Preisschock Benzin und Diesel so teuer wie nie


Nach zwei Preiserhöhungen in Folge wird der Tankstopp zum Preisthriller: Im bundesweiten Durchschnitt kostet ein Liter Diesel nun 1,33 Euro, für Superbenzin muss sogar 1,46 Euro gezahlt werden. Schon kursieren erste Warnungen vor Versorgungslücken.

Preisschock für Deutschlands Autofahrer: Benzin und Diesel sind nach zwei Preisrunden am Dienstag und Mittwoch so teuer wie noch nie. Für einen Liter Dieselkraftstoff sind nach Angaben aus der Branche im bundesweiten Durchschnitt 1,33 Euro zu bezahlen. Superbenzin verteuerte sich auf 1,46 Euro je Liter und ist teurer als während der Hochpreisphase nach dem Hurrikan "Katrina" im Spätsommer 2005. Der Ölpreis arbeitet sich an die Marke von 100 Dollar für ein Barrel (159 Liter) heran. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) warnte in einer Energieprognose vor drohenden Versorgungslücken.

Ölpreis seit August um fast 30 Dollar gesteigen

Die US-Sorte WTI lag am Mittwoch bei 97,48 Dollar je Barrel (159 Liter). Seit August dieses Jahres hat sich der US-Ölpreis um fast 30 Dollar oder etwa 40 Prozent verteuert. Der Preis für Öl der Nordseesorte Brent stieg im Tagesverlauf erstmals über die Marke von 95 Dollar, sank aber am Nachmittag etwas auf 94,04 Dollar. Das US-Energieministerium teilte in Washington mit, dass die Vorräte an Rohöl in den USA um 0,8 Millionen Barrel auf 311,9 Millionen Barrel gesunken seien. Experten hatten einen stärkeren Rückgang erwartet.

Händler begründen die anhaltende Rekordjagd der Ölpreise zum einen mit dem weiter schwachen Dollar, der in der US-Währung notierte Rohstoffe billiger für Investoren mache. Zudem verweisen Analysten auf Spekulationen, die die Ölpreise deutlich über ihr fundamental zu rechtfertigendes Niveau getrieben hätten.

Einziger Schutz: der harte Euro

Ursache für die hohen Preise an den Zapfsäulen seien Rekordnotierungen für die Produkte am europäischen Ölmarkt in Rotterdam, hießt es aus der Branche. Diesel kostet dort mittlerweile 940 Dollar je Tonne, das sind 250 Dollar mehr als in der letzten Hochpreisphase. "Das kann auch der hohe Euro-Kurs nicht ausgleichen", sagte die Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), Barbara Meyer-Bukow. Wäre der Euro schwächer, müssten die Autofahrer noch mehr für den Sprit bezahlen. Angesichts des schnellen Preisanstiegs an den internationalen Märkten seien die Preise an der Tankstelle oft nicht kostendeckend. Der Preisauftrieb werde auch durch den intensiven Wettbewerb in Deutschland gedämpft.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) geht davon aus, dass der steigende Ölpreis die Konjunkturrisiken erhöht. "Die Dollarabwertung dämpft den Anstieg des Ölpreises für den Euroraum", sagte Glos in Berlin. "Die Bundesregierung geht in ihrer aktuellen Prognose für 2008 von einem Jahresdurchschnittspreis in Höhe von 80 US-Dollar aus." Der Preisanstieg habe sowohl spekulative als auch realwirtschaftliche Hintergründe.

Höhere Konjunkturrisiken

Die IEA erwartet bis zum Jahr 2030 einen Anstieg des weltweiten Energieverbrauchs von rund 50 Prozent, wovon die Hälfte auf China und Indien entfällt. Es sei ungewiss, ob die Erweiterung der Förder- und Verarbeitungskapazitäten in den kommenden Jahren ausreichen werde, um die wachsende Nachfrage zu decken. Denkbar seien auch Versorgungskrisen und abrupt steigende Preise.

DPA DPA

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