Berlin Ex-Spionagechef Wolf ist tot


Bis zuletzt verteidigte er sein Schaffen und seine Rolle als Spionagechef der DDR: Markus Wolf. Jetzt, am Tag, an dem vor 17 Jahren die Mauer fiel, ist er im Alter von 83 Jahren gestorben.

Der ehemalige DDR-Spionagechef Markus Wolf ist tot. Er starb in der Nacht zum Donnerstag in seiner Berliner Wohnung im Alter von 83 Jahren, wie sein Verlag "Das Neue Berlin" mitteilte. Er sei friedlich eingeschlafen.

"Mischa" Wolf bekennende Kommunist stand bis zuletzt zu seiner Tätigkeit für die SED-Machthaber. Er legte in der DDR eine Bilderbuch-Karriere hin. Der Sohn des Dichters Friedrich Wolf übernahm nach Rückkehr aus dem Exil in der Sowjetunion 1952 die Leitung des DDR-Auslandsnachrichtendienstes. Zu den in der Bundesrepublik rekrutierten Agenten gehörte Günter Guillaume, der Referent von Bundeskanzler Willy Brandt wurde und maßgeblich zu dessen Rücktritt im Jahr 1974 beitrug.

Ende der 80er Jahre räumte Wolf Mitverantwortung an den Mängeln der DDR ein und erklärte, dass die Fluchtwelle Anlass gebe, sich mit den Ursachen zu beschäftigen. Nach dem Sturz von Erich Honecker nahm Wolf an Veranstaltungen mit Bürgerrechtsvertretern teil und trat am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz vor die Demonstranten und bekannte sich zu seiner Vergangenheit. Da gegen Wolf in der Bundesrepublik ein Haftbefehl bestand, floh er nach der Wende 1990 nach Moskau. 1991 kehrte er in das inzwischen wiedervereinte Deutschland zurück.

Ab 4. Mai 1993 musste er sich wegen Landesverrats vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verantworten. Am 6. Dezember 1993 wurde er zu sechs Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde im Oktober 1995 vom Bundesgerichtshof aufgehoben. Am 27. Mai 1997 verurteilte ihn das OLG Düsseldorf wegen Freiheitsberaubung in vier Fällen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Wolf kritisierte, er sei Opfer eines politischen Verfahrens. Er brachte 1997 seine Memoiren heraus.

AP/Reuters AP Reuters

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