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Salt Lake City: Frau vor Gericht, weil ihre Stiefkinder sie oberkörperfrei sahen – in der eigenen Garage

Wenn sie diesen Fall nicht gewinnt, hat das für die 28-Jährige harte Konsequenzen: Sie würde in das Register für Sexualstraftäter eingetragen, zusammen mit Kinderschändern. Nun fordert sie, das Gesetz zu ändern, das Frauen verbietet, einen nackten Oberkörper zu haben.

Frauenhände öffnen ein Garagentor

Wie viel Nacktheit ist zu Hause erlaubt? Über diese Frage will eine Richterin in Utah länger nachdenken – nachdem eine Frau oberkörperfrei in ihrer Garage gearbeitet hatte.

Getty Images

Am Dienstag stand Tilli Buchanan in Salt Lake City vor Gericht. Für einen Umstand, den die Frau in keinster Weise als bestrafenswert ansieht. Die 28-Jährige wird angeklagt, weil sie vor etwas mehr als einem Jahr beim Einziehen einer Trockenbauwand in der Garage gemeinsam mit ihrem Mann mit freiem Oberkörper gearbeitet hat. Sie wollten sich nicht mit dem Rigips einstauben. Dabei konnten ihre Stiefkinder, 13, 10 und 9 Jahre alt, Buchanans Brüste sehen.

Die Kinder fragten sie, warum sie keinen Pullover trage. Vor Gericht hatte einer ihrer Anwälte, Leah Farrell, Senioranwältin der Amerikanischen Bürgerrechtsvereinigung von Utah, Anfang des Jahres Buchanans Antwort auf die Frage wiederholt: "Tilli erklärte, dass sie Feministin sei und Wert darauf lege, dass es für jeden in Ordnung sein sollte, wenn man im Haus oder woanders seine Haut sieht", berichtet "Deseret News". Als die Eltern ihre Arbeit verrichtet hatten, hätten sie laut Gerichtsunterlagen geduscht, sich umgezogen und Abendbrot für die Kinder gemacht.

Der Fall soll eine Grundsatzentscheidung werden

Bei der Verhandlung am Dienstag forderten Buchanans Anwälte, einen Teil von Utahs Unzuchtgesetz für verfassungswidrig zu erklären. Sie argumentierten, Frauen und Männer würden für das gleiche Verhalten, das Entblößen der Brüste, unterschiedlich behandelt. "Beim Untersuchen des Statuts ist es wichtig zu sehen, dass es besagt, dass dieser Teil einer Frau von Natur aus obszön ist, beim Mann aber nicht", sagte Leah Farrell, die für Buchanan aussagte. "Und das begründet eine ungleiche, ungerechte Zweiteilung."

Richterin Kara Pettit fällte nach diesen Argumenten nicht direkt ein Urteil. "Das Thema ist dafür zu wichtig", sagte sie und ergänzte, dass sie ihre Entscheidung um zwei Monate vertage.

Im Falle einer Strafe wäre das Urteil hart

Dreifache Unzüchtigkeit vor einem Kind steht für Buchanan im Raum, ein Vergehen, das mit Gefängnis bestraft wird. Zudem erfordert es einen Eintrag als Sexualtstraftäterin. Doch Buchanan ist nach der Anhörung optimistisch, dass dieser Teil des Gesetzes nicht in Kraft tritt, "insbesondere, da es in der Privatspäre meines Hauses war. Mein Mann stand gleich bekleidet neben mir und wird dafür nicht belangt". Der Öffentlichkeit ist bisher nicht bekannt, wer die Frau angezeigt hat.

Anwalt Corey Sherwin bemerkte, dass Gesetze, die auf der Moral des Landes basieren, vor Gericht hochgehalten würden. Frauen würden durch die Gesetzgebung in Utah nicht diskriminiert. Nacktheit würde gemeinhin nicht nur "die unteren Teil des Körpers" beinhalten, "sondern auch weibliche Brüste".

Quellen: "New York Post", "Deseret News"

bal
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