HOME

Theater: Internationales Flair beim Cirque du Soleil

Einst eine Truppe von Straßenkünstlern, heute ein lukratives Unternehmen mit weltweit 2500 Beschäftigten: Zur Zeit touren 56 Artisten aus 19 Ländern mit ihrem neuen Programm durch die USA.

Vier junge Frauen segeln kopfüber durch die Luft, die Beine fest an der Trapezschiene eingehakt. Einmal am Boden angekommen, kommentieren sie ihren eigenen Auftritt - auf Russisch, Italienisch, Portugiesisch und Englisch. Das Sprachengewirr hinter der Bühne ist beim kanadischen Cirque du Soleil, dem "Zirkus der Sonne", nichts Ungewöhnliches. Alle Sprachen scheinen hier in einer zu verschmelzen, einem eigenen Bühnen-Jargon der Zirkuswelt.

Für den internationalen Gestus sorgen 56 Artisten aus 19 Ländern. Jeder Dritte kommt aus Russland, andere aus Brasilien, den USA oder Georgien. Nun tourt die multikulturelle Truppe mit ihrer neuen Produktion "Varekai" durch die Vereinigten Staaten. Der Titel, in einer alten Zigeunersprache gehalten, gibt den Ton der Show an: "Varekai" bedeutet "wo auch immer", und ist eine Hommage an die wandernde Nomadenseele, wie sie die Zirkustradition seit Jahrhunderten hervorbringt.

So ziehen auch die Ensemblemitglieder des ursprünglich in Montreal beheimateten Cirque du Soleil von einem Ort zum andern, dahin, wo das blau-gelb-gestreifte Zelt aufgeschlagen wird. Derzeit spielt die Truppe vor einem New Yorker Publikum, danach wandert die Produktion nach Chicago und Los Angeles.

Gearbeitet wird auch mit Blasen an den Füßen oder verbrannter Haut

"Varekai" spielt in einem von fantastischen Kreaturen bevölkerten Regenwald: Dem Zuschauer wird in dieser Bühnenwelt atemberaubende Akrobatik und exotisches Spiel geboten. "Wir kommen alle aus verschiedenen Kulturen und schaffen es dennoch irgendwie, zusammen eine Show aufzubauen", sagt Stella Umeh, eine 27-jährige Trapezartistin aus Toronto. Das Ensemble sei wie eine große Familie.

Doch die Arbeit, die in der Zirkusmanege wartet, ist hart: Körperlich wird den Darstellern viel abverlangt, trainiert wird auch mit Blasen an Füßen und Händen oder verbrannter Haut. Ein Krankengymnast steht bereit, um Schmerzen zu lindern.

Von einem "Haufen" Straßenkünstler zu einem milliardenschweren Unternehmen

Als der Cirque du Soleil 1984 vom damaligen Feuer-Fresser Guy Laliberte gegründet wurde, war das zuerst nicht viel mehr als ein bunter Zusammenschluss von Straßenkünstlern. Die Belegschaft bestand aus 73 Leuten. Heute zählt der Zirkus weltweit rund 2.500 Beschäftigte, und ist längst zu einem milliardenschweren Unternehmen geworden, das regelmäßig mit einer 1.000 Tonnen schweren Ausrüstung auf Tour geht. Auch das Publikum wurde von Jahr zu Jahr größer.

Seit Anbeginn fasziniert der Zirkus mit originellen Produktionen. Traditionelle Zirkusvorstellungen sehen blass dagegen aus - beim Sonnenzirkus wird die Aufführung mit einer Mischung aus akrobatischen Künsten, farbintensivem Lichtspiel und Live-Musik zu einem multimedialen Theater-Erlebnis. Sprecherin Chantal Blanchard nennt die neue Aufführung eine "Broadway Show". Die Eintrittspreise sind allerdings auch recht hoch - Karten für die New Yorker Aufführung kosten zwischen 52,50 Dollar für Kinder (45 Euro) und 195 Dollar (165 Euro) für die besten Sitze.

Verena Dobnik