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Tierhaltung Hunde und Katzen statt Kinder? Die Kritik des Papstes geht völlig am Thema vorbei

Papst Franziskus beim Treffen mit einer Rettungshundestaffel
Papst Franziskus beim Treffen mit einer Rettungshundestaffel
© Picture Alliance
Papst Franziskus sorgt sich, dass Hunde und Katzen beim modernen Menschen den Platz von Kindern einnehmen. Dabei übersieht er, wie gut Tiere der Seele tun – gerade in Zeiten von Corona.

Viel Unmut wurde laut, nachdem Papst Franziskus am Mittwoch gesagt hatte: "So viele Paare haben keine Kinder, weil sie keine wollen, oder sie haben nur eins, weil sie nicht mehr wollen, aber sie haben zwei Hunde, zwei Katzen". Der Pontifex wünschte sich, dass die Gläubigen für mehr Nachwuchs sorgen sollten – und musste dafür viel Kritik einstecken.

Zum einen gab es viele hämische Hinweise darauf, dass solche Worte von einem Mann, der rein beruflich keine Kinder haben darf, nicht unbedingt angebracht sind. Zweitens ist es selbstverständlich jedem und jeder selbst überlassen, ob und wann man Kinder möchte, und wieviele. Und drittens sind solche Sätze zutiefst verletzend für Menschen, die sich Kinder wünschen, bei denen es aber einfach nicht klappt, und die ihre überschüssige Liebe dann gern Tieren geben – warum auch nicht! Der Papst bewies, dass es wirklich nie – nie! – eine gute Idee ist, andere für ihre individuelle Familieplanung zu kritisieren, oder überhaupt darauf anzusprechen.

Aber das ist ja eigentlich nichts Neues, wenn man auch im Vatikan von dieser einfachen Grundregel, die Anstand und Respekt gebieten, offenbar noch nichts gehört hat. Viel entscheidender ist aber, dass das Oberhaupt der Katholiken offenbar nicht versteht, wie gut Tiere den Menschen tun. Generell hatte offenbar kein Papst je Hunde oder Katzen, oder andere Haustiere, zu denen man eine echte Bindung aufbaut. Bekannt ist ein Papst, der vier Fische hielt, ein anderer immerhin zwei Kanarienvögel. Leo X. hatte im 16. Jahrhundert einen Elefanten, der ihm vom portugiesischen König geschenkt worden war. Leo XIII. hatte einen kleinen Privatzoo mit Gazellen im Vatikan. Aber echte Kuscheltiere – Fehlanzeige.

Päpste sind nie große Haustierfans gewesen

Da können die Geistlichen in Rom natürlich nicht wissen, wie hilfreich Tiere gerade in Zeiten der Pandemie für ihre Schäfchen sind. Wer in den sozialen Medien unterwegs ist, stolpert derzeit permanent über Berichte und Fotos von Menschen, die auf ihren täglichen Spazierrunden oder beim Durchatmen auf dem Balkon Begegnungen mit Eichhörnchen hatten und sich darüber freuen. Wer auf Spazierrunden unterwegs ist, ertappt sich vermutlich selbst oft dabei, wir er automatisch fremde Hunde anlächelt (und deren Menschen dabei gar nicht registriert), selbst wenn er gar kein ausgemachter Hundefreund ist. Tieren begegnen, das ist plötzlich ein Highlight im Alltag.

Und das hat viele gute Gründe. Tiere erinnern uns daran, dass es ein "Draußen" gibt, eine Natur, dass auch wir Menschen in Beziehung zu dieser Natur stehen. Tiere sind keine Querdenker, haben keine Meinung zu Corona-Maßnahmen, keine politische Ausrichtung, sie sind einfach da und meistens freundlich und flauschig. Sie wissen vermutlich nicht einmal, dass eine Pandemie herrscht und machen uns damit deutlich, dass ein Leben ohne Corona-Sorgen möglich ist – irgendwann vielleicht auch wieder für uns alle. Zudem: Das Schnurren zufriedener Katzen wirkt nachgewiesenermaßen positiv auf die Gesundheit. Und tägliche Hunderunden zwingen uns nach draußen, an die Sonne, was ebenso förderlich ist.

Tiere sind gut für unsere Seelen

Es ist kein Wunder, dass sich zu Beginn der Coronakrise, als die Arbeit im Homeoffice stark zunahm, viele Menschen ein Haustier zulegten. Man kann das natürlich kritisieren, wenn dies unüberlegt geschah – und der Vierbeiner am Ende wieder im Tierheim landet oder landen wird, sobald die Arbeitszeiten und/oder Umstände sich ändern. Die große Mehrheit der Tiere wird aber bei den neuen Besitzern bleiben, da sie längst zum Teil der Familie geworden sind und ihren Menschen täglich ein Lächeln ins Gesicht zwingen, das dort ansonsten wohl nicht aufgetaucht wäre. Tiere sind lustig, Tiere sind warm und weich, sie sind lieb, sie sind albern. Natürlich sind sie auch mal anstrengend, nervig oder machen Dreck, aber das nimmt man gern in Kauf.

Menschen, die Tiere zum Freund haben, haben großes Glück, denn das ist einfach gut für die Seele. Nicht grundlos ist einer der erfolgreichsten Accounts in den sozialen Medien gerade ein Niederländer, der als "Buitengebieden" ausschließlich putzige Tiervideos mit der Welt teilt. Und die Menschen saugen es auf wie Zuckerwasser, mehr als 600.000 Menschen folgen ihm inzwschen bei Twitter. Scheinbar sind süße Tiere einfach der Content, den unsere pandemiegestressten Gehirne derzeit dringend brauchen.

Kinder und Tiere sind wie Äpfel und Birnen

Falls es den Papst beruhigt: Sicher haben viele Paare in Zeiten von Lockdowns, abgesagten Abendveranstaltungen und gemeinsamen Mittagspausen im Heimbüro auch mehr Zeit und Gelegenheiten für Siewissenschon – und daraus wird sich bestimmt das ein oder andere Baby ergeben. Aber auch das freut sich ganz sicher später darüber, mit einem vierbeinigen Kumpel aufwachsen zu dürfen. Also, außer es ist ein Elefant – nichts gegen Elefanten, die sind super, passen aber vermutlich nicht so richtig gut ins Kinderzimmer.


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