MÜNCHEN Kurioses aus dem Prüfungsalltag


Ein Blick hinter die Kulissen der Universität

Ein Blick hinter die Kulissen der Universität

Klausur - bestanden oder nicht? Schein - ja oder nein? Eine kleine Geschichtensammlung aus der Uni-Bürokratie. Namen und Institute der Universität München sind verändert, ansonsten beruhen die Anekdoten auf wahren Sachverhalten.

Brigitta ist ein nettes Mädchen. Zwar hat sie eine 5 in Psychologie, doch das lässt sie nicht verzagen. Papas Erziehung in Starnberg hat sie mit ausreichendem Glauben an die Beeinflussbarkeit der Dinge ausgestattet. Mit dem nötigen Charmegefühl spricht sie bei Prof. Wies vor, den sie mit ihrer Trauer über die nicht bestandene Klausur umgarnt. Er blickt noch einmal wohlwollend die Korrekturen seiner wissenschaftlichen Mitarbeiter durch. Nun gut, gibt er zu bedenken, wenn man sich die schriftlichen Antworten einmal genau anschaue, sei es wohl mehr als begründet, ihr für die Arbeit eine 3 minus zu verpassen. Brigitta ist glücklich - und verabschiedet sich brav von Prof. Wies.

Peter hatte bei seiner Mathe-Klausur ein recht gutes Gefühl. Er ist zwar kein völliger Freak, doch eine Klausur über Stoff, den er teilweise schon in der Oberstufe behandelt hatte, sollte eigentlich zu schaffen sein. Also hofft er, dass auf seinem Schein mindestens ein »mit gutem Erfolg teilgenommen« stehen wird.

Nichts dergleichen. Bei Peter steht gar nichts auf dem Schein. Im Institut für Mathematik hängt eine Liste aus, auf der alle Prüflinge verzeichnet sind, die bestanden haben. Er war nicht darunter. Peter schreibt seinem Dozenten Dr. Müller eine E-Mail, in der er Einsicht in seine Klausur verlangt. Von Dr. Müller kommt zwei Wochen keine Antwort. Peter ruft ihn an und kündigt seinen Besuch für den Nachmittag an.

Am Schreibtisch sitzt Dr. Müller mit einem Schein vor sich. Peter ist glücklich, er hat wohl doch bestanden. Im Treppenhaus fällt ihm auf, dass auf dem Schein nicht sein Name steht. Zurück zu Dr. Müller; der entschuldigt sich, da habe er wohl was verwechselt. Ein Blick in die Notenliste klärt das Problem scheinbar entgültig: Peter hat eine 5. Er ist durchgefallen, lässt aber nicht locker und will die Klausur sehen.

Dr. Müller raschelt in einem großen Papierstapel, plötzlich wird es still: »Oh, da muss ich wohl in der Zeile verrutscht sein. Glückwunsch! Volle Punktzahl, 1 plus«. Peter hat doch bestanden, der Mathe-Unterricht in der Oberstufe hatte geholfen. Statt 5 - plötzlich 1 plus.

Germanistik ist ein Fach, das von Interpretationsspielräumen lebt. Doch auf dermaßen große Unterschiede war niemand der Klausurranden gefasst. Eine tiefe Schneise der Noten zog sich durch Marcs gesamten Freundes-Kreis. Der eine ging mit 1 nach Hause, andere haben eine glatte 5. Dabei hatten sie doch gemeinsam gelernt. Marc will auch bestehen, genau wie seine Freundin Martina. Mit der hat er nämlich mehr als 90 Prozent der Antworten identisch gehabt, wie er im Anschluss an die Klausur festgestellt hat. Außerdem saß er neben ihr.

Eine wissenschaftliche Mitarbeiter von Prof. Dr. sagt ihm am Telefon, es seien keinerlei Korrekturen in seiner Klausur zu erkennen. Was genau falsch gewesen sei, kann auch sie ihm nicht erklären. Doch sie gibt zu, dass verschiedenen Tutoren die Klausur korrigiert hätten und deren Interpretationsspielraum eben groß sei. Marc ist sich sicher, dass Martinas Klausur von einem anderen Tutor korrigiert wurde.

Informatik ist die Zukunft. Deshalb hat sich das Institut für Politikwissenschaften schon vor 15 Jahren entschieden, ihre Studenten im Grundstudium auf Kenntnisse am Computer zu prüfen. 15 Jahre ist eine lange Zeit in der Informatik - und so beschränkt sich die Klausur auf Erstellen von Word-Dokumenten und designen einer Exel-Grafik. Diese Klausur wird zudem im riesigen Rechnerraum des Institutes geschrieben - ohne Aufsicht. Da schafft auch der letzte Computer-Legastheniker den Schein: mit 1,0. (af)


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker