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Naina äußert sich zu Bildungs-Tweet: "Was wir in der Schule lernen, ist kein Blödsinn"

Bringen Gedichtanalysen etwas fürs Leben? Mit 140 Zeichen löste Schülerin Naina eine Debatte aus. Jetzt erklärt sie ausführlich, was sie mit ihrem Tweet sagen wollte.

Über Nacht ein Twitter-Star: Das Profil der 17-Jährigen

Über Nacht ein Twitter-Star: Das Profil der 17-Jährigen

Ohne viel nachzudenken twitterte sich Naina K. vergangenen Samstag ihren Frust von der Seele: "Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann 'ne Gedichtanalyse schreiben. In 4 Sprachen." Der Tweet entstand ganz spontan. "Innerhalb von zwei Minuten hatte ich das gedacht, verfasst und abgeschickt. Ich hätte nie gedacht, dass darauf so eine riesige Reaktion folgt", schreibt Naina jetzt auf "Zeit Online".

Die Kritik an ihrer Schuldausbildung löste eine deutschlandweite Debatte aus - darüber, was die Schule leisten muss und was nicht. Sollte statt Gedichtanalysen besser Steuer- und Mietrecht auf dem Lehrplan stehen? Naina findet nein. "Ich sage ja nicht: Was ihr uns an der Schule beibringt, ist Blödsinn. Wir lernen wichtige Sachen, die wir später auch brauchen. Fachwissen, Allgemeinbildung, soziale Kompetenzen", so die 17-Jährige.

Einige wichtige Themen würden ihr dennoch fehlen. "Wie miete ich eine Wohnung? Was muss ich an Steuern zahlen? Welche Versicherungen brauche ich und wie schließe ich die ab? Wie kläre ich Dinge mit der Bank?" Diese Fragen würden nicht unbedingt ein eigenes Fach erfordern, aber wenigstens einen freiwilligen Projektkurs, findet Naina.

"Ich hab jetzt 'ne Ahnung von Miete und Steuern"

Wäre es nicht die Aufgabe der Eltern gewesen, ihrer Tochter zu erklären, wie sie ein WG-Zimmer anmieten könnte, kam prompt die Reaktion. Haben diese ihren Erziehungsauftrag nicht erfüllt?

Ihre Eltern nimmt Naina in dem Artikel in Schutz. "Der Tweet war für mich selbst ein Anstoß: Ich bin danach zu meiner Mutter gegangen und hab ihr Fragen gestellt. Sie hat mir erklärt, wie das eigentlich abläuft, wenn man eine Wohnung mietet. Es ist nicht immer so, dass ich keine Ahnung hätte. Auch was Steuern und Versicherungen angeht."

Ihre eigenen Kinder will die Schülerin gleich von Anfang an gut fürs Leben rüsetn. "Wenn ich irgendwann mal eigene Kinder habe und sie diesen Tweet ausgraben sollten, hoffe ich, dass sie nicht sagen: Mama, das hast du mir ja auch nicht beigebracht! Ich will sie natürlich so gut wie möglich auf ihre Zukunft vorbereiten."

Naina hofft jedoch, dass der Tweet nicht nur für sie selbst ein Anstoß gewesen ist, sondern auch für andere: "Mir haben Leute geschrieben: Wir haben heute in Deutsch über deinen Tweet gesprochen. Oder: Ich habe mich heute mit meiner Tochter darüber unterhalten. Mir gefällt das. Das sind schon ein paar Jugendliche mehr, die nicht mehr so orientierungslos sind."

ivi
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