Beisetzung von Markus Wolf Nelken und Rosen für den Spion


Der frühere DDR-Spionagechef Markus Wolf ist auf dem Zentralfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde beigesetzt worden. Hunderte Menschen folgten dem Trauerzug, darunter auch Vertreter der Linkspartei.

Rote Nelken und weiße Rosen als letzter Gruß: Unter großer öffentlicher Anteilnahme ist der frühere DDR-Spionagechef Markus Wolf am Samstag auf dem Zentralfriedhof in Berlin- Friedrichsfelde beigesetzt worden. Etwa 1500 Menschen folgten nach Angaben der Friedhofsverwaltung dem Trauerzug der Familie - viele hatten eine Blume in der Hand. Gekommen waren auch der Linkspartei- Bundesvorsitzende Lothar Bisky, der Partei-Ehrenvorsitzende Hans Modrow sowie der russische Botschafter Vladimir Kotenev.

Wolf sei seinen Idealen treu geblieben und habe gleichzeitig zu seinen Fehlern gestanden, sagte Bisky sichtlich bewegt am Urnengrab des Verstorbenen und verneigte sich. Der Geheimdienstler war am 9. November im Alter von 83 Jahren gestorben - am 17. Jahrestag des Mauerfalls. Nach der Wende war er auch als Kochbuchautor aufgetreten und als Schriftsteller ("Freunde sterben nicht").

Markus Wolf galt als Schlüsselfigur im Kalten Krieg: Als Leiter der Stasi-Hauptverwaltung Aufklärung führte er fast 30 Jahre etwa 4000 DDR-Auslandsagenten. Sein spektakulärster Erfolg war die Rekrutierung des Bonner Kanzlerspions Günter Guillaume. Dessen Enttarnung führte 1974 zum Rücktritt von Bundeskanzler Willy Brandt (SPD). Lange war Wolf der "Mann ohne Gesicht" - erst Ende der 70er Jahre wurde er in Stockholm erstmals fotografiert. 1986 schied Wolf aus dem Stasi-Dienst aus. Dem Stasi-Chef Erich Mielke war der umtriebige und eloquente Generaloberst oft nicht geheuer.

Für etliche, inzwischen ergraute Stasi-Mitarbeiter von einst hatte die Beisetzung am Samstag offensichtlich auch etwas von einem Familientreffen. Sie begrüßten sich mit Handschlag, tauschten das Neueste aus und freuten sich über das Wiedersehen. Auch Wolfs Nachfolger Werner Großmann war gekommen. Er war der letzte Leiter der Stasi-Hauptverwaltung Aufklärung.

Überfüllte Friedhofshalle

Die Friedhofshalle war überfüllt. Über Lautsprecher verfolgten im Freien dicht gedrängt viele die Trauerfeier mit der fast heiteren jiddischen und russischen Musik. Botschafter Kotenev sagte, an "Mischa" Wolf erinnerten sich in seinem Land viele Menschen. Wort und Tat seien bei Wolf nicht auseinander gegangen. Die Familie Wolf war aus Furcht vor den Nazis in die damalige Sowjetunion emigriert.

Theater-Regisseur Manfred Weckwerth sagte in seiner Rede, Wolf habe dazu beigetragen, dass aus dem Kalten Krieg kein heißer wurde. Dies sei bedeutsam, wenn man bedenke, wie Geheimdienste heute daran arbeiteten, dass "ein Krieg nach dem anderen entsteht".

Ganz in der Nähe von Markus Wolfs Ruhestätte liegt das Grab seines Bruders, des Defa-Regisseurs Konrad Wolf. Auch Wolfs Vater, der Schriftsteller Friedrich Wolf, war in der Nachbarschaft in der Gedenkstätte der Sozialisten bestattet worden. Diese war zu DDR- Zeiten Prominentenfriedhof für Politiker und NS-Widerstandskämpfer.

Jutta Schütz/DPA DPA

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