INTERNATIONAL SPY MUSEUM James Bond und Markus Wolf friedlich vereint


Die weltweit größte Sammlung an Spionageartikeln bietet das »International Spy Museum« in Washington. Neben authentischen Exponaten erwartet den Besucher viel Popkultur.

Eine Enigma-Codierungsmaschine, Minox-Kameras, ausfaltbare Stasi-Einbrechertaschen und die Nachbildung eines CIA- Tunnels unter der ehemaligen Berliner Mauer - im neuen amerikanischen Spionagemuseum kommt der deutsche Anteil an der Geschichte der Geheimdienste nicht zu kurz. Das »International Spy Museum«, das an diesem Freitag nach vierjähriger Bauzeit in Washington seine Pforten öffnet, bietet den Besuchern viel: Laut Eigenwerbung die weltweit größte Sammlung an Spionageartikeln. Daneben gibt es noch ein wenig Popkultur.

So kommt es, dass dem Ex-DDR-Spionagechef Markus Wolf die zweifelhafte Ehre zu Teil wird, neben James Bond oder dem Klamauk- Spion Austin Powers oder Emma Peel aus der TV-Serie »Mit Schirm, Charme und Melone« gewürdigt zu werden. Museumsdirektor Peter Earnest, selbst ein langjähriger führender Mitarbeiter des US- Geheimdienstes CIA, nennt es ein »komplettes Erlebnis«. Dem Besucher soll alles geboten werden, was er von der geheimen Welt der Spionage erwartet. Und damit Kinofans nicht zu kurz kommen, finden sich eben neben echten Spionageartikeln auch eine Nachbildung des Aston Martin-Sportwagens aus dem James-Bond-Film »Goldfinger«.

Doch vor allem die »echten« Ausstellungsstücke überzeugen. Neben kleinen Kameras, die im Ersten Weltkrieg Tauben umgebunden wurden, um Luftbilder von den Stellungen des Gegners zu erhalten, ist der berüchtigte bulgarische Giftpatronen-Regenschirm zu sehen, mit dem der KGB im Westen Dissidenten eliminierte. Ähnlich tödlich war die als »Todeskuss« bezeichnete Lippenstiftpistole, die dem CIA an der ostdeutschen Grenze in die Hände fiel.

Ein ganzer Raum ist den Bemühungen der Alliierten gewidmet, den Code der deutschen Enigma-Maschine zu brechen. Wer die schreibmaschinengroße Enigma nicht nur bestaunen will, dem bietet die interaktive Ausstellung auch die Möglichkeit, seine eigenen Fähigkeiten als Codebrecher zu testen.

Überhaupt legen die Macher des umgerechnet 40 Millionen Euro teuren Spy Museums, zu dessen Beraterstab gestandene Geheimdienstler von der CIA und sogar ein ehemaliger KGB-Offizier gehören, großen Wert auf interaktive Beteiligungsmöglichkeiten für Besucher. So kann jeder Gast beim Betreten des Museums eine Identität annehmen und muss sich deren Daten merken. Später fragt dann ein grimmiger digitaler Grenzbeamter den Besucher ab und reagiert auf Ungereimtheiten im Lebenslauf mit einem bedrohlichen Augenzusammen- kneifen.

Zu den weiteren Höhepunkten des Museums nur eine Straße vom FBI- Hauptquartier entfernt gehört der Nachbau eines Bunkers im geheimen amerikanischen Labor Los Alamos, wo die amerikanische Atombombe entwickelt wurde. Die Ausstellung schildert die russischen Spionagebemühungen, das Geheimnis der Atombombe zu lüften. Auf die Explosion einer russischen Atombombe folgt der Kalte Krieg und damit eine Hochkonjunktur für das Spionagegeschäft, die sich für die Museumsmacher am Ost-West-Knotenpunkt Berlin kristallisiert.

Im einstigen Wirkungsfeld von Markus Wolf dürfen Besucher an einem Berliner Straßencafé entlang schlendern, an einer Litfass-Säule DDR- Propagandamaterial lesen und dann durch den Nachbau eines 150 Meter langen Tunnels laufen. Die Briten und Amerikaner bauten ihn 1954 unter der Mauer, um ostdeutsche Telefonleitungen anzuzapfen.

Das war ein aus heutiger Sicht wenig ergiebiges CIA-Projekt, das nach zwei Jahren auch wieder eingestellt wurde, doch gerade dies offenbaren viele der Ausstellungsstücke: Spionage ist selten so glamourös wie es in James-Bond-Filmen dargestellt wird, sondern meistens eine schmutzige und gefährliche Arbeit, die nur in den seltensten Fällen allein den Durchbruch bringt.


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