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Interview

Die Nachfolger von Dieter Fuchs: Warum sich Fuchs nicht mehr auf seinem Gewürzregal ausruhen kann

Die Fuchs-Gruppe gehört zu den größten Gewürzherstellern der Welt. Erst kürzlich übergab der 90-jährige Dieter Fuchs das Zepter. Eine neue Generation übernimmt das Unternehmen. Ein Gespräch über altbackene Konzepte, nötige Transparenz und saubere Gewürze.

Fuchs Gewürze

Seit Jahrzehnten bewährt: das Gewürzregal von Fuchs

Fast selbstverständlich stehen die weißen Plastikdöschen mit Paprika, Pfeffer und Oregano in den Regalen deutscher Haushalte. Kaum einer weiß, dass diese von nur einem Hersteller stammen. Ostmann, Wagner und Ubena, sie alle kommen aus der Gewürzproduktion der Fuchs-Gruppe. Erst vor wenigen Monaten hat sich der 90-jährige Dieter Fuchs formal aus der Geschäftsführung zurückgezogen. Zuvor hat er ein Imperium geschaffen: einst von einem Ein-Mann-Betrieb zum größten Gewürzhersteller der Welt. Und doch hat sich Dieter Fuchs immer hinter verschlossenen Türen verbarrikadiert. Die neue Geschäftsführung will das nun ändern. Wie genau, darüber hat der stern mit Geschäftsführer Nils Meyer-Pries und Marketingchef Jan Plambeck gesprochen. 

Mit 90 (!) Jahren übergibt Dieter Fuchs das Zepter an Sie. Keine Würzmischung steht sinnbildlicher für die Ära Fuchs als Marmorkuchen. Niemand kaufte es, er wollte es aber unbedingt. Haben Sie das Sortiment umgestellt?

Plambeck: In den letzten Jahren haben wir das gesamte Sortiment überarbeitet und etwa ein Drittel der Gewürze herausgenommen, um auch Platz für die ganze Menge an neuen Ideen zu schaffen. Bis 2019 wollen wir außerdem alle Produkte unter Clean Label führen. Das bedeutet alle Produkte werden ohne Konservierungs- und Zusatzstoffe sein.

Also flog die Würzmischung für Marmorkuchen raus.

Plambeck: Die haben wir herausgenommen. Wir schauen uns gerade auf allen Ebenen den Markt und die Konsumenten an. Wir haben mit mehreren 100 Einkäufern gesprochen und sie beim Einkauf begleitet, um herauszufinden, wie sie die Entscheidung am Gewürzregal treffen.

Ist das jetzt nur möglich, weil Dieter Fuchs nicht mehr an Bord ist? Er galt als Patriarch, der von der digitalen Welt und modernem Marketing nichts wissen wollte.

Plambeck: Wir haben die Entscheidung sehr stark aus Konsumentensicht getroffen. Die wollen wissen, wie die Anbaubedingungen sind, woher die Gewürze kommen. Und was wir vor Ort, in den Anbauländern, eigentlich tun. Deshalb kommunizieren wir das Richtung Öffentlichkeit und Verbraucher.

Wenig modern wirkt auch Ihre Führungsriege. Dort sitzt keine einzige Frau.

Meyer-Pries: In der Geschäftsleitung gibt es eine Frau. Wir haben es uns aber auf die Fahne geschrieben, weibliche Führungskräfte zu suchen. Es ist passiert, dahinter steckten kein Plan und auch keine Vorbehalte, auch nicht aus der Vergangenheit. Aber wir arbeiten an dem Zustand.

Es hat ziemlich lange gedauert, bis Dieter Fuchs einen Nachfolger gefunden hat. Das Manager-Magazin schrieb mal über Sie, Herr Meyer-Pries, dass sie "eine hohe Leidensfähigkeit an den Tag legen, und Fuchs sie zuweilen wie einen Assistenten behandelte".

Meyer-Pries: Ich habe Dieter Fuchs immer als starken Unternehmer erlebt, der an sich und sein tägliches Tun höchste Ansprüche gelegt hat, und auch an seine Umgebung. Dahinter gehört eine starke Mannschaft. Ich bin seit 16 Jahren dabei, Herr Plambeck seit sieben Jahren. Unsere Geschäftsführung ist sehr stabil. Die Generationennachfolge ist vollzogen.

Was wollen Sie konkret anders machen?

Meyer-Pries: Wir nehmen die Herausforderung an, den Pioniergeist von Dieter Fuchs auch in die Zukunft zu tragen und dieses Unternehmen weiterhin auf diesem erfolgreichen Pfad zu tragen so wie es die letzten 65 Jahre war. Gleichzeitig müssen wir uns so modern aufstellen, dass wir dem sich verändernden Markt und auch den Wünschen der Verbraucher folgen können.

Plambeck: Eine der großen Veränderungen ist unsere Transparenz und Kommunikation - nach innen und nach außen. Das haben wir deutlich gesteigert.

Dieter Fuchs schlaueste Idee war vermutlich nicht die Erfindung des Dosierdöschens, sondern den Handel mit selbstgebauten Gewürzregalen zu versorgen, die von Ihnen kontrolliert und wieder aufgefüllt werden. Sind die Einzelhändler abhängig von Fuchs?

Plambeck: Die Entscheidung, was verkauft wird, fällt der Händler selbst.

Warum ist das Regal so wichtig?

Meyer-Pries: Wir sind davon überzeugt, dass wir mit unseren Regalen einen Mehrwert bieten. Die Verbraucher erkennen uns sofort wieder: am Gewürzregal. Für den Händler übernehmen wir unangenehme Aufgaben. Wir beliefern sie, räumen die Gewürze ein und kümmern uns um Nachbestellungen.

Das klingt für mich nach Abhängigkeit. Ihre Gewürzmischungen werden in Dissen verarbeitet, um dann im 400 Kilometer entfernten Schönbrunn in Thüringen abgefüllt und verpackt zu werden. Ist das nicht logistischer Irrsinn?

Meyer-Pries: Dieter Fuchs hat nach der Wende in die VEB- Konsum-Gewürzmühle investiert. Hier wird nicht nur abgefüllt, sondern auch direkt an Händler versendet. Das steht immer wieder auf dem Prüfstand, aber es ist in Ordnung.

Sie planen also nicht - auch wegen des ökologischen Fußabdruckes - alles an einem Ort zu machen?

Meyer-Pries: Nein, wir haben keine Pläne das Werk zu schließen. 

Geschäftsführer Nils Meyer-Pries (links) und Marketingchef Jan Plambeck haben sich in die Gewürzsäcke schauen lassen

Geschäftsführer Nils Meyer-Pries (links) und Marketingchef Jan Plambeck haben sich in die Gewürzsäcke schauen lassen

Der wichtigste Punkt Ihrer Neuausrichtung ist Transparenz, obwohl Sie schon seit einigen Jahren transparent sein könnten. Wieso fangen Sie erst jetzt damit an?

Plambeck: Der Konsument fängt jetzt stärker an, nachzufragen. Vor ein paar Jahren war es noch nicht so ein großes Thema. Woher die Gewürze stammen und was man damit macht, könnten wir schon seit Jahrzehnten kommunizieren. Und wir könnten auch Single-Origin-Gewürze, also nur von einem Bauern, anbieten. Das testen wir gerade.

Also kann ich in Zukunft per Smartphone nachverfolgen, von welchem brasilianischen Bauern das Paprika-Gewürz kommt.

Plambeck: Wir machen das nur, wenn die 100-prozentig gleichbleibende Qualität beispielsweise hinsichtlich des Grades der Würzung sichergestellt werden kann. Der Konsument erwartet gerade in diesem Fall ein immer gleichschmeckendes Produkt. Es wird in den nächsten Jahren aber Tests geben. Wenn der Konsument es annimmt, würden wir es größer ausrollen. Aber alles Schritt für Schritt.

Andere Mitbewerber verpacken Gewürze in Glas. Sie halten an der Plastikdose fest, obwohl die Meere voll von Plastik sind. Gibt es Überlegungen nach neuen Verpackungsmaterialien?

Plambeck: Der Kunststoff, in dem unsere Gewürze abgepackt werden, ist recycelbar.

Die meisten Verbraucher werfen die Dose aber vermutlich einfach in den Müll.

Plambeck: Man kann die Dosen in den Gelben Sack werfen, muss man aber nicht, da man sie als Nachfüllbehälter verwenden kann.

Die Fuchs-Würzmischung für Geflügel mit Paprika und Kurkuma enthält Dextrose, Hefeextrakt, Maltodextrine, Sojasaucenpulver, Trennmittel und so weiter. Wieso die Zusatzstoffe?

Plambeck: Wir haben schon 80 Prozent der Produkte, die noch nicht frei von Zusatzstoffen waren, umgestellt. Der Konsument kauft Produkte nach einem bestimmten Geschmacksprofil, deshalb arbeiten wir mit unseren Entwicklern daran, den Geschmack auch ohne Zusätze hinzubekommen. Wir nehmen die Zusatzstoffe aus allen Produkten aller unserer Marken, die wir im Lebensmitteleinzelhandel haben, heraus. Alle Gewürze und Gewürzmischungen sind bei uns im nächsten Jahr Clean Label. Weil wir wissen, dass es der Konsument so möchte.

Aber in den Gewürzmischungen von Lidl, die auch aus der Fuchs-Firma stammen, sind weiterhin jede Menge Geschmacksverstärker darin.

Plambeck: Wir stellen auch Handelsmarken her. Aber wir sind dort in sehr engen und vertrauensvollen Verträgen, die wir nicht kommentieren können.

Die Fuchs GmbH wurde auch zu dem Quasi-Monopol, weil Dieter Fuchs in den 90er Jahren anfing Wettbewerber aufzukaufen. Ostmann, Ubena, Wagner, etc. Aber kleine Start-ups greifen hier an. Haben Sie Angst vor den jungen Wilden?

Meyer-Pries: Wir sind froh, wenn der Gewürzmarkt so attraktiv ist, dass er junge Unternehmen anzieht. Und wir sind noch froher, wenn sich Unternehmen am Markt bewegen, die unsere Qualitätsansprüche vertreten, die sich um Ursprung und Herkunft kümmern, die tatsächlich ihre Wertschöpfungskette im Griff haben und nicht nur abpacken.

Sie machen vieles anders. Dieter Fuchs flog in der Vergangenheit mit seinem Privatjet auf die Felder. Der steht etwa 80 Kilometer von Dissen in Paderborn/Lippstadt zum Abflug bereit. Gibt es den Flieger noch?

Meyer-Pries: Wir haben jahrelang ein Geschäftsreiseflugzeug betrieben, was vor allem damit begründet war, dass die Herkunftsregionen der Gewürze schwierig zu erreichen gewesen sind. Wir haben dieses Flugzeug in eine gewerbliche Vercharterung gegeben. Das bedeutet, es kann jetzt als Charterflugzeug von Dritten genutzt werden.

Sind Sie damit auch geflogen?

Meyer-Pries: Ja.

Es heißt Dieter Fuchs habe darauf bestanden, dass man die Schuhe vor Betreten seines Privatjets ausziehen muss. Haben Sie den Flieger mit Socken betreten?

Meyer-Pries: (lacht) Das würde ich eher unkommentiert lassen.


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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(