HOME

MÜNSTER: Noch mal Kind sein

Drei findigen Studenten sei dank: »Die Reise nach Jerusalem« wird zum Freizeitvergnügen der Mittzwanziger.

Es ist immer der gleiche Kampf an der Uni, ob im Seminar oder in der Mensa: die Plätze sind rar, wer nicht schnell genug reagiert, hat verloren. Und muss im Stehen essen, schreiben, zuhören. Erinnert doch fatal an ein Spiel aus der Kindheit, dachten sich drei Studenten aus Münster und gründeten prompt einen Verein, um die Sache zu institutionalisieren. Und tatsächlich: »Die Reise nach Jerusalem« wird zum Freizeitvergnügen der Mittzwanziger und erhält den neudeutschen Namen JtoJ, journey to Jerusalem.

Einfach in den Köpfen, plötzlich da!

»JtoJ ist einfach so in unsere Köpfen entstanden und war plötzlich da«, philosophiert Henning Goersch. Der Kommunikationswissenschaftler trägt den sonoren Titel »Chief Representation and Information Officer« und ist einer der Gründungsväter des Vereins. Damals im Wintersemester vor zwei Jahren wurde die Idee in der Mensa geboren. Und mit ihm der Weltverband. Die anderen Gründungsväter nennen sich »Chief Executive Officer« und »Chief Organisation Manager«, es gibt auch einen Fanatismusbeauftragten. Obwohl man es vermuten darf: »JtoJ ist keine Bierlaune«, betont Goersch. Er geht sogar noch einen Schritt weiter: »JtoJ ist ein Sport!«

Herrlich skurril

Das Selbstverständnis der Gruppe hat schnell zu großen Erfolgen geführt. Bis zu 60 Leuten kommen zu den Trainingsstunden des eingetragenen Vereins am Freitagabend, man ist mittlerweile in das Hochschulsportprogramm der Uni aufgenommen. An der ersten Weltmeisterschaft im JtoJ, Superstuhl genannt, nahmen im vergangenen Sommer rund 60 Männer und Frauen teil. Und dieses Jahr sollen es noch viel mehr werden.

Superstuhl - das ist für die Gruppe der beste Beweis für die Mischung aus Party und Sport beim Reisen nach Jerusalem. Musik, Tanz, Unterhaltung, Grillen und natürlich Sport, alles friedlich vereint und in einer herrlich skurrilen Kreativität verpackt.

Weltverband im Medienrummel

Was unter den Studenten in Münster längst ein Thema war, geriet durch einen Auftritt bei »Elton TV« in den Blick der großen Öffentlichkeit. Für ein paar Sekunden durften die JtoJ'ler ihre Homepage anpreisen. Dazu hatten sie eine Pressemeldung verfasst, aus der die Deutsche Presseagentur eine große Geschichte machte. Und dann ging der Rummel los. Fernsehen, Zeitungen, Zeitschriften - aus dem gesamten Bundesgebiet häuften sich die Anfragen. »Besser geht es natürlich nicht«, weiß auch Chief Representation and Information Officer Goersch. Ob man allerdings wirklich berühmt sei? Goersch zweifelt noch.

Völkerverbindend und Frieden stiftend

Auf jeden Fall hat man noch eine Mission zu erfüllen, meint Goersch. Die Welt könne nämlich viel schöner werden durch JtoJ. Man sei zwar unpolitisch und es ginge nie um das reale Jerusalem, sondern nur um die Reise, trotzdem besitze das Spiel Frieden stiftende Bestandteile. Mit Reisen die Welt retten: »JtoJ kann fast überall gespielt werden und richtet sich an alte, junge, dicke, dünne Menschen jeder Nation der Erde«, so Goersch.

Und wenn das nicht hilft, führt ja vielleicht die Mitgliedschaft im Schnick-Schnack-Schnuck-Klub zum Erfolg. Den soll es nämlich auch noch geben. (mk)

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity