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"Die Höhle der Löwen": So geht's "Ankerkraut" nach dem Deal: "Ich habe meine Frau ein Jahr lang angelogen"

Ankerkraut will es mit den Großen aufnehmen. Das Gewürzunternehmen schafft es mit einem guten Design und Marketing Kundenliebling zu werden. Auch die Löwen waren 2016 von der Kräuterfirma begeistert. Wie geht es den Gründern heute?

Die Höhle der Löwen Ankerkraut

Stefan Lemcke (links) und seine Frau Anne haben die Marke "Ankerkraut" gegründet

Die Lagerhallen sind prall gefüllt mit Gewürzen aus aller Welt. Es riecht nach Zimt, Chili, Kreuzkümmel, der Pfeffer kitzelt in der Nase. Die Mitarbeiter, die umher huschen und die nächsten Gewürzmischungen zusammenrühren, riechen das schon längst nicht mehr. In Hamburg-Sinstorf steht die Gewürzmanufaktur Ankerkraut. Eine Firma, die durch die Teilnahme bei "Die Höhle der Löwen" nicht nur bundesweit bekannt, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich geworden ist.

Hinter Ankerkraut stehen zwei Gründer, das Ehepaar Anne und Stefan Lemcke. Die beiden sind ein eingespieltes Team und mittlerweile Medienprofis durch und durch. Dass sie "hinter" Ankerkraut stehen, ist eigentlich falsch, sie verkörpern ihre Marke wie kaum jemand anderes in ihrer Branche. Sie sind auf allen Social-Media-Kanälen präsent, auf Youtube haben sie ihre Fans bei ihrer Ernährungsumstellung teilhaben lassen. Fans ist hierbei das richtige Wort, ein Fanclub wird gerade registriert. Nicht von den Gründern selbst, sondern von ihren Gewürzgroupies. Ein Beweis dafür, wie  gut die Lemckes als Marke funktionieren.

Die Höhle der Löwen Ankerkraut

Stefan Lemcke (links) und seine Frau Anne haben die Marke "Ankerkraut" gegründet

Aufgewachsen ist Stefan Lemcke in Tanzania, für ihn waren Gewürze Alltag. Eine Selbstverständlichkeit. Der pakistanische Koch mischte täglich Kräuter für Currys an. "Wenn ich an meine Kindheit denke, rieche ich Koriandersamen, Minze und Kreuzkümmel", erinnert sich Lemcke im Gespräch mit dem stern. Auch später als Erwachsener war sein Regal voller einzelner Gewürzen, nie von Fertigmischungen. Vielleicht ist das ein Grund dafür, warum er letztendlich ins Gewürz-Business einstieg, er wollte hochwertige Mischungen verkaufen.

Kräutermischungen aus der Garage

In einer Garage in Hamburg-Wilhelmsburg mischte Lemcke seine ersten Kräuter zusammen. "Es klingt wie ein Klischee, aber es war wirklich eine Garage", sagt Anne Lemcke. "Ich wollte etwas Handwerkliches machen", sagt der zuvor Selbständige im Online-Marketing. Dass er sich ausgerechnet an der Gewürzbranche festgebissen hat, ist mutig. Denn eigentlich ist der Markt gesättigt. 900 Millionen Euro Umsatz machen Gewürze in Deutschland. Dreiviertel davon fließen vor allem in die Kasse eines Großunternehmens: in die der Fuchs Gewürze GmbH. Fuchs hält 75 Prozent Marktanteil. Daneben gibt es die kleinen Player wie auch Ankerkraut. Deren Anteil am Markt? Ein Prozent.

2013 im Mai ging der Internet-Shop mit einer kleinen Gewürzauswahl von Ankerkraut online. Zu der Zeit log Stefan Lemcke seine Frau an. Er behauptete das Gewürzgeschäft nur nebenbei zu betreiben, und weiterhin Aufträge im Online-Marketing anzunehmen. "Ich habe meine Frau ein Jahr lang angelogen", sagt Lemcke.

Als sich der erste Umsatz aber abzeichnete, weihte er seine Frau ein. Erst kauften nur Familiemitglieder und Freunde ein, bald aber auch Fremde. Schließlich kamen erste Händler auf das Start-up zu. Als die Lemckes 2016 bei "Die Höhle der Löwen" pitchten, hatten die Gründer bereits zehn Mitarbeiter und waren in 200 Lebensmitteleinzelhandeln gelistet. Frank Thelen aber wollte investieren. 300.000 Euro für 20 Prozent Unternehmensanteile. Der Deal kam zustande. Das große Plus für die Lemckes? In dem Jahr machte Ankerkraut etwa 1,5 Millionen Euro mehr Umsatz, zudem ist Thelen ein großer Netzwerker und versorgte die Gründer mit den richtigen Kontakten. Und er war es auch, der den Lemckes dazu riet, sich als Marke zu etablieren und Gesicht zu zeigen.

Heute gibt es die Gewürze in den Glasflaschen und dem Korkverschluss bundesweit. Die Teilnahme bei den Löwen hat Ankerkraut dabei geholfen, zwei Jahre in der Entwicklung zu überspringen. "Wir hätten es auch ohne die Löwen geschafft, nur nicht so schnell", sagt Anne Lemcke.

Angriff auf die Gewürzbranche

Den Umsatz schätzen die Gründer für 2018 auf etwa 13 Millionen Euro. Die Geschäfte laufen gut, auf Ankerkrauts Payroll stehen mittlerweile 68 Mitarbeiter. Freizeit, Durchschlafen? Für Stefan Lemcke sind dies Fremdwörter. Wie auch. In der Produktionshalle rattern die Glasdosen mit den Gewürzmischungen durch. Hier wird gemischt, abgefüllt und etikettiert. Mittlerweile sind es 380 verschiedene Produkte, die hier rausgehen. Täglich werden etwa 14.000 Fläschchen abgefüllt. Langsam platzen die Lagerhallen aus allen Nähten, bald muss sich Ankerkraut flächenmäßig vergrößern, mal wieder. Die Produktion ist aber recht einfach, wenn man bedenkt, dass es sich um einzelne Gewürzsäcke handelt, die neu kombiniert und vermischt werden.

Wodurch sich Ankerkraut von anderen unterscheidet? Sie verwenden keine Zusatz- oder Konservierungsstoffe, die die Gewürze haltbar machen sollen. Bei Ankerkraut werden die Kräuter mit heißem Wasser bedampft und so konserviert, wie Stefan Lemcke auf Nachfrage erklärt. 

Bei welchen Händlern Ankerkraut seine Gewürze aber genau bezieht, verraten die Gründer nicht. Hamburg zählt zum Umschlagplatz für Gewürze in ganz Europa. 90.000 Tonnen Kräuter, Pfeffer, Salz und vieles mehr wird in die Hansestadt importiert. Hier kaufen also auch die großen Player der Gewürzbranche wie die Fuchs GmbH. Ob es die gleichen sind wie bei Ankerkraut, kann man nicht nachverfolgen.

Das Gewürz-Start-up will es aber mit den Großen aufnehmen. Das Fünf-Jahres-Ziel ist klar gesteckt: Ankerkraut will mit zehn Prozent am Gewürzumsatz Deutschlands beteiligt sein. Das wären dann 90 Millionen Euro. Bis dahin wollen die Gründer den Markt in den USA aufmischen, bislang verkaufen sie bereits in Italien, Dänemark und Holland. Ankerkrauts große Stärke: Sie verstehen sich perfekt darauf, sich als Marke zu präsentieren. Da rückt die Herkunft der Kräuter ganz schnell in den Hintergrund.

Im Video: "Die Höhle der Löwen: Das müssen Sie über die neue Staffel wissen"

Carsten Maschmeyer in der "Höhle der Löwen"

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