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SWR-Recherche: So erschreckend sieht's in den Hühnerfarmen aus, die Aldi Süd mit Bio-Eiern beliefern

Aldi Süd steckt in der Bredouille: Der SWR hat Betriebe besucht, die Bio-Eier auch für den Discounter produzieren. Die Zustände sind erschreckend: Tierkadaver liegen herum, Elektrozäune werden eingesetzt. Alles nicht erlaubt. Was steckt dahinter?

Bio-Eier von Aldi-Süd: Die Mär von glücklichen Hühnern

Bio-Eier von Aldi-Süd: Die Mär von glücklichen Hühnern

Es ist dem Verbraucher zu verdanken, dass Eier gekennzeichnet werden. Er hat die Wahl zwischen Eiern aus Käfig-, Boden- oder Freilandhaltung. Dafür ist der Konsument gern bereit, etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Teilweise kosten Bio-Eier im Discounter doppelt so viel wie die aus Bodenhaltung. Zum Wohl der Tiere. Zumindest denken das die Verbraucher.

Das dem keineswegs immer so ist, hat der SWR in der Sendung "Marktcheck" in der gestrigen Sendung aufgedeckt – und wittert bereits einen Skandal. Im Mai 2017 wurde Marktcheck Videomaterial von Tierschützern zugespielt. Natürlich sind die Aufnahmen nicht generalisierend auf alle Tierhalter und Bauern übertragbar. Trotzdem existieren jene Zustände. Das Bildmaterial stammt aus Hühnerfarmen in den Niederlanden, die Bio-Eier für Aldi Süd produzieren. Sie zeigen skandalöse Bedingungen: Riesige Ställe mit unzähligen Tieren, reihenweise tote Hühner und verbotene Elektroleitungen, die die Tiere am Auslauf hindern.

Verkauft Aldi Süd wirklich Eier, die als Bio gekennzeichnet sind, aus diesen Betrieben? Wäre dem so, wäre es ein Skandal, berichtet der SWR. Deshalb prüfen sie nach. Sie kaufen aus zehn zufällig ausgewählten Aldi-Süd-Filialen Bio-Eier ein. Anhand der Codes kann man zurückverfolgen, woher die Eier stammen. Und ja: Die Betriebe, aus denen die Undercover-Aufnahmen stammen, sind dabei.

Dichtgedrängt und auf mehreren Etagen hocken die Hühner in einem Stall auf einer Hühnerfarm in Maarsbergen in den Niederlanden. Die Bio-Eier von Aldi Süd kommen von hier. So dürften sie eigentlich nicht als Bio verkauft werden.

Dichtgedrängt und auf mehreren Etagen hocken die Hühner in einem Stall auf einer Hühnerfarm in Maarsbergen in den Niederlanden. Die Bio-Eier von Aldi Süd kommen von hier. So dürften sie eigentlich nicht als Bio verkauft werden.

Skandalöse Zustände in Riesenbetrieben

Beim Besuch eines Betriebes in Maarsbergen in den Niederlanden mit einem Tierschützer stellen die Macher der Sendung Erschreckendes fest: Die Hühner haben keinen Auslauf, obwohl das von den Bio-Richtlinien vorgegeben ist. Das soll auf Nachfrage aber nur eine Ausnahme gewesen sein. Knapp 24.000 Hühner leben auf dem Gelände, alle für die Bio-Eier-Produktion. Die Tiere haben keinen Platz für Bewegung, zudem sind Stromleitungen angebracht, die sollen zwar nicht funktionieren, das Verhalten der Tiere lässt aber anderes vermuten. Eine Ausnahme?

Keineswegs. Auf einem Betrieb in Lunteren sieht es nicht anders aus. Hier werden täglich 9000 Bio-Eier für Aldi produziert. Die Mülltonnen sind voll mit verwesenden Hühnern. Auch das ist verboten. Der SWR konfrontiert Aldi Süd mit den Recherchen. Der Discounter versichert, die Betriebe erneut zu prüfen und wenn nötig, Konsequenzen zu ziehen.

Die Bio-Eier bei Aldi Süd richten sich nach dem EU-Öko-Siegel. Die Auflagen sind recht lasch. Wünschen Sie sich strenger kontrollierte Betriebe, greifen Sie zu Demeter- oder Bioland-Eiern. 

Sehen Sie hier die ganze Sendung zum Thema "Die Mär von glücklichen Hühnern"!

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