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MÜNSTER: Tabula rasa!

Uni Münster in der Kritik der Studenten

Uni Münster in der Kritik der Studenten

Die Universität Münster wollte es wissen. Ganz genau sogar. 12.000 Fragebögen wurden vor rund einem Jahr an die Studenten verschickt, um zu erfahren, wo nun der akademische Schuh drückt (die Unireporter berichteten).

Als erste deutsche Universität überhaupt stellten sich die Verantwortlichen der Kritik ihrer Studentenschaft und forderte sie auf, mittels 48 Fragen eine Einschätzung des Standortes Münsters und der universitären Einrichtungen und Strukturen abzugeben. Auf 3.000 zurückkehrende Fragebögen hatte man gehofft, 3.755 sind es bis zur Deadline Ende Januar geworden. Diese wurden in den letzten Monaten vom Hochschul-Informations-System Hannover ausgewertet. Ende Mai sollten die Ergebnisse vorliegen, seit Ende Oktober gibt es sie nun wirklich.

Alles in Butter?

»Wir wollten nicht hören, wie gut wir sind, sondern wissen, was besser werden muss«, so Norbert Frie im Namen des Rektorats (unter Leitung von Rektor Professor Jürgen Schmidt). Dort sei die Idee entstanden und genau dort freue man sich auch über das positive Gesamtergebnis: Die Studierenden sind gerne in Münster und auch überwiegend gerne an dieser Universität. Kritisiert werden hingegen vor allem die Studienbedingungen bestimmter Fachbereiche, die unter den negativen Randerscheinungen einer Massenuniversität leiden müssen. Verbesserungen sind vor allem in einigen Instituten aus den geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Bereichen nötig. Es mangelt an Räumen, Büchern, Computern und vielem mehr. Aber nicht nur die Bedingungen, auch das Verhältnis zwischen Studierenden und den Lehrkörpern wird bemängelt: Fehlende Beratungsmöglichkeiten, wenig Austausch, mangelnde Vorbereitung auf die Berufspraxis. Das Studium ist, so die Studie, für viele bereits zur Nebensache geworden. Nur jeder fünfte Studierende ist nicht neben dem Studium erwerbstätig. Fast jeder ist somit zumindest zeitweise in anderen Bereichen tätig.

Breite Diskussion

153 Seiten umfasst der Abschlussbericht des Projektes. Genug Inhalt, mit dem sich die verschiedenen Einrichtungen der Uni in den nächsten Monaten und Jahren beschäftigen dürfen. »Jetzt werden die Fachbereichen informiert, dann diskutiert, dann muss reformiert werden«, sagt Frie. Man gehe davon aus, dass schon in einem Jahr Verbesserungen spürbar sein werden. Grundlage dafür sei jedoch die Auseinandersetzung mit den jeweiligen Missständen vor Ort. Es nütze kaum etwas, wenn man die Daten hätte, zielgenaue und konkrete Maßnahmen jedoch nicht ableitete. Man müsse die »Verbesserung von Studium, Lehre und studienbezogener Infrastruktur« vorantreiben, betont Rektor Schmidt.

Fortsetzung folgt

Die Umfrage hat der Universität 70.000 Mark gekostet. Geld, dass nach Auskunft des Rektorats direkt den Studenten zugute kommen wird. Schon in ein bis zwei Jahren soll es dann eine Fortsetzung als E-Mail-Umfrage geben. Dies sei billiger und erhöhe vermutlich die Rücklaufquote. Dass man dann allerdings kaum noch die Studenten erreicht, die die Unterschiede zwischen den Zuständen während der ersten Studie und deren Fortsetzung benennen können, dürfte klar sein. Ewig studieren wenige. (mk)

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