HOME

Vorsorgevollmacht: So stellen Sie Ihren Willen sicher

Mit einer Vorsorgevollmacht regeln Sie Ihre Angelegenheiten für den Fall der Fälle. Hier erfahren Sie, wie Sie den Missbrauch Ihrer Vollmacht durch die bevollmächtigte Person verhindern können.

Von Bernhard F. Klinger

Mit einer Vorsorgevollmacht tun Sie sich Gutes. Sie vermeiden damit eine von einem Richter angeordnete Betreuung durch eine Person, die Sie nicht kennen. Wenn Sie das ausschließen wollen, setzen Sie eine vertraute und vertrauenswürdige Person als Bevollmächtigte oder Bevollmächtigten ein. Häufig erklären sich enge Verwandte wie Ehepartner, eigene Kinder, ein Neffe oder eine Cousine oder ein langjähriger guter Freund bereit, Ihnen in einer Notsituation zu helfen und in Ihrem Sinne für Sie tätig zu werden.

Einen Mustertext zu einer Vorsorgevollmacht finden Sie hier.

Doch die bevollmächtigte Person kann Ihnen auch immensen finanziellen Schaden zufügen. Auch Vertrauenspersonen können im Lauf ihres Lebens einmal massive Geldprobleme bekommen: Wie vielen andere Menschen kann es ihnen passieren, dass sie unerwartet die Arbeit oder Ihre Firma verlieren, unter einer Geld vernichtenden Sucht leiden, über die eigenen Verhältnisse leben, dem luxuriösen Lebenswandel eines neuen Partners gerecht werden müssen, nach einem Unfall ein neues Auto brauchen oder sich an der Börse verspekuliert haben.

Die Idee, die Konten eines Vollmachtgebers abzuräumen, der sterbenskrank darniederliegt, kommt in so einer Situation schnell auf - insbesondere dann, wenn der Vollmachtgeber sich nicht mehr zu helfen weiß, den Bevollmächtigten nicht mehr kontrollieren kann und auch die Vollmacht nicht mehr zurücknehmen kann.

Doch welche Möglichkeiten gibt es, vorausschauend den Missbrauch einer Vorsorgevollmacht auszuschließen? Wie kann sich der Vollmachtgeber vor den Machenschaften eines Bevollmächtigten schützen, der kein Vertrauen mehr verdient? Es gibt einige Möglichkeiten, die Vorzüge einer Vollmacht mit geschickten Schachzügen zur Vermeidung von Missbrauch zu kombinieren.

Die richtige Auswahl des Bevollmächtigten

Es macht sehr viel Sinn, aus der Verwandtschaft und Bekanntschaft sehr gewissenhaft die Personen ausfindig zu machen, die aufgrund ihres Charakters, ihrer Fähigkeiten und ihrer wirtschaftlichen Situation in der Lage sind, die verantwortungsvolle Tätigkeit einer bevollmächtigten Person zu übernehmen. Enge Verwandte sollten in die engere Auswahl kommen, wenn sie beruflich und finanziell gesichert sind. Vor allem dann, wenn ein Bevollmächtigter ohnehin als Erbe vorgesehen ist, dürfte der vorzeitige Griff in die Taschen des Vollmachtgebers unwahrscheinlich sein.

Finanzielle Probleme sind auf jeden Fall ein triftiger Grund, eine Person nicht zu bevollmächtigen. Übrigens sollte bei Senioren der Bevollmächtigte möglichst nicht im gleichen Alter stehen, da er möglicherweise dann, wenn der Vollmachtgeber Hilfe benötigt, schon verstorben ist oder selbst bereits mit Demenz oder Gebrechlichkeit zu kämpfen hat und daher die Tätigkeit des Bevollmächtigten nicht mehr korrekt ausüben kann.

Grundvertrag abschließen und Honorar vereinbaren

Eine Vollmacht sollte dem Bevollmächtigten die Möglichkeit geben, alles zu tun, was im Sinne des Vollmachtgebers ist. Bedingungen, unter denen die Vollmacht gültig sein soll, können sich im Ernstfall zu unüberwindbaren Hindernissen entwickeln, im Interesse des Vollmachtgebers zu handeln. Art und Umfang der Bevollmächtigung sollten nicht in der Vollmacht selbst, sondern in einem "Grundvertrag" zwischen Vollmachtgeber und Bevollmächtigtem geklärt sein.

In diesem Dokument sollte explizit niedergelegt sein, was der Bevollmächtigte zu tun hat und lassen muss. Hat ein Bevollmächtigter gegen diese Bestimmungen verstoßen, können die Erben des Vollmachtgebers gegen ihn vorgehen. Allein das Wissen um diese möglichen Folgen kann den Bevollmächtigten von dreister Selbstbereicherung abhalten.

Einen Mustertext zu einem Geschäftsbesorgungsvertrag finden Sie hier.

Damit bei dem Bevollmächtigten erst gar nicht die Meinung oder das Gefühl aufkommen kann, er arbeite viel und erhalte dafür nichts, kann ein angemessenes Honorar vereinbart werden. Damit regelt man nicht nur die "geschäftliche Beziehung" eines Dienstvertrages. Es wird auch klar, dass über das Honorar hinaus kein Anspruch auf weitere Leistungen besteht.

Mehrere Bevollmächtigte verhindern Missbrauch

Ein wirksames Mittel, um den Missbrauch einer Vollmacht zu vermeiden oder klein zu halten, ist es, mehrere Personen mit unterschiedlichen Aufgabenkreisen zu betrauen - wie dies auch bei einer Betreuung durchaus möglich und in manchen Fällen sinnvoll ist. Eine Tochter mit dem Beruf Krankenschwester regelt dann die häusliche Pflege, ein als Volkswirt diplomierter Sohn wacht über die finanziellen Dinge inklusive Geldanlagen und Aktiendepots, und ein Professor der Fachhochschule übernimmt die Geschäftsführung der Firma des Vollmachtgebers.

Mehrere Vollmachten bieten einen Schutz davor, dass wohlmeinende und engagierte Bevollmächtigte aus Unerfahrenheit völlig falsche Entscheidungen treffen, eine Firma zu Grunde richten oder windigen, bonus-gierigen Bankberatern auf den Leim gehen.

Eine besonders wirksame Form der Kontrolle ist es, zusätzlich neben dem Bevollmächtigten einen Kontrollbevollmächtigten einzusetzen. Typische Aufgaben sind die Überprüfung der Einnahmen und Ausgaben, die Genehmigung von Ausgaben über einem bestimmten Limit und die Prüfung, ob der Bevollmächtigte die ihm übertragenen Kompetenzen überschreitet oder nicht. Je nach Vertrag kann ein Kontrollbevollmächtigter einem Bevollmächtigten auch die Vollmacht entziehen und eine andere Person als Bevollmächtigten einsetzen.

Weitere Informationen rund um das Thema Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuung.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wissenscommunity

  • Bernhard F. Klinger