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Ukraine "Als der Beschuss kam, habe ich den Fernseher lauter gestellt" – wie ukrainische Eltern den Krieg vor ihren Kindern verstecken

Ukrainische Mutter mit ihrem Kind
Die Angst, um die Kinder ist groß (Symbolbild)
© Pacific Press Agency / Imago Images
Seit vier Tagen ist die Bevölkerung der Region Donezk in der Ukraine dazu aufgefordert, die Region zu evakuieren. Aber nicht alle gehen. Einige Familien bleiben.

Mit eindringlichen Worten rief der ukrainische Präsident Selenskyj vor vier Tagen die Bewohner rund um Donezk auf, das Gebiet zu verlassen. Je mehr Menschen gingen, desto weniger könne die russische Armee töten, sagte er und versprach Hilfe bei der Evakuierung. "Im Donbass sind Hunderttausende Menschen, Zehntausende Kinder, viele lehnen es ab zu gehen", sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache.

Aufwachsen im Krieg. Es ist das schlimmste, was einem Kind passieren kann: Plötzlich fallen Bomben vom Himmel. Der sofortige Instinkt bei Familien: fliehen. Aber nicht alle Menschen sehen das so. Im Interview mit BBC verrät Olena aus Bakhmut, wie sie ihre Tochter vor dem Krieg schützt.

Ihre Tochter weiß gar nicht, dass draußen Krieg herrscht. "Wenn ich dem Kind ständig erzähle, dass Krieg ist, werde ich das Kind mit dieser ganzen Situation um sich herum eher verunsichern", sagt die Mutter.

Den Fernseher lauter drehen

"Gestern Abend, als der Beschuss kam, habe ich den Fernseher lauter gestellt, damit sie es nicht hört", erzählt Olena im Interview. Als die Stadt in der Woche zuvor besonders schwer beschossen wird, wacht ihre Tochter nachts mehrmals auf, weil es knallt. "Wenn sie aufwacht, versteht sie nicht, was los ist" – auch ihre Tochter habe Angst.

Lena wohnt auch in Bakhmut. Sie ist der Meinung: "Hier gibt es keine Zukunft für die Kinder, hier wird immer noch geschossen." Die beiden Familien wohnen etwa sechseinhalb Kilometer von russischen Stellungen entfernt. Und dennoch: Sie bleiben dort. Um die Psyche ihrer Kinder zu schützen.

Hauptsache Sicherheit!

Wenn etwas draußen knallt, erzählt Olena der Vierjährigen, etwas sei heruntergefallen. "Ich versuche, erfinderisch zu sein, damit sie es nicht versteht", sagt sie im Interview mit der BBC. Ihre Tochter solle nicht noch mehr Angst haben.

"Das Wichtigste ist, dass das Kind in Sicherheit bleibt", sagt Olena und bringt damit die Gefühle aller ukrainischen Mütter auf den Punkt. Für die beiden Familien aus Bakhmut heißt das: Da bleiben und die Kinder nicht noch mehr belasten. Olena zieht den Schluss: "Wenn meiner Familie etwas zustößt, würde ich das nicht verkraften."

Quelle:BBC

eli

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