir, sie könnten Dylan nicht mehr klonen, weil er bereits neun Tage tot war und dazu noch tiefgefroren", erinnert sich Richard. "Ich wollte mich keinesfalls abschütteln lassen, habe auf sie eingeredet, es doch bitte wenigstens zu versuchen, und sei es zu Forschungszwecken, um zu sehen, ob es überhaupt möglich ist. Schließlich sagten sie Ja." Das Vorhaben ist auch finanziell eine Herausforderung für das Paar: Es kostet beinahe 78.000 Euro, einen genetischen Doppelgänger von Dylan zu erschaffen. Allein das Einlagern von klonbarem Genmaterial soll die beiden mehr als 3000 Euro kosten. Ein stolzer Preis – aus ihren Einnahmen finanziert das Institut aufwendige Stammzellenforschung.

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Die Zeit drängt. Wenn Richard und Laura überhaupt noch eine Chance haben wollen, dass das Vorhaben gelingt, müssen sie sich beeilen. Doch um die Zellen zu entnehmen, muss Dylan zunächst gleichmäßig aufgetaut werden. Und es gibt noch ein Hindernis: Auf die Schnelle findet sich kein Tierarzt, der bereit ist, die Gewebeproben zu entnehmen. Angetrieben von der Hoffnung, einen Hund mit Dylans Genen zu haben, entnimmt Laura schließlich selbst die Proben. "Das war schon seltsam. Ich konnte das nicht", gesteht Richard. "Aber sobald wir die Proben hatten, bin ich in den nächsten Flieger gesprungen und habe sie nach Korea gebracht." Noch am Flughafen in Seoul übergibt er die Zellen einem Labormitarbeiter, dann fliegt er zurück nach England. Kaum zu Hause in Yorkshire angekommen, gibt es schlechte Nachrichten aus Korea: Das genetische Material ist unbrauchbar. Inzwischen ist Dylan schon zwölf Tage tot. Die Chance, brauchbare Zellen noch rechtzeitig in das Labor zu bringen, sind minimal. Trotzdem probieren sie es erneut und Richard fliegt mit einer weiteren Gewebeprobe nach Seoul. Der Einsatz zahlt sich aus. Das Material könnte ausreichen, um einen neuen Hund zu erschaffen. Jetzt heißt es warten. "Wenn man Zellen von einem lebendigen Hund entnimmt, dauert es etwa dreißig Tage, bis man sie einer Hündin einsetzen kann. Bei uns hat es vier Monate gedauert, weil die Zellen einfach nicht wuchsen." Das Paar hat die Hoffnung schon aufgegeben, als doch noch der erlösende Anruf aus Korea kommt: Die Zellen haben sich entwickelt und können einer Leihmutter eingesetzt werden.

Wissenschaftliche Sensation

Die Wissenschaftler raten jedoch davon ab, die Zellen dauerhaft einzufrieren und irgendwann darauf zurückzugreifen, so wie Laura und Richard es ursprünglich vorhatten. Wenn sie ihren Boxer tatsächlich klonen wollen, dann jetzt. Die Hundeeltern geben grünes Licht. Es ist eine Herzensentscheidung. "Dann wurde mir erst so richtig bewusst, was für Kosten nun auf uns zukommen", erinnert sich Richard. "Wenn ich an das Geld dachte, bekam ich schon ein bisschen Panik. Ich habe anfangs gar nicht ernsthaft darüber nachgedacht. Ich wollte bloß meine Freundin glücklich machen. Aber als es schließlich geklappt hat, dachte ich nur: Oh je …"

Gleich zwei Hündinnen können erfolgreich befruchtet werden. Weihnachten, nicht einmal sechs Monate nach Dylans Tod, werden seine Klone Shadow und Chance geboren. Der Wunschtraum, Dylans Gesicht noch einmal zu sehen, ist plötzlich ganz real. "Wir dachten nicht, dass wir identische Kopien von Dylan bekommen würden. Für uns war es mehr so, als würden wir seine Welpen willkommen heißen. Laura reichte der Gedanke, dass sie ein Teil von ihm sein würden. Doch dann wurden Chance und Shadow geboren und sahen ganz genauso aus wie er."

Als Chance, der erste Klon, von den Ärzten geholt wird, sind Laura und Richard dabei. Die Geburt ist eine wissenschaftliche Sensation: Niemandem war es zuvor gelungen, die gefrorenen Zellen eines Tiers zu klonen, das schon fast zwei Wochen tot war. Laura ist außer sich vor Freude. Die Bilder der Boxerwelpen gehen um die Welt. Doch nicht jeder ist begeistert. Das Paar muss viel Kritik einstecken. Viele finden es moralisch verwerflich, künstlich Leben zu erschaffen. Wieso einen Hund klonen, wenn so viele Fellnasen in Tierheimen auf ein neues Zuhause warten? Weshalb das Geld nicht für eine gute Sache spenden? "Wir wissen, dass das Thema sehr kontrovers ist", sagt Richard. Denn auch im engsten Bekanntenkreis ist nicht jeder begeistert von der Idee, Welpen im Labor heranzuzüchten. "Mir macht die Kritik nichts aus. Laura schon. Sie hatte sogar Streit mit einem ihrer Freunde deswegen. Auch meiner Mutter gefällt das Klonen nicht, sie findet es nicht richtig. Das respektiere ich natürlich. Aber letztlich ist es unsere Entscheidung. Es ist unser Leben. Unser Geld. Es ist uns egal, was Fremde denken. Ich glaube einfach, dass viele schlichtweg neidisch sind", meint Richard.

Laura und Richard beschließen, nicht nur Shadow und Chance nach England zu holen, sondern auch ihre Leihmütter Sassy und Hope zu adoptieren – und das obwohl sie bereits fünf Hunde haben. Doch bevor es soweit ist, müssen alle vier Hunde in Südkorea für sechs Monate in Quarantäne. Erst im August 2016 kann das Paar Dylans Nachwuchs nach Hause holen. Richard ist stolz auf seine Gefährten und das nicht nur, weil sie auf so ungewöhnliche Weise gezeugt wurden. Inzwischen sind aus den knuddeligen Welpen zwei stattliche Rüden geworden. "Auch wenn sie Klone sind, sind sie ganz normale, gesunde Hunde. Natürlich können sie krank werden wie andere Hunde auch. Aber sie sind nicht krankheitsanfälliger, weil sie Klone sind. Und bis jetzt sind sie gesund und munter."

Chance und Shadow sind unzertrennlich. Die beiden fressen, trinken und schlafen zusammen. Sie machen alles gemeinsam. "Wenn sie schlafen, liegen sie aufeinander. Wenn einer von ihnen aus irgendeinem Grund nicht da ist, ist der andere traurig. Sie stehen einander sehr nah", sagt Laura. Trotz des Geldes, trotz der Strapazen und der Kritik ist das Paar heute mehr denn je von dem Projekt überzeugt. "Shadow und Chance haben Laura sehr geholfen, den Tod von Dylan zu verarbeiten. Die beiden sind in so vieler Hinsicht wie er. Zum Beispiel hat sich Dylan immer bei einem auf den Schoß gesetzt. Die Klone sind ganz genauso." Es überrascht die Engländer immer wieder, wie sehr die beiden Dylan ähneln, sowohl optisch als auch charakterlich. "Damit haben wir gar nicht gerechnet. Natürlich gibt es Unterschiede, sie sind Individuen. Wenn ich es in Zahlen ausdrücken müsste, würde ich sagen, dass sie zu fünfundachtzig Prozent genau wie Dylan sind. Sie sind ein bisschen wilder und frecher. Aber Dylan war nun mal schon acht Jahre alt, und Chance und Shadow sind junge Hunde", so Laura. Wenn Richard sieht, wie gut die beiden Boxerhunde in ihre Familie passen und wie glücklich Laura ist, dann weiß er, dass sie die richtige Entscheidung getroffen haben.

Neues Leben

Mehr noch, die Geschichte ist für sie nicht zu Ende. Laura Jacques und Richard Remde sind so überzeugt von dem Klonprojekt, dass sie es wieder tun wollen. Richards Cocker Spaniel Max ist schon neunzehn Jahre alt. Nach seinem Tod sollen auch seine Gene im Labor zu neuem Leben erwachen.

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