Möbelhandel Der Schnäppchen-Nepp

Kunden in einem Möbelhaus: Bei manchen Angeboten sollten sie besser genau hinschauen
Kunden in einem Möbelhaus: Bei manchen Angeboten sollten sie besser genau hinschauen
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Viele Kunden lassen sich beim Möbelkauf von "Rotstift"-Preisen locken. Leider kann es passieren, dass die Ware gar nicht so billiger ist, sondern nur zum Schein herunter gesetzt wurde. Kritik an dieser Methode kommt auch von unerwarteter Seite.

Verbraucherschützer warnen vor unlauterer Preiswerbung im Möbelhandel. Wenn Händler mit einem Schnäppchen-Preis werben, darf die Ware nicht nur für eine unangemessen kurze Zeit im Angebot sein. Ansonsten liegt die Vermutung eines Wettbewerbsverstoßes nahe, wie die Verbraucherzentrale Sachsen mitteilt. In einem Fall wollte eine Frau nach Darstellung der Verbraucherschützer eine Polstergarnitur kaufen, die sie sich wenige Wochen zuvor im Werbeprospekt eines bekannten Möbelhauses ausgesucht hatte.

Der Trick mit dem Rotstift

Angepriesen wurde die Ware für 1799 Euro, rot durchgestrichen war der angebliche Ursprungspreis von 2799 Euro. Umso erstaunter war die Kundin, als die Polstergarnitur im Möbelhaus nun doch 2799 Euro kosten sollte. Und dieses Angebot wurde hier sogar noch als Schnäppchen dargestellt. Denn rot durchgestrichen auf dem Preisschild zu erkennen war der vermeintliche Originalpreis in Höhe von 3799 Euro.

Auch die Möbelindustrie bemängelte das Marketing des Handels und kritisierte die Rotstift-Werbung als "Irreführung der Verbraucher". "Wenn es 70 oder 80 Prozent Rabatt gibt, liegt die Vermutung nahe, dass völlig überhöhte Preise als Grundlage genommen wurden. Da kann keine vernünftige Kalkulation hinter stecken", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM), Dirk-Uwe Klaas. "Ich glaube, die Möbelkäufer sind es zunehmend leid, so hinters Licht geführt zu werden", so Klaas. "Das fantasielose Marketing des Handels, ausschließlich mit hohen Rabatten zu werben, geht in Richtung 'billiger Jakob' und Verramschen." Es könne nicht sein, dass Großhändler ständig Küchen zum halben Preis oder in ihren Restaurants Schnitzel für einen Euro anbieten.

Werbung muss weg von der Rabattschlacht

Ein verbessertes Marketing kann nach Einschätzung von Klaas das Möbelgeschäft auch in Deutschland wieder ankurbeln. Denn während die Branche 2007 beim Export im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent zulegte, stagnierte das Inlandsgeschäft. Der Gesamtumsatz der rund 1000 Hersteller stieg um nur fünf Prozent auf 19,3 Milliarden Euro.

Klaas forderte eine Umstellung der Werbung, damit Möbel bei den Kunden zum "Objekt der Begierde" werden. "Die Leute müssen merken, dass es Spaß macht, seine Lebensqualität zu steigern, indem man sich neu einrichtet", sagte der Verbandschef. Mit einzelnen Händlern gebe es bereits positive Erfahrungen: Sie richteten in ihren Häusern "Wohnwelten" ein. Dabei werde ein Bereich des Ausstellungsraums von einem Hersteller gestaltet. Langfristig hält Klaas auch bei Möbeln so genannte Shop-in-Shop-Modelle, wie sie im Modehandel üblich sind, für denkbar.

AP/DPA AP DPA

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