Studenten-Proteste in München Nur Leerstühle?


Mehr Studenten, weniger Geld - für den bayerischen Ministerpräsidenten ist das kein Widerspruch zu seinem Anspruch, in Bayern internationale Elite auszubilden und Unis mit Profil zu haben.

Rund 1500 Studenten sind am Donnerstag in München gegen die Sparpläne der bayerischen Staatsregierung auf die Straße gegangen. "Edmund Stoiber - Hochschul-Räuber" und "Sollen die Unis sterben?" hieß es auf Transparenten. Die Wirkung der Sparpläne auf Forschung und Lehre werde verheerend sein, kritisierte die Fachschaftskonferenz der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Der Bayerische Jugendring und die Arbeitsgemeinschaft der Familienorganisationen kritisierten die von Stoiber angedachte Einführung von Studiengebühren als unsozial.

Kommende Woche wollen die Studenten ihren Protest mit weiteren Aktionen fortsetzen. Im Gespräch sind unter anderem öffentliche Marathon-Vorlesungen und Podiumsdiskussionen. Das Sparprogramm sieht Haushaltskürzungen von zehn Prozent im nächsten Jahr vor. Nach den Vorstellungen der Regierung sollen die Hochschulen den Sparkurs zur Profilbildung nutzen.

Wie man sparen und gleichzeitig an Profil gewinnen soll? - Ganz einfach: Schlecht ausgelastete Studiengänge werden nach dem Motto "Man muss ja nicht alles überall studieren können" einfach zugemacht. Und damit nicht genug: Bis 2008 will Ministerpräsident Edmund Stoiber den Universitäten fünf weitere Prozent abknöpfen. Die Inflationsrate eingerechnet entspräche das einer realen Kürzung um ein Viertel, rechnete Bernd Huber, Rektor der Münchner LMU, vor.

Angst um das Geschwister-Scholl-Institut

Besonders betroffen sind nach Angaben der Studenten an der LMU unter anderem die Fächer Politische Wissenschaft, Kunstgeschichte, Informatik, Medizin und Theologie. Es verhärteten sich Gerüchte, dass das renommierte Geschwister-Scholl-Institut (GSI) für Politische Wissenschaft "Hauptopfer" der Kürzungen sein könnte, sagte ein Sprecher der Fachschaft Politik. Die Hälfte der Lehrstühle am GSI sei derzeit nicht besetzt.

Zwar seien alle Fakultäten der LMU von den Einsparungen betroffen. "Wir fürchten jedoch, dass an unserem Institut nur deshalb gekürzt werden soll, weil zahlreiche vakante Stellen eine gute Gelegenheit dazu bieten", kritisierte die Fachschaft. Der Rektor der LMU griff aufgrund der prekären Finanzlage bereits zum sofortigen Einstellungsstopp. Wer einen auslaufenden Zeitvertrag hat, kann kaum mit einer Verlängerung rechnen - damit stehen insbesondere die Stellen des wissenschaftlichen Nachwuchses, von Mitarbeitern und Assistenten auf der Kippe.

Studiengebühren weitere Sonderbelastung für Familien

Der Jugendring und die Arbeitsgemeinschaft der Familienorganisationen erklärten, dass Studiengebühren eine weitere Sonderbelastung für Familien und damit weder zumutbar noch gerechtfertigt seien. In Westdeutschland müssten Studenten allein 50.000 Euro für ihren Lebensunterhalt aufbringen. Bis Bayern von seinen Studenten Geld fordern darf, muss allerdings das Bundesverfassungsgericht das bundesweite Verbot von Studiengebühren aushebeln, das derzeit noch im Hochschulrahmengesetz festgeschrieben ist.


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