HOME

Schülerwettbewerb: Eigene Forschungen sind "einfach klasse"

Selber forschen macht mehr Spaß, als alles vorgekaut zu bekommen. Das beweist auch das Beispiel der 13-jährigen Laura Francesca aus Bayern. Sie nimmt am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teil.

Während viele ihrer Klassenkameraden sich in der Freizeit eingehender Bravo-Lektüre oder Computerspielen widmen, wälzt Laura Francesca Junker Jugendbücher über Geschichte: Die 13-Jährige aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck nimmt dieses Jahr an einem Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten gemeinsam mit der Körber-Stiftung teil. Und noch bevor ihre über 30 Seiten lange Arbeit über jugendliche Vertriebene im Landkreis Fürstenfeldbruck ausgewertet wurde, belegt das selbstsichere Mädchen einen Sonderplatz: Sie ist Wettbewerberin Nr. 100.000.

"Ich bin ein Bücherwurm", sagt die Schülerin über sich selbst. Wegen ihres ausgeprägten Interesses für Geschichte sieht sie sich im Vergleich zu ihren Freundinnen keinesfalls als Sonderling: "Definiert man Geschichte mit Geschichtsunterricht, finde ich das auch absolut todlangweilig. Da kriegt man Fakten hingeknallt, und die soll man auswendig lernen", kritisiert Laura. Eigene Geschichtsforschungen jedoch seien "einfach klasse".

Tipp kam von der Mutter

Auf die Idee zur Teilnahme am Wettbewerb ist Laura durch einen Hinweis ihrer Mutter gekommen, die selbst Geschichtslehrerin ist. So verbrachte das Mädchen über ein halbes Jahr nahezu jedes Wochenende damit, Interviews mit Zeitzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg zu führen. "Ich bin so ein Mensch, wenn ich was anfange, muss ich es auch fertig machen. Da hab' ich Ehrgeiz", sagt sie.

Bei den von dem Mädchen befragten Zeitzeugen handelt es sich um vier Vertriebene aus Ostpreußen und dem Sudetenland, die etwa Lauras Alter hatten, als sie ihre Heimat verlassen mussten. Nachdem die Schülerin über einen Vertriebenenverband den Kontakt hergestellt hatte, folgten lange und für beide Seiten anstrengende Gespräche: "Einer hat fast geweint, da hab ich sofort abgebrochen", schildert sie ihre Erfahrungen.

Erfahrungen gesammelt

Auf die Frage nach der wichtigsten Erfahrung, die sich für sie selbst aus ihrer Arbeit ergab, antwortet das rothaarige Mädchen ohne zu zögern: "Dass so etwas nie wieder passieren darf." Neben der Aufklärungsarbeit, die Laura mit ihrer regionalen Forschung geleistet hat, zählt für sie am Schluss aber auch der Erfolg - den Teilnehmern am Wettbewerb 'Weggehen - Ankommen. Migration in der Geschichte' winken Gesamtpreise im Wert von 250.000 Euro.

Der Preisverleihung am 24. September fiebert das Mädchen zunächst einmal fast alleine entgegen. Außer ein paar Freundinnen hat sie bisher niemandem von ihrer Teilnahme erzählt. "Kann ja auch totaler Schmarrn sein, was ich da geschrieben hab'", sagt Laura Junker. Dass sie beim letzten Wettbewerb im Alter von zwölf Jahren schon einen 4. Preis gewann, spricht aber gegen diese Sorge. Auch in den Sommerferien wird sich die junge Historikern mit Geschichte auseinander setzen - diesmal mit alter Geschichte. Auf ihren Wunsch hin fährt die Familie nach Rom.

Julia Lenders / DPA
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity