VG-Wort Pixel

Focacceria Bonassola Warum Focaccia keine Pizza ist


Koral und Onur Elci legen großen Wert darauf: Focaccia ist keine Pizza. Die Brüder haben eine Bäckerei nur für die italienische Spezialität eröffnet. Das ist einmalig in Hamburg.

Außen knusprig, innen saftig: Vor etwa fünf Jahren hatten die türkischen Brüder Koral und Onur Elci und der weitere Partner Robert die Idee für ein Gastronomie-Konzept. Sie haben lange überlegt und diskutiert. Am Ende sind sie beim Thema Teig gelandet. Denn Teig lieben sie, und es ist ein Produkt, bei dem man nicht von einem Koch abhängig ist. Aber Pizza am Stück zu verkaufen, kam für sie nicht infrage.

Die Lebensgefährtin von Koral hatte schließlich die zündende Idee: "Pizza könnt ihr vergessen, ich zeige euch etwas Besseres - aus Bonassola, einem ligurischen Örtchen in Italien." So kam es, dass sie ihrem Freund Koral ein Stückchen Focaccia im Flieger mitbrachte. Das war so lecker, dass sie zu ihm sagte: "Wenn du eine Focacceria aufmachst und es so gut backen kannst wie in Bonassola, dann heirate ich dich."

Schließlich geht Liebe durch den Magen. Also legten sich die Brüder und Partner Robert ins Zeug und entwickelten ein Konzept für eine Focacceria. Vor etwa drei Jahren waren sie kurz davor zu eröffnen, leider verstarb Robert unerwartet. Aus emotionalen Gründen musste der Plan für die Focacceria fürs Erste ruhen. Zu schmerzhaft waren die Erinnerungen.

Focaccia ist keine Pizza

Die Brüder konzentrierten sich erst einmal auf "Kitchen Guerilla". Gemeinsam mit Olaf Deharde sind sie ein mobiles Kochteam, das Menschen kulinarisch an den unterschiedlichsten Orten zusammen bringt. Sie "kapern" Restaurants, Biergärten und leerstehende Hallen und kochen zwischen Hamburg und Istanbul.

Der Traum der eigenen Focacceria rumorte jedoch immer im Hinterkopf. Trotzdem war es ein sensibles Thema: Es ging soweit, dass die Brüder ihren Kinder verboten, das Wort "Focaccia" überhaupt in den Mund zu nehmen. Codewort dafür war "Pizza".

Aber um Pizza handelt es sich bei Focaccia überhaupt nicht: Der Unterschied liegt in der Verwendung von Olivenöl. Focaccia-Teig muss nur so triefen vor Öl. Der Teig ist luftiger und dicker als Pizza-Teig - Mehl, Salz, Hefe, Wasser und jede Menge Olivenöl. Das sind die Hauptzutaten einer Focaccia. Außen muss sie knusprig, innen schön saftig sein.

Im Februar 2016 war es dann soweit. Die Brüder Elci erfüllten sich ihren langgehegten Traum. In Hamburg-Altona eröffneten sie im Souterrain der Großen Rainstraße 20 die "Focacceria Bonassola". Der Laden ähnelt eher einer Bäckerei als einem Restaurant, aber genau so soll es auch sein. Die Leute sollen kommen und gehen wann sie wollen und sich dabei wie bei Freunden fühlen. Ein bisschen südländische Mentalität eben.

Die Focaccia kann man morgens zum Frühstück vor Ort essen, mitnehmen und später aufbacken. Oder um 16 Uhr zum Aperitivo auf einen Happen und Drinks auf Wermuth, Gin und Bitter-Basis vorbeischauen. Demnächst soll es auch Frühstück am Wochenende geben.

Alle Produkte importieren die Brüder übrigens aus Italien. Von Produzenten, die sie persönlich kennen. Für den Teig verwenden sie drei verschiedene Mehl-Sorten, alle mit einem unterschiedlichen Gluten-Anteil. Gebacken wird die Focaccia von geschultem italienischen Personal. Belegt sind sie mit Tomaten, Oliven, Kapern, mit verschiedenen Käsesorten, mit Salsiccia, Kartoffeln oder köstlichen Artischocken. Für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Der Kracher ist die Focaccia leggera, die wird ohne Hefe gebacken und ist gedeckelt, eingeschlossen zwischen zwei Teig-Schichten ist Käse. Wer nach dieser Auswahl immer noch nicht satt ist, kann sich eine himmlische Torta della nonna, Omas Torte, bestellen. Die ist mit Mandeln und Vanillecreme auf Mürbeteig ein Gedicht! Koral ist übrigens noch nicht verheiratet, aber immer noch mit der gleichen Freundin liiert, die ihm damals Focaccia mitbrachte. Die sagt, dass die Focaccia im Laden der Brüder wie in Bonassola schmeckt. Vielleicht läuten bald die Hochzeitsglocken?


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker